Pionierarbeit leistete man in St. Wolfgang auch für den Frauenausdauersport, indem man - gegen den damaligen Widerstand des österreichischen Leichtathletik-Verbandes (ÖLV) - ab 1977 offiziell (und 1975 bereits inoffiziell) Frauen auf die 27-Kilometer-Distanz ließ. Auch hier liegt der letzte österreichische Erfolg - 2000 durch Elisabeth Rust - schon eine Weile zurück. Heuer gewann die Kenianerin Stellah Barsosio in 1:47:37 - weit entfernt vom Streckenrekord der Ungarin Helena Barocsi aus dem Jahr 1990 (1:40:38). In 2:06:22 kam Judith Schneider als schnellste Österreicherin und Gesamtsiebente ins Ziel. Sie ist erst Jahrgang 2000 - also eine Nachwuchshoffnung.

Entdeckung von Talenten


Volksläufe fallen in erster Linie unter Breitensport, die Teilnahme früherer Spitzensportler - heuer kam etwa in 2:35:14 die Super-G-Olympiasiegerin von 2010, Andrea Fischbacher, ins Ziel - ist da kein Widerspruch. Aus Sicht von Heinz Eidenberger, seit 2012 ÖLV-Laufsportreferent, haben Volksläufe insofern mit Spitzensport zu tun, da sie Talente zu Tage fördern: "Spitzenathleten wie Jennifer Wenth oder Andreas Vojta wurden bei Volksläufen entdeckt." Bekanntlich war 5000-Meter-Läuferin Wenth heuer Österreichs einzige Vertretung in einem Leichtathletik-WM-Finale.

Die Volkslaufszene sei in den letzten Jahren "explodiert", sagt Eidenberger, der neben dem sportlichen Ziel, Talente zu entdecken, noch ein organisatorisches Ziel verfolgt: Er möchte, dass von den über 800 heimischen Laufveranstaltungen pro Jahr mehr als derzeit (nicht einmal 500) im offiziellen ÖLV-Kalender stehen. Der Eintrag dort koste zwar Geld, mache sich aber für die Veranstalter sicher bezahlt, da sie damit und mit den zusätzlichen Werbemaßnahmen des ÖLV eine weit größere Öffentlichkeit erreichten. Der ÖLV biete auch die exakte Vermessung von Laufstrecken über klassische Distanzen wie zehn Kilometer, Halbmarathon und Marathon an und plane ein gesamtösterreichisches Ranking für diese Strecken, damit Volksläufer ihre Leistungen vergleichen können.

In St. Wolfgang, wo Franz Sperrer von der Zeitschrift "Laufsportmagazin" seit vier Jahren dem legendären Franz Zimmermann mit Bravour als Organisator nachfolgt, werden die 27 Kilometer der Klassiker bleiben. Aber man kann auch über andere Distanzen starten, etwa im Marathon - mit Start in Bad Ischl -, den heuer der gebürtige St. Wolfganger Stefan Greiner in 2:53:49 sowie die Waldviertlerin Veronika Limberger in 3:20:18 für sich entschieden. Auch Läufe über 10 und 5,2 Kilometer sowie ein "Junior Marathon" über kürzere Distanzen stehen auf dem Programm. Die Betreuung der Teilnehmer ist jedenfalls so gut, dass der Wolfgangseelauf Jahr für Jahr viele Stammgäste anzieht. Auf sie dürfte die Abwandlung eines bekannten Liedtextes zutreffen: "Dein Herz, das hast du verloren, beim Laufen rund um den See..."