Salzburg. Zum Abschied gab es noch einmal eine formvollendete Inszenierung. Der Winter ist schließlich nicht mehr weit, Weihnachten kommt auch bald und damit auch die Vierschanzentournee. Somit war es nur logisch, dass der ORF Platz auf seinem Flaggschiff freiräumte, um die letzte Pressekonferenz von Thomas Morgenstern als Sportler zur Mittagszeit zu übertragen.

Die Moderation im Hangar 7 von Morgenstern-Sponsor Red Bull übernahm auch gleich das ORF-Team. Der Schnee grüßt schließlich schon von den umliegenden Salzburger Bergen, das heißt, Sport in winterlicher Umgebung wird bald wieder nationale Angelegenheit sein. Thomas Morgenstern, Olympiasieger, Weltmeister, Gesamt-Weltcup- und Vierschanzentourneesieger, wird in diesem Winter aber nicht mehr dabei sein. Was sich in den vergangenen Tagen bereits abzeichnete, bestätigte der 27-Jährige am Freitag. Selbst die Spitze des österreichischen Skiverbands (ÖSV), Cheftrainer, nordischer Direktor, Sportdirektor, war gekommen, um sich von einem ihrer Aushängeschilder zu verabschieden. Einzig Präsident Peter
Schröcksnadel ließ sich entschuldigen, der Weg aus Kanada wäre trotz des epischen Ereignisses doch zu weit gewesen.

Winter mit zwei Stürzen
als Auslöser


Aufgrund der großen Inszenierung samt Live-Übertragung war auch genug Raum für melodramatische Töne. Der eine oder andere im mit elf Fernsehkameras, Journalisten und Adabeis gefüllten Raum wird sentimental geworden sein. Morgenstern selbst zählte allerdings nicht dazu. Mit einem Lächeln, mit fester Stimme und ohne einen Anflug eines bei Sportlerabschieden durchaus üblichen emotionalen Ausbruchs verkündete der Kärntner, dass er seine sportliche Laufbahn beenden werde.

Es war offensichtlich, dass hier auch einiges an Belastungen wegfällt. Wobei Morgenstern später selbst erklärte, manches überspielt zu haben. "Es ist sicher nicht so locker, wie es heute vielleicht rübergekommen ist. Aber ich habe mir geschworen, dass ich nicht sentimental werde", sagte er zur APA.

Die Entscheidung zum Abschied ist eng verknüpft mit Morgensterns vergangener Saison. Da feierte er zwar seinen ersten Weltcupsieg nach zwei Jahren Pause, tags darauf stürzte er aber, um mit Platz zwei bei der Vierschanzentournee zurückzukehren. Nach einem weiteren, noch schwereren Sturz kehrte er nach überraschend schneller Heilung nur noch zu den Olympischen Spielen in Sotschi zurück, wo er mit dem Team die Silbermedaille ersprang. Das Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Material kehrte aber nicht mehr wieder.