Altmeister Tom Watson (l.) fordert mit dem US-Team die Europäer unter der Führung von Paul McGinley heraus.
Altmeister Tom Watson (l.) fordert mit dem US-Team die Europäer unter der Führung von Paul McGinley heraus.

Gleneagles. (art) Als Paul McGinley im Jänner des vergangenen Jahres auserkoren wurde, um das europäische Golf-Team zur Mission Titelverteidigung beim Ryder Cup 2014 zu führen, war das für viele eine kleine Überraschung. Zwar hatte McGinley, übrigens erster Ire auf dem Posten, schon bei den beiden vergangenen Auflagen als Assistenzkapitän gedient, war für seine strategischen Qualitäten von seinen damaligen Vorgesetzten Colin Montgomerie und José-María Olazabal geschätzt worden und genießt auch unter den aktuellen Spielern höchstes Ansehen. Doch nachdem die PGA of America nur wenige Wochen davor Tom Watson als Kapitän ernannt hatte, waren Zweifel an McGinley aufgekommen. Denn mit der Strahlkraft des Altmeisters aus Kansas City kann er nicht mithalten, mit seinen Erfolgen ebenso wenig.

McGinley war gerade zehn Jahre alt, als sein Pendant auf amerikanischer Seite 1975 bei den British Open sein erstes Major-Turnier gewann. Sieben weitere sollten folgen, was den heute 65-Jährigen zur Nummer sechs der ewigen Rangliste macht. Und er orientierte sich immer an den Besten, an Rekord-Sieger Jack Nicklaus und an Byron Nelson, dem Seriensieger der 40er Jahre. Von dem einen, Nicklaus, habe er die akribische Planung gelernt ("Er hat sich besser vorbereitet als jeder andere - immer"), vom anderen den unbändigen Ehrgeiz. "Die Niederlage zu hassen, das ist es, was er mir beigebracht hat", erklärte er. Und das ist es auch, das Watson zu einem der besten Spieler seiner Zeit machte - und ihn noch heute mit der, wenn auch erweiterten, Weltspitze mithalten lässt. Vor fünf Jahren hätte er beinahe das Kunststück fertiggebracht, 34 Jahre nach seinem ersten und 26 Jahre nach seinem letzten Sieg erneut bei den British Open zu triumphieren, erst im Stechen musste er sich damals dem um 24 Jahre jüngeren Stewart Cink geschlagen geben.

Altmeister Tom Watson (l.) fordert mit dem US-Team die Europäer unter der Führung von Paul McGinley heraus.
Altmeister Tom Watson (l.) fordert mit dem US-Team die Europäer unter der Führung von Paul McGinley heraus.

Es sind Geschichten wie diese, die Watson für das amerikanische Team, vor allem für die Jungen wie Rickie Fowler, zu einer Respektsperson macht - und für das in den vergangenen Jahren im Ryder Cup angesichts von sieben Niederlagen in den jüngsten neun Aufeinandertreffen einigermaßen traumatisierte US-Golf zur Idealbesetzung für das höchste Amt. Zum einen wurde seine Wahl als taktisch klug erachtet, weil er als Spezialist für die Eigenheiten britischer Kurse gilt - wenngleich diese in Gleneagles weniger stark ausgeprägt sind als anderswo. Zum anderen strahlt Watson, eigentlich ein Gentleman der alten Schule, in der Etikette noch das Höchste und Geld im Sport Nebensache war, nicht nur die nötige Autorität aus, sondern auch jenes Selbstbewusstsein, das nun die Seinen verinnerlichen sollen. Noch vor seiner Ernennung zum Kapitän bewarb er sich öffentlich für den Posten.