Doha. (rel/apa) Schämen müssen sie sich nicht. Die WM in Katar dürfen Österreichs Handball-Männer jedenfalls erhobenen Hauptes verlassen. Immerhin wurde die Mission Achtelfinale geschafft, erneut untermauerten Viktor Szilagyi und Co. den Stellenwert, den man sich in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Dass die ÖHB-Truppe das historische Viertelfinale vor Augen am Sonntag Gastgeber Katar mit 27:29 knapp unterlag, schmerzte dann aber doch. "Wir haben zu viel hergeschenkt. Wir haben das Spiel ganz gut aufgezogen, und wir haben die Konterchancen gehabt", sagte Defensivspezialist Markus Wagesreiter. "Es macht mich so traurig, weil wir heute eigentlich alles richtig gemacht haben", meinte auch Szilagyi betroffen und sprach damit wohl seinem Coach Patrekur Johannesson aus der Seele. Der Isländer war nach der Partie zwar etwas "enttäuscht", wollte seinen Spielern aber "keinen Vorwurf machen". Im Gegenteil. Immerhin war man nach einer spannenden Gruppenphase, wo man sich gegen starke Gegner wie Kroatien, Tunesien oder Mazedonien hatte beweisen müssen, in die Finalrunde eingestiegen.

Für ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner war der österreichische Auftritt im Emirat jedenfalls ein würdiger. "Wir können stolz sein und uns in den Spiegel schauen", erklärte er am Montag. Nicht zuletzt von der Einstellung zeigte sich der Funktionär, der in seiner fast 20-jährigen Ära als Generalsekretär auch ganz andere, triste Zeiten erlebt hat, angetan. "Wir sind so konzentriert durch das Turnier marschiert wie überhaupt noch nie. Beim Einzug ins Achtelfinale war das für mich schon beeindruckend: Da hat es ein kurzes Abklatschen gegeben, das war’s. Wir wissen einfach: Wenn wir nachlassen, gibt’s den nächsten Tag für uns nicht mehr."

Diese Fokussierung müsse nun aufrechterhalten werden, bei den Spielern wie beim Verband. "Mit der EM 2020 (gemeinsam mit Norwegen und Schweden, Anm.) haben wir ja schon vorgebaut", meinte Hausleitner im Hinblick auf die Gefahr, das Momentum zu verlieren. "Wir haben den nächsten Vierjahresplan im Köcher. Das hilft uns sicher, die momentane Enttäuschung zu überwinden", erklärte er nach dem Ausscheiden am Sonntagabend in Doha.

Sein Antrieb: Der Aufschwung, der 2008 mit dem starken Engagement von Ex-Trainer Dagur Sigurdsson begann und über die Heim-EM 2010 zu weiteren Endrundenteilnahmen (WM 2011, EM 2014) und nun 2015 führte, soll fortgesetzt beziehungsweise das erreichte Niveau zumindest stabilisiert werden. "Trainer Patrekur Jóhannesson hat perfekte Arbeit geleistet. Die Spieler haben eine unglaubliche Leidenschaft entwickelt. Wir werden uns die nächsten Ziele suchen", so Hausleitner.

Um diese zu erreichen, ist allerdings ein Umbau der Mannschaft nötig. Schon nach der EM im Jänner 2014 standen die Teamkarrieren von Kapitän Viktor Szilagyi und von Vitas Ziura vor ihrem Ende, für die WM machten beide aber noch weiter. Konkrete Antworten gab es nach der Niederlage gegen Katar erwartungsgemäß keine. "Aktuell bin ich total leer. Ich werde aber den Teamtrainer als erstes informieren", erklärte Szilagyi nach seinem 196. Spiel für die ÖHB-Auswahl seit 1998. Jóhannesson wird jede Entscheidung seines Schlüsselspielers akzeptieren. "Wir werden in Ruhe reden. Aber wenn ein Spieler sagt, es reicht, dann hole ich andere Spieler", so der Isländer.

Olympia und EM als Ziele


Hausleitner wiederum ist für den Fall, dass Szilagyi und Ziura Abschied nehmen, nicht bange. "Jeder von Jóhannessons Plänen seit 2011 ist aufgegangen. Er hat Santos statt Wilczynski eingebaut, schon früh auf die Hermann-Brüder gesetzt und jetzt Nikola Bilyk viel Spielzeit gegeben. Auch Fabian Posch am Kreis hat seine Sache gut gemacht", meinte er. "Jóhannesson hat einen konkreten Plan. Wenn wir die Mannschaft umbauen müssen, dann hat er eine Lösung." An Zeit wird es nicht mangeln: Im Sepember ist Jóhannessons Vertrag bis 2020 verlängert worden.

Die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist nach verpasstem Viertelfinale definitiv abgehakt. Der Fokus liegt vorerst auf der Fortsetzung der EM-Qualifikation. Nach den Niederlagen gegen Spanien und Deutschland zum Auftakt steht man aber hier mit dem Rücken zur Wand, vorerst soll Ende April, Anfang Mai beim Doppel gegen Finnland die Chance zumindest am Leben erhalten werden. Auch bei der WM-Qualifikation 2017 droht ein schweres Los. Mit dem Achtelfinale in Katar habe man sich aber zumindest für die EM-Quali 2018 in eine gute Ausgangslage gebracht: Da ist man in Topf zwei gesetzt. Hausleitner: "Da wollen wir wieder voll attackieren."