Enthusiastische Royals leiden unter mangelnder Routine


Im Gegensatz zu den Royals, die seit ihrer Gründung 1969 zum zweiten Mal in der Endspielserie stehen (1980 verloren sie gegen die Philadelphia Phillies), stellt die Teilnahme an nämlicher für ihre Gegner schon fast Routine dar. San Francisco hat es mit den geraden Jahren. Unter Chefcoach Bruce Bochy, dem sie an der Westküste längst ein Denkmal gesetzt haben, gewannen die Giants die Meisterschaft das erste Mal 2010, dann 2012. Dem gegenüber stehen die Männer von Royals-
Coach Ned Yost, der weder als Spieler noch als Chefbetreuer je an einem Saisonfinale teilnahm (obwohl er einen World-Series-Ring besitzt, weil er 1995 in untergeordneter Rolle die Pitcher der damaligen Sieger Atlanta Braves trainierte).

Die Hoffnung der Royals, die mangelnde Routine im Umgang mit Erfolgsdruck wettzumachen, liegt in ihrer besonderen Spielweise begründet. In der abgelaufenen regulären Saison verzeichneten sie, man mag es kaum glauben, die wenigsten Home Runs von allen 30 in der MLB tätigen Mannschaften: schlappeste 95 an der Zahl. Aber in nahezu allen anderen Kategorien, in denen es nicht ums Schlagen, sondern ums Werfen und ums Rennen und ums Fangen geht, zählen sie zur absoluten Spitze. Die Online-Ausgabe des altehrwürdigen "Time Magazine" hat Kansas City wegen seiner Statistiken, die von einer bescheidenen Offensive, aber einer eisernen Defensive zeugen, nicht weniger als "die Zukunft des Baseballs in der Post-Steroid-Ära" genannt. Was schon wieder verdächtig ist, als angekündigte Revolutionen in der Regel nicht stattfinden und im Traditionssport Baseball schon überhaupt gar nicht. Und noch ein anderer Faktor kommt dazu, der den enthusiasmierten Royals-Anhang ein wenig runterholen sollte. Vom letzten Pitch im Halbfinale bis zum ersten in der World Series hatten die Royals fast eine ganze Woche zum Ausspannen. Die Meinungen der Experten, ob das gut oder böse ist, gehen auseinander: Einerseits droht in einem Spiel wie Baseball schnell der Rost einzusetzen und wenn man einen derartigen Lauf hat und dann eine so lange Pause, droht jedes Team aus dem Rhythmus geworfen zu werden. Andererseits ist viel Ruhe nach einer anstrengenden Saison auch nicht das schlechteste. Der Auftakt zur World Series 2014 passiert heute Abend um 20 Uhr Ortszeit (drei Uhr morgens MEZ) im Kaufmann Stadium zu Kansas City, Missouri. Es fasst 40.000 Menschen und es wird, soviel lässt sich mit Sicherheit sagen, voll sein mit Menschen von ebendort. Ein paar aus Kansas werden auch dabei sein.