Leeds. (rel/apa) Am Samstag ist in der englischen Stadt Leeds wieder einmal großer Bahnhof angesagt. Oder "Grand depárt", wie die Franzosen den Startschuss für die Mutter aller Radrundfahrten nennen. Dass die 101. Tour de France heuer wieder - zum zwanzigsten Mal in 60 Jahren - im benachbarten Ausland beginnt, ist da nichts Neues. Es ist ein Beispiel, das in den vergangenen Jahren auch bei anderen Radrundfahrten Schule gemacht hat. So hatte etwa der Giro d’Italia 2012 in Dänemark und heuer in Nordirland begonnen, die Polen-Rundfahrt in den Dolomiten und die Vuelta in den Niederlanden.

Für die Tour de France war die Wahl für 2014 erneut auf England - zuletzt war man 2007 von London aus gestartet - gefallen. Nicht jedem Franzosen gefällt das, dennoch liegen die Vorteile für Ausflüge ins Ausland für Tour-Direktor Christian Prudhomme auf der Hand. "Wir suchen Leidenschaft", erklärte er nun in Leeds. Und die finde man in Yorkshire auf außergewöhnliche Weise. "Häuser sind gelb gestrichen oder rot gepunktet, Pubs werden auf französische Namen ungetauft, der Enthusiasmus ist überall spürbar", so Prudhomme. Bei dem bunten Spektakel, das im Ausland um die ersten drei Etappen gemacht wird, ist das ja kein Wunder. Für den Veranstalter Amaury ist es auf jeden Fall ein gutes Geschäft, der Organisationsspezialist rechnet auch heuer mit Millioneneinnahmen.

45.000 Euro pro Etappe


Einen Geldregen erwarten dürfen auch die Sportler und ihre Rennställe, gelangen doch 2014 etwas mehr als zwei Millionen Euro zur Verteilung. Rund ein Viertel der Summe geht an den Gesamtsieger, für jede gewonnene Etappe gibt es 45.000 Euro.

Zu jenen, die sich am Ende vermutlich wieder die Hände reiben dürfen, zählt der Engländer Christopher Froome, der von Experten wie auch von der Konkurrenz als Topfavorit gehandelt wird. Der in Kenia geborene Athlet hatte 2013 schon auf der achten Etappe das Gelbe Trikot übernommen und in Paris mit mehr als vier Minuten Vorsprung triumphiert. Er selbst wies noch wenige Tage vor dem Auftakt in Leeds die Rolle des ersten Sieganwärters von sich. "Diese Tour ist ein sehr offenes Rennen." Der Radprofi des Teams Sky trägt die Nummer eins, doch nach einem keineswegs problemlosen Saisonstart und dem jüngsten Sturz im Dauphine-Kriterium stapelt er nach außen hin tief. "Es gibt mehrere große Champions in dieser Tour, man braucht sich nur Alberto Contador und seine Leistungen anzusehen. Ich bin einer der Anwärter auf das gelbe Trikot, aber ich würde nicht sagen, dass ich über den anderen stehe", betonte der 29-Jährige in Leeds.

Heimvorteil genießt aber nicht nur Froome, sondern auch Mark Cavendish. Der Sprint-Star hat bereits 25 Tour-Etappen gewonnen, am Samstag jagt er auf den 190 Kilometern von Leeds nach Harrogate dem Sieg und auch dem gelben Trikot nach, das er noch nie getragen hat. Ein Sieg würde den 29-Jährigen auch aus einem anderen Grund freuen: Seine Mutter Adele stammt aus Harrogate, seine Großeltern leben noch dort.

Bernhard Eisel radelt mit


Froome wie auch Cavendish dürfen sich damit in der Heimat auf einen großen Bahnhof mit Millionen Fans entlang der Rennstrecke freuen. Zu Froomes acht Helfern zählt Bernhard Eisel, der einzige Österreicher bei der 101. Auflage. Er soll den Chef in dem nervösen Feld sicher über die kommenden Etappen führen. Der Steirer hat die ersten Etappen im Vorfeld inspiziert und war nicht nur von der Begeisterung der Menschen beeindruckt. Eine Warnung hatte er mit Blick auf mögliche Stürze parat: "Am Samstag kann man die Tour nicht gewinnen, aber schon verlieren", so der Österreicher.

Auf die Attacken von Contador, Vincenzo Nibali und den anderen wollen Eisel wie Froome gefasst sein. "Mein größtes Ziel ist es, vor dem Zeitfahren am vorletzten Tag zumindest in Reichweite des gelben Trikots zu sein", erklärte der Brite. Der Bahnhof in Paris wird auf alle Fälle ein großer sein.