Nach einem Schicksalsschlag will Martin St. Louis mit den Rangers sportlich Schlagzeilen schreiben. - © ap/The Canadian Press, Ryan Remiorz
Nach einem Schicksalsschlag will Martin St. Louis mit den Rangers sportlich Schlagzeilen schreiben. - © ap/The Canadian Press, Ryan Remiorz

New York/Los Angeles. Zeit ist es geworden. Morgen um fünf Uhr Nachmittag Ortszeit (Donnerstag, zwei Uhr Früh MEZ) treffen sich im Staples Center zu Südkalifornien die New York Rangers mit den Los Angeles Kings, zum ersten von maximal sieben Malen. Die Endspiele um den Stanley Cup 2014, der höchsten im professionellen Eishockey unserer Zeit zu vergebenden Ehre, wird von Menschen bestritten werden, die noch einmal alle ihre geistigen und körperlichen Kräfte mobilisieren müssen, bevor es in den Urlaub geht; und niemandem wird man die Strapazen einer NHL-Saison derart ansehen wie diesen beiden Teams. Angesichts der Strapazen, denen beide in der bisherigen Saison ausgesetzt waren, wird weniger die Tatsache entscheiden, wer die besseren Spieler hat, als wer es besser schafft, der Müdigkeit in Kopf und Beinen Herr zu werden. Aber zunächst eine Einordnung anderer Art. Handelt es sich bei diesem, in dieser Form fast gänzlich unerwarteten Finale, doch um ein in mehr als einer Hinsicht historisches Ereignis.

Im Osten der USA blickt der Eishockeysport auf eine lange Geschichte zurück. Hilfreich bei der Entwicklung waren der Faktor Geographie und, damit untrennbar verbunden, das lokale Klima. Die Leute vergessen ja gern, dass der Bundesstaat New York eine Grenze mit dem einzigen Land auf der Erde teilt, in dem Eishockey quasi die Staatsreligion darstellt; nach Montreal und Toronto ist es von Manhattan aus nur ein Hupfer. Die Winter sind entsprechend lang und die Eisflächen zwischen diesen Orten zahlreich. Popularität und Erfolg sind trotzdem nicht das Gleiche, und für die New York Rangers gilt das schon seit 1926. Den Stanley Cup gewonnen haben sie in all den Jahren seitdem nur viermal - eine angesichts des Anspruchs eines Profisport-Teams aus der größten Stadt Amerikas magere Bilanz, die bei näherem Hinsehen gar noch befremdlicher wirkt. Von den vier Finalerfolgen gelangen den traditionell in Blau-Rot spielenden Rangers drei in der Zwischenkriegszeit (1928, 1933, 1940). Die Durststrecke bis zum nächsten Titel hielt sage und schreibe 54 Jahre und auch da bis zur letzten Minute an. 1994 brauchte New York sieben Spiele, um die Vancouver Canucks niederzuringen. Ab diesem Zeitpunkt beschlossen die Teambesitzer, sich ab sofort weniger aufs Schicksal denn aufs Geld zu verlassen, und die nächsten zehn Jahre wurde heftigst investiert (unter anderem führte diese neue Strategie 1997 zur Verpflichtung eines gewissen Herrn Wayne Gretzky).