Vettel mit Ferrari-Boss Maurizio Arrivabene (l.) und Chefmechaniker Diego Ioverno (r.). - © Reters/Harris
Vettel mit Ferrari-Boss Maurizio Arrivabene (l.) und Chefmechaniker Diego Ioverno (r.). - © Reters/Harris

Sepang. Eines ist klar: Nach nur zwei Saisonläufen müssen einige vor der Saison noch anscheinend unumstößliche Tatsachen doch revidiert werden. Erstens: Für die favorisierte Mercedes-Mannschaft wird die Titelverteidigung nicht so einfach wie gedacht. Und zweitens hat Ferrari mit seinem neuen Star Sebastian Vettel einen Coup gelandet, der heuer noch so seine Spuren in der Formel 1 hinterlassen wird. Der Deutsche bewies mit seinem Erfolg in Sepang, dass er jedenfalls ein echter Herausforderer sein könnte.

Dessen eingedenk, hatte Ferrari also in Malaysia genug Grund zum Feiern. Die Party nicht entgehen lassen wollte sich auch Vettel und verschob deshalb seinen für Sonntag geplanten Heimflug zu Frau und Kind. Aber auch im rund 10.000 Kilometer entfernten Italien ging es turbulent zu. Am Firmensitz Maranello rasteten die Tifosi regelrecht aus. "Sepang, die Magie von Vettel", titelte etwa "La Gazzetta dello Sport" und folgerte: "Stärker als die Kolosse von Mercedes." Parallelen zu Ex-Ferrari-Star Michael Schumacher wurden gezogen. "Die Roten finden ihren verlorenen Kaiser wieder", verkündete auch der "Corriere dello Sport". Zu Gesicht kriegen werden die Italiener ihren Kaiser allerdings noch nicht so bald. Vettel blieb noch bis Montag in Sepang und wird die Osterfeiertage in seiner Wahlheimat Schweiz verbringen.

Gründe für die spontane Feier gab es genug: Für den vierfachen Weltmeister war es nicht nur der erste Sieg mit der Scuderia, es war auch sein erster seit dem Saisonfinale im November 2013, damals noch mit Red Bull. Mit nun 40 Erfolgen fehlt dem Hessen nur noch ein weiterer, um in dieser Bestenliste mit Ayrton Senna (41) gleichziehen zu können. Lediglich Schumacher (91) und Alain Prost (51) können mehr Grand-Prix-Erfolge aufweisen. Noch länger auf einen Sieg warten musste Ferrari: Fernando Alonso hatte 22 Monate zuvor in Barcelona letztmals gewonnen.

Obwohl Vettel nur wenige Monate bei Ferrari ist und dort erst zwei Grand Prix bestritt, hat sich bereits ein herzliches Verhältnis zwischen dem "Tedesco" und dem für seine Leidenschaft berühmten Traditionsteam entwickelt. Vettel kommt mit seiner Art bei den Ferraristi gut an. In Sepang gewann er nicht nur durch den Sieg Sympathien, sondern auch durch seinen emotionalen Auftritt danach mit Tränen, dem Griff zur Ferrari-Fahne und italienischen Dankesworten.

Der von den Ferraristi verehrte Schumacher hingegen hatte sich ja nur in Ausnahmesituationen so spontan und persönlich gezeigt. Vettel aber weiß, wie er die italienischen Herzen gewinnen kann. Wiederholt rief er "Grazie, grazie" in die Kameras und sprach von einem "Kindheitstraum", der wahr geworden sei. Tatsächlich hatte ihn einmal sein Vater Norbert, als er noch Kart fuhr, mit nach Italien genommen, um Schumacher beim Grand Prix zuzuschauen. Weiters statteten die Vettels dem Ferrari-Heiligtum in Maranello einen Besuch ab - wenn auch Klein-Sebastian damals noch vor verschlossenen Toren stand.

"Werden zurückschlagen"


Dass Vettel und die Roten beim kommenden Grand Prix wieder so feiern können, ist aber eher unwahrscheinlich. Die Hitze in Sepang spielte Ferrari in die Hände. Die Reifen bauten deutlich weniger stark ab als bei den Silberpfeilen. Hätte Vettel wie der zweitplatzierte Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf Rang drei ebenfalls dreimal stoppen müssen, wäre Mercedes der nächste Doppelerfolg garantiert gewesen.

Die richtige Taktik erwies sich als gewinnbringend - und sorgte natürlich für gedrückte Stimmung beim Branchenprimus. Statt einer Siegesserie wie im Vorjahr wurden die unschlagbaren Silberpfeile bereits beim zweiten Saisonrennen gestoppt. In der Qualifikation hatte es sich angedeutet, dass Lewis Hamilton und Nico Rosberg im Rennen Probleme bekommen könnten. Für den Lauf in Shanghai (12. April) jedenfalls kündigten die Weltmeister Revanche an. "In Shanghai wird es anders", erklärte etwa Motorsportchef Toto Wolff. "In China werden wir zurückschlagen", sekundierte auch Rosberg. Im Notfall soll ein Strategiewechsel helfen. Vielleicht gelte ja bei Mercedes "zu sehr der Fairplay-Gedanke", hatte Wolff, der beide Fahrer bisher gleich behandelt hat, gemeint. "Vielleicht müssen wir umdenken und eventuell unpopuläre Entscheidungen treffen." Für Spannung ist gesorgt.