Innsbruck. Mehr als 22.000 Zuschauer an der Bergisel-Schanze haben am Sonntag vergeblich auf Topresultate der ÖSV-Skispringer gehofft. Garmisch-Sieger Peter Prevc brannte neuerlich ein Feuerwerk ab und steht nach seinem elften Weltcuperfolg vor dem Gesamtsieg. Der Deutsche Severin Freund liegt fast 20 Zähler zurück. Michael Hayböck vergab hingegen die letzte Chance auf den achten ÖSV-Gesamtsieg in Serie.

Der Oberösterreicher fiel schon im ersten Durchgang in Innsbruck aus allen Wolken. Hayböck musste wie Prevc mit dem stärksten Rückenwind des Feldes starten, sein Versuch (119 m) war diesen Bedingungen nicht optimal angepasst. "Das ist in die Hose gegangen. Die Verhältnisse waren ganz anders als bei den Sprüngen zuvor", sagte der 24-Jährige, der sich im Finale (123,5) vom siebenten auf den fünften Rang verbesserte. Damit stand wie zuletzt 2014 in Innsbruck kein Österreicher auf dem Podest.

Hayböck Vierter in Tourneewertung

Hayböck bleibt nun nur noch die Hoffnung auf Bischofshofen, wo er am Mittwochabend (17.00 Uhr) als Vorjahressieger antreten wird. Auf dem Bergisel verlor er auch den dritten Rang in der Tourneewertung und ist nun Vierter, 1,2 Punkte hinter dem Norweger Kenneth Gangnes (126,5/124), dem Tages-Dritten. "Es ärgert mich, dass ich den ersten Sprung verhaut habe. Jetzt wird es ein Kampf um das Stockerl bei der Tournee", sagte Hayböck. "Das ist das nächste Ziel, so bescheiden muss ich sein."

Tourneesieger Stefan Kraft war zur Halbzeit (117 m) nur 21., er rehabilitierte sich danach mit 123,5 m. Doch der 11. Rang war bei weitem nicht das, was der 22-Jährige und die Fans erhofft hatten. Entsprechend enttäuscht war der 22-Jährige. "Schade, dass ich es im Wettkampf nie rüberbringe. Dabei habe ich es drauf, aber wahrscheinlich wollte ich zu viel", erklärte Kraft. In Bischofshofen ist Revanche angesagt. "Ich bin optimistisch, dass wir da ganz vorne mitspringen können."

Selten jubelnder Prevc

Nachdem Prevc und der sogar gestürzte Freund im Probedurchgang Probleme gehabt hatten, zeigten sie im Wettkampf wieder das gewohnte Top-Niveau. Der 23-jährige Slowene aus Kranj (125/132 m) triumphierte 11,1 Punkte vor Freund (122,5/128) schon zum fünften Mal in dieser Saison und kommt mit 19,7 Punkten Vorsprung auf den Bayern nach Bischofshofen.

Nach seinem Finalsprung ging der introvertierte Prevc aus sich heraus und jubelte in die Kamera. "Innsbruck war eine große Herausforderung. Aber ich konnte mich nach dem schlechten Probedurchgang sehr gut konzentrieren und bin wirklich sehr zufrieden", betonte der Garmisch-Sieger. Der aktuelle "Überflieger" weiß, dass er sich die Latte selbst hoch legt. "In Bischofshofen wird es schwierig, auf diesem Level weiterzumachen."

"Saustark, wie er sein Ding durchzieht"

Die Konkurrenz zog den Hut vor Peter Prevc, der vor dem zweiten Gesamtsieg eines Slowenen bei der Traditionsserie nach Primoz Peterka (1996/97) steht. "Saustark, wie er sein Ding durchzieht", kommentierte Weltmeister Freund die Vorstellungen seines Rivalen. In der Gesamtwertung sei nun wohl alles klar, meinte der 27-Jährige. "Es braucht in Bischofshofen ein Wunder oder ein Missgeschick, das man aber keinem wünscht. Ich möchte einfach noch einen guten Wettkampf machen."

Nur vier von acht Österreichern erreichten das Finale, Manuel Fettner und Clemes Aigner kamen aber über die Ränge 26 und 29 nicht hinaus. Gregor Schlierenzauer war wie schon in Oberstdorf nicht dabei. Der zweifache Bergisel-Gewinner scheiterte mit 117 m im K.o.-Duell mit Noriaki Kasai (JPN/124,5) und war auch nicht unter den fünf besten "Lucky Losern".

"Das muss sich ganz furchtbar für ihn anfühlen", meinte ORF-Co-Kommentator Andreas Goldberger im Hinblick auf die Enttäuschungen des Tirolers auf dessen Lieblingsschanze in Garmisch und im "Wohnzimmer" auf dem Bergisel. Goldberger, der dreifache Bergisel-Sieger, wird übrigens Ende Jänner erstmals Vater, wie er in einem Ö3-Interview preisgab. "Es wird ein kleiner Goldi, ein kleiner Lauser, so wie ich", sagte der Oberösterreicher, der seit 2013 mit Astrid verheiratet ist.

Das Ergebnis
1. Peter Prevc (SLO) 269,5 (125,0/132,0)
2. Severin Freund (GER) 258,4 (122,5/128,0)
3. Kenneth Gangnes (NOR) 251,5 (126,5/124,0)
4. Johann Forfang (NOR) 249,7 (122,0/124,0)
5. Michael Hayböck (AUT) 247,5 (119,0/123,5)
6. Andreas Wellinger (GER) 239,5 (122,5/120,0)
7. Noriaki Kasai (JPN) 236,8 (124,5/119,5)
8. Daiki Ito (JPN) 235,8 (120,0/121,0)
9. Andreas Wank (GER) 235,4 (120,0/122,5)
10. Richard Freitag (GER) 233,3 (117,5/123,0)
11. Stefan Kraft (AUT) 231,9 (117,0/123,5)
12. Anders Fannemel (NOR) 231,8 (120,0/118,5)