Monte Carlo. (art) Im April, da macht nicht nur das Wetter, was es will. Der April ist für gewöhnlich auch jener Monat, in dem Rafael Nadal mit seinen Gegnern Katz’ und Maus spielt; wenn die europäische Sandplatzsaison im Tennis in Schwung kommt, die dann mit den French Open im Mai ihren Höhepunkt findet, dann gilt das auch für den Mallorquiner. Doch wenn diese Woche beim Masters-1000-Turnier in Monte Carlo das erste großer Turnier der Saison auf diesem Belag ansteht, sind Zweifel an der Leistungsstärke des achtfachen Siegers im Fürstentum - wenn auch auf noch immer hohem Niveau - angebracht.

"Ich habe überhaupt keinen Druck. Ich bin heuer für gar nichts der Favorit", sagte Nadal nach einem Freilos zum Auftakt vor seinem ersten Auftreten in der zweiten Runde gegen den Franzosen Lucas Pouille, der mit einem 6:4, 6:4-Erfolg über Dominic Thiem ein Duell des Österreichers mit dem Spanier verhinderte. Die Hartplatzsaison, in der er im Viertelfinale der Australian Open und Indian Wells sowie in der dritten Runde in Miami ausgeschieden ist, hat ihre Spuren hinterlassen - in der Weltrangliste, in der der einstmalige Führende in der Weltrangliste auf Platz fünf zurückgerutscht ist, aber noch mehr in mentaler Hinsicht, das kann Nadal nicht leugnen. "Ich habe schlechter gespielt als meine unmittelbaren Rivalen", erklärte er. Die Rückkehr auf Sand, seinen Lieblingsbelag, komme da gerade recht. "Wenn ich das Vertrauen zurückbekomme, wenn ich wieder den Rhythmus im Spiel auf Sand bekomme, wird alles ein bisschen leichter."

Nach den Enttäuschungen in Amerika starte er nun voll motiviert, wenn auch ohne übertriebene Erwartungen quasi neu in die Saison. "Wenn ich verliere, verliere ich. Das ist nichts, weswegen ich eine Woche lang am Boden zerstört wäre. Natürlich: Ich bin nicht glücklich, ich bin enttäuscht. Aber man muss auf alles vorbereitet sein, was passieren kann", sagte er. "Aber es fühlt sich gut an, hier zu sein. Ich spiele immer gerne in Monte Carlo. Es ist schön, wieder auf Sand zurück zu sein."

Đoković geht auf ersten Paris-Titel los

Im Vorjahr musste Nadal, der von 2005 bis 2012 acht Siege in Monaco hintereinander feiern konnte, sich im Viertelfinale seinem Landsmann David Ferrer geschlagen geben, im Jahr davor verlor er im Finale gegen Novak Đoković. Der Serbe, der sein Auftaktmatch in Monte Carlo gegen Albert Ramos Vinolas gewann und nun auf Andreas Haider-Maurer - der Österreicher hat sich am Dienstag gegen Bernard Tomic mit 6:7, 7:6, 6:4 durchgesetzt -, trifft, war mit Siegen bei den Australian Open, in Indian Wells und Miami der herausragende Spieler der Hartplatzsaison und schickt sich nun heuer an, erstmals auch bei den French Open zu gewinnen. Im Vorjahr hatte er dort das Finale erreicht - und gegen Nadal noch verloren. "Ich hätte mir keinen besseren Saisonstart vorstellen können. Hoffentlich kann ich den Schwung in die Sandplatzsaison mitnehmen. Das ist extrem wichtig für mich vor Roland Garros", hatte er nach seinen Triumphen in Amerika gemeint. Denn Paris ist nach wie vor das Terrain des neunfachen Siegers Nadal und zugleich das einzige Grand-Slam-Turnier, das Đoković in seiner Erfolgsliste noch fehlt. Doch auch der 27-Jährige spürt laut eigenen Angaben trotz seiner Erfolgsserie und mehr als 4000 Punkten Vorsprung auf Roger Federer den Druck der Konkurrenz. "Ich weiß, dass es nicht ewig so weitergehen wird. Es wird ein Generationenwechsel kommen, einige Spieler werden immer stärker", erklärte er. Tatsächlich ist die Zeit, in der er, Federer, Nadal und Andy Murray bei den großen Turnieren die einzigen Siegkandidaten waren, vorbei, drängen die nächsten, wie etwa Kei Nishikori und Milos Raonic, immer mehr an die Spitze. Doch dass die Wachablöse tatsächlich unmittelbar bevorsteht, wäre dann auch eine gewagte These. Zu souverän agierte Đoković diese Saison bisher. Und zu oft hat auch Nadal schon an sich gezweifelt - um dann doch mit Siegen zurückzukehren.