Goyang. (rel) Wer denkt, dass die ukrainische Eishockey-Nationalmannschaft als zerstrittener Haufen zur B-WM nach Südkorea angereist sei, der irrt. In Wirklichkeit präsentierte sich Österreichs Auftaktgegner ungeachtet der politischen Probleme, die das Land aktuell plagen, am Karfreitag geschlossen und motiviert. Ob Ukrainer oder Russe - die ethnische Zuordnung spielt im gold-blauen Team von Coach Andrei Nasarow, der auch als Trainer von Donbass Donezk werkt, derzeit keine Rolle. Der Gegner der großteils russischsprachigen Spieler heißt hier nicht Janukowitsch, Turtschinow oder Putin, sondern Österreich.

Dass der erste Auftritt der rot-weiß-roten Auswahl gegen die Ukraine am Morgen des Ostersonntags (5.30 Uhr/live ORF Sport+) kein Spaziergang wird, dessen ist sich auch Teamchef Manny Viveiros bewusst. Dennoch spekuliert er mit einem Sieg - ja muss es sogar. "Das erste Spiel kann bereits richtungsweisend sein", sagte er am Karfreitag. Um eine realistische Chance auf die Rückkehr in die A-WM zu wahren, muss die verjüngte und unroutinierte Truppe, die Vivieros nach den Querelen von Sotschi zusammengestellt hatte, gewinnen, bei einer Niederlage wären die Aufstiegschancen nur noch gering.

"Chance für junge Spieler"


In die südkoreanische Hauptstadt Seoul ist der Austro-Kanadier mit insgesamt 13-WM-Debütanten angereist. Vom früheren Kader hat der Trainer nur wenige Führungsspieler zur Verfügung. In der Offensive baut Viveiros daher vor allem auf Kapitän Thomas Koch und Torjäger Brian Lebler, hinter der völlig neu formierten Abwehr wird eine starke Leistung von Torwart Bernhard Starkbaum gefragt sein. Der Einsatz von Stefan Geier wiederum ist wegen eines im letzten Testspiel gegen Ungarn kassierten Schlags fraglich.

"Ich hoffe, dass dieses Turnier für viele junge Spieler einen Unterschied für ihre Karriere macht. Das ist die Chance für junge Spieler aufzuzeigen und den nächsten Schritt zu machen", sagte Viveiros. Der 48-Jährige hatte 2012 in Ljubljana (B-WM) seinen WM-Einstand als Teamchef gegen die Ukraine gegeben, damals siegte Österreich mit 5:4. Allein vom damaligen Team sind nur noch acht Spieler wieder dabei. Die Voraussetzungen haben sich geändert, das Duell zwischen Absteiger Österreich und Aufsteiger Ukraine gilt nicht zuletzt deshalb als offen. Nicht vergessen sollte man vielleicht, dass die Ukraine, dessen Eishockey-Nationalmannschaft erst seit der Auflösung der Sowjetunion besteht und 1993 bei der C-WM - inklusive Platz zwei hinter Lettland - ihr Debüt feierte, bereits zwischen 1999 und 2007 Stammgast in der A-Gruppe war. Weswegen nicht zuletzt auch das gold-blaue Team als erfahren und routiniert gilt. So scheinen im erweiterten Kader neun Spieler vom Spitzenklub Donbass Donezk auf, der auch in der russischen KHL spielt. Allerdings werden auch die Ukrainer von Ausfällen geplagt: Der ehemalige NHL-Spieler Olexi Ponikarowski wird das Turnier aber ebenso verpassen wie Kapitän Ruslan Fedotenko, der in der Vorbereitung eine Knieverletzung erlitten hat.

Nach der Partie gegen die Ukraine warten auf Österreich noch die asiatischen Außenseiter Japan (Ostermontag) und Gastgeber Südkorea (Mittwoch), ehe es zum Wochenende hin gegen Ungarn (Donnerstag) und Aufstiegsfavorit Slowenien (Samstag) geht.