Dominic Thiem. - © ap/Darron Cummings
Dominic Thiem. - © ap/Darron Cummings

New York. (apa/art) Zunächst überwog der Frust. "Ich hoffe, ihr versteht, dass ich im Moment über das Match von heute mehr enttäuscht bin als froh über die ganzen Erfolge hier", schrieb Dominic Thiem noch kurz nach seiner 1:6, 2:6, 4:6-Niederlage gegen den Tschechen Tomas Berdych im Achtelfinale der US Open auf seiner Facebook-Seite. Wenig später hatte er sich gegenüber der Austria Presse Agentur schon gefasst und den Blick in die Zukunft gerichtet. "Ich habe von allen Matches hier genug gelernt. Ich habe gesehen, wo meine Schwächen sind und wo ich mich verbessern muss", sagte er.

Tatsächlich war New York für den seit Mittwoch 21-jährigen Niederösterreicher eine Reise wert. Beim ersten Mal bei den US Open im Hauptbewerb, erreichte er als Debütant gleich die zweite Woche, erspielte sich damit einen Vorstoß in die Top 40 der Weltrangliste und einen Siegerscheck in Höhe von rund 143.000 Euro. Dass es nicht noch mehr wurde, sei einerseits an ihm selbst gelegen ("Ich habe versucht, dass ich der bin, der am Drücker ist, aber das ist mir viel zu selten gelungen"), andererseits an der Stärke seines Gegners, der immerhin an der siebenten Stelle in der Weltrangliste liegt und unter anderem schon 2012 das Halbfinale in Flushing Meadows erreicht hat. "Er hat mir den Unterschied zwischen einem Top-50- und einem Top-Ten-Spieler aufgezeigt", erklärte Thiem und analysierte weiter: "Er spielt extrem schnell und flach, serviert gut, retourniert gut. Wenn man ihn nicht permanent unter Druck setzt, schießt er dir die Bälle um die Ohren."

Dass er sich selbst indessen bei schwülwarmen Bedingungen gegen Ende des zweiten Satzes behandeln lassen musste, ließ er ebensowenig als Ausrede gelten wie die drei vergebenen Breakchancen bei 40:0 aus seiner Sicht im ersten Game. "Ich glaube, es wäre nicht anders gelaufen, wenn ich dieses Game gemacht hätte", meinte der Österreicher, der nun die Heimreise antreten und sich nach einigen Tagen Erholung auf die Asien-Tournee mit den Turnieren in Kuala Lumpur, Tokio und Shanghai vorbereiten wird, ehe es zum emotionalen Saison-Höhepunkt in die Wiener Stadthalle geht. Während er seinen Verzicht auf den Daviscup von 12. bis 14. September in der Nähe von Riga schon bekanntgegeben und mit den Strapazen der vergangenen Wochen begründet hat, ist das Antreten seines lettischen Trainingspartners Ernests Gulbis in diesem Länderkampf um den Verbleib in der Europa-Afrika-Zone I weiter ungewiss. Auf der Nominierungsliste des lettischen Verbandes scheint der Weltranglistenzwölfte auf, Günter Bresnik, Trainer von Gulbis und Thiem, hat aber bereits angekündigt, dass er nicht spielen werde. Sollte er fehlen, hat Österreichs Quartett Jürgen Melzer, Martin Fischer, Philipp Oswald und Alexander Peya auch ohne die nominellen Nummern eins und zwei - neben Thiem fehlt auch Andreas Haider-Maurer - gute Chancen. "Die Letten haben keinen Spieler unter den Top 700, dieses Duell ist nicht zu verlieren", hatte Bresnik gemeint.