• vom 12.03.2015, 16:25 Uhr

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Guter Rat ist sehr, sehr teuer




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  • Die Formel 1 beginnt in Melbourne mit einer Farce.



Melbourne. (art) Natürlich gibt es wieder ein großes Brimborium in Australien, wenn die neue Formel-1-Saison am Freitag mit den ersten Trainings und dem Grand Prix am Sonntag (6 Uhr MEZ) auf dem Albert Park Circuit eröffnet wird; das gibt es immer. Doch immer öfter können die Querelen hinter den Kulissen durch den schönen Schein nicht mehr verborgen bleiben. Denn die schillernde Rennserie hat in den vergangenen Jahren unübersehbare Kratzer abbekommen. Sponsoren und Zuschauer ziehen sich zurück, Teams verschwinden in der Versenkung, ob geplante Rennen tatsächlich stattfinden können, ist manchmal alles andere als fix. In diesem Jahr gestaltet sich die Lage besonders bizarr, zusammengefasst in etwa so: Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Rechtsstreit her.

Zu viele Piloten
für zwei Cockpits

Denn bei Sauber klagte der Niederländer Giedo von der Garde seinen Startplatz für den Grand Prix in Melbourne erfolgreich ein. Er hatte im vergangenen Jahr von seinem Schweizer Team die Zusicherung bekommen, heuer zum Grand-Prix-Piloten aufzusteigen. Offenbar war dies nicht nur durch einen Handschlag, sondern vertraglich fixiert worden, schließlich bekam Van der Garde zunächst vor einem Schweizer Gericht in Genf und nun auch vor dem Supreme Court im australischen Bundesstaat Victoria recht. Sauber legte dagegen zwar Berufung ein - blitzte damit am Donnerstag allerdings ab. Das Problem dabei: Der finanziell schon länger taumelnde Rennstall hatte im Herbst den Schweden Marcus Ericsson sowie den Brasilianer Felipe Nasr ebenfalls als Stammpiloten verpflichtet und damit drei Fahrer, die Ansprüche auf einen Platz in zwei Cockpits stellen. Vorerst. Denn möglich ist auch, dass Adrian Sutil, der im vergangenen Jahr unsanft ersetzt worden war, noch den Gerichtsweg bestreitet. Schließlich wähnt auch er sich im Besitz eines gültigen Kontrakts.


Für Sauber ist nun guter Rat teuer - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Ericsson und Nasr brachten eine beträchtliche Summe an Sponsorengeld mit, das Sauber bereits ausgegeben oder verplant hat. Eine Vertragsauflösung kann sich der ohnehin finanzklamme Rennstall kaum leisten. Und auch Van der Garde scheint wild entschlossen, seinen Platz zu behaupten, wenn möglich mit einer Zwangsvollstreckung. Doch auch bei ihm tun sich Probleme auf: Er verfügt über keine gültige Superlizenz, diese hätte das Team über den nationalen Verband beim Automobil-Weltverband beantragen müssen. Sauber argumentiert nun einerseits, dass der Vertrag gar nicht persönlich mit Van der Garde, sondern seinem Unternehmen, abgeschlossen worden sei, und dass andererseits ein Einsatz des Niederländers, der bei Tests noch nie im neuen Boliden gesessen ist, zu gefährlich wäre. Die meisten Piloten im Feld teilen diese Aussage nicht: Van der Garde ist schließlich kein Neuling mehr, sondern 29 Jahre alt und schon 19 Formel-1-Rennen, im Jahr 2013 für Caterham, gefahren. Zudem war er schon im Vorjahr als Ersatzfahrer beim selben Team. "Es ist keine Frage der Sicherheit", meinte etwa McLaren-Pilot Jenson Button. "Das jetzt gegen ihn zu verwenden, ist unfair."

Große Fluktuation
bei den Teams

Mercedes-Pilot Nico Rosberg nennt das Verhalten Saubers "unglücklich", "traurig und seltsam" findet es Williams-Fahrer Felipe Massa; "ein Riesenchaos", befand auch Ex-Sauber- und Nunmehr-Force-India-Pilot Nico Hülkenberg. Dabei sei die Situation der Formel 1 ohnehin derzeit eine schwierige. Und der Deutsche weiß, wovon er spricht. Schließlich leidet auch Force India unter den immensen Kosten, genauso wie Lotus. Möglich, dass auch sie bald zu den verschwundenen Teams zählen, im Vorjahr erwischte es Caterham und Marussia. Von ersterem Rennstall wird gerade das Familien-Silber verscherbelt, um die Gläubiger bedienen zu können, die Konkursmasse des zweiten wird unter dem neuen Namen Manor am Start stehen. Die Farce um Van der Garde passt perfekt ins Bild, das die Formel 1 derzeit abgibt.




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Dokument erstellt am 2015-03-12 16:29:05


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