London. Die zwei Triumphe von Rafael Nadal in Wimbledon scheinen Jahrzehnte entfernt. Mit seiner heurigen Vorstellung schloss der Gewinner von 2008 und 2010 nahtlos an die mäßigen Leistungen seit 2012 an. Nach der Viersatz-Niederlage gegen den Qualifikanten Dustin Brown am Donnerstag zweifelte der 29-Jährige auch selbst daran, ob er auf Rasen jemals wieder seine frühere Klasse ausspielen könnte.

2011 hatte Nadal noch das Endspiel erreicht, doch seither hat er vier Mal gegen Spieler mit dreistelligen Weltranglisten-Platzierungen verloren (2014 allerdings erst im Achtelfinale). Der Mallorquiner ist selbst auf Rang zehn abgerutscht, die schlechteste Platzierung seit mehr als zehn Jahren.

Mitten drin im Tief

Als fünffacher Wimbledon-Finalist und Gewinner von 14 Grand-Slam-Titeln steht Nadal nun mitten in der wohl schlechtesten Saison seiner Karriere. "Das ist ein schwieriger Moment. Ich habe das Gefühl, dass ich gut arbeite und motiviert bin. Aber so ist der Sport. Es ist traurig, aber das Leben geht weiter. Und die Karriere auch", betonte der Rekord-Gewinner der French Open, der heuer immerhin zwei Turniere (Buenos Aires, Stuttgart) gewonnen hat.

In der Jahreswertung ist Nadal Achter. Dass er Punkte braucht, um sich für die ATP Finals in London zu qualifizieren, ist gut für die Veranstalter des Erste Bank Open in Wien. Sie haben als Organisatoren von Stuttgart ohnehin guten Kontakt zur früheren Nummer eins, die ab 19. Oktober in der Stadthalle aufschlagen könnte.

Auf dem Weg zurück

Nadal will jedenfalls alles tun, um an frühere Erfolge anzuschließen. "Ich will wieder zurück auf dieses Niveau, ich werde weiterhin daran arbeiten."

Brown (ATP-102.), ein Deutscher mit jamaikanischen Wurzeln, begeisterte auf dem Weg zum 7:5,3:6,6:4,6:4-Erfolg in der 2. Runde mit variantenreichem, unorthodoxem Spiel und setzte Nadal mit 85 Netzangriffen unter Druck (49 Punkte). Nach Lleyton Hewitt 2013 schlug der 30-Jährige nun eine weitere frühere Nummer 1. "Das ist wahrscheinlich der beste Tag in meinem Leben", sagte der Mann mit den Rasta-Locken.

"Hier haben solche Spieler Chancen. Sie haben nichts zu verlieren, da darf man keine Fehler machen. Aber ich habe keinen Rhythmus gefunden", sagte Nadal. "Und wenn man den ersten Satz verloren hat, ist man für den Rest des Matches unter Druck. So ist das."

Nun bleiben die US Open (ab 31. August) als letzte Chance Nadals, das erste Jahr ohne Grand-Slam-Titel seit 2004 abzuwenden.