Beira/Wien. (art) Früher war Domingos Langa der beste Mittelstreckenläufer Mosambiks, international erfolgreich und Olympia-Teilnehmer 1980 in Moskau. Heute trainiert er als Gründer und Leiter der ersten Sportorganisation für Menschen mit Behinderung jugendliche Landsleute in Beira, der zweitgrößten Stadt Mosambiks, in verschiedensten Sportarten; angefangen vom Rollstuhl-Basketball über Gehörlosen-Fußball bis zu Badminton. Gemeinsam mit der österreichischen Hilfsorganisation Licht für die Welt, die das Projekt mit Hilfe des Sportministeriums unterstützt, will er auf die Bedeutung des Sports für die Inklusion aufmerksam machen. Sein Credo: "Wenn du Sport treibst, wirfst du den Ball und merkst nicht, dass das zur Rehabilitation beiträgt. Sport stärkt den Körper und das Selbstbewusstsein." Es sind Worte, wie sie nicht besser zum heutigen Tag passen könnten, ist doch der 6. April offiziell der internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden.

Schon in der UN-Behindertenkonvention von 2006 wurde explizit verankert, dass Menschen mit Behinderung das Recht hätten, gleichberechtigt an Sportveranstaltungen teilzunehmen. Und in der im Vorjahr ausgearbeiteten UN-Agenda 2030 wurde auf die Wertigkeit des Sports für nachhaltige Entwicklung hingewiesen, man anerkenne seinen "zunehmenden Beitrag zur Verwirklichung von Entwicklung und Frieden, indem er Toleranz und Respekt fördert, zur Stärkung der Frauen, der jungen Menschen, des Einzelnen und der Gemeinschaft und zu den Zielen der Gesundheit, der Bildung und der sozialen Inklusion", heißt es dort. Großveranstaltungen wie die heuer stattfindende Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sowie die Olympischen und Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro sollen dazu das Ihre beitragen; die Olympiastadt Rio etwa hatte versprochen, nicht nur in Barrierefreiheit in den Stadien, sondern auch in der Stadt investieren zu wollen.

Wie viel davon umgesetzt wird, ist freilich eine andere Geschichte. Immerhin aber lenken die Paralympics, die seit 1992 mit den Olympischen Spielen organisatorisch verbunden sind und jeweils drei Wochen nach ihnen stattfinden, durch die verstärkte Medienpräsenz die Aufmerksamkeit auf das Thema. Auch Österreich hatte zuletzt durch seine Paralympics-Sportler mehr zu feiern als bei Olympia selbst: In London holten sie 13 Medaillen, vier davon in Gold, während die nicht-behinderten Kollegen leer ausgingen. Und auch in den heimischen Fußball-Stadien wurde die Barrierefreiheit in den vergangenen Jahren zumindest verbessert: Eine Mindestanzahl an Rollstuhlplätzen ist Pflicht, die Bundesliga für Gehörlose "on ear" zu verfolgen.

In den Entwicklungsländern freilich sind solche Zustände nicht einmal zu erträumen. Im Gegenteil: In Mosambik gilt eine Behinderung teilweise oftmals als Fluch, Kinder werden von ihren Familien verstoßen, teilweise aus Scham, teilweise, weil schlicht die Mittel für ihre Versorgung fehlen, und in der Gesellschaft ausgegrenzt. Zugang zu Sport oder Bildung haben sie, abgesehen von Einzelprojekten wie jenem Langas, kaum, womit sich auch die Armutsspirale unaufhaltsam weiterdreht.

Dabei ist das südostafrikanische Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt, ein gebranntes Kind. Der Bürgerkrieg von 1977 bis 1992 hat zahlreiche Versehrte mit sich gebracht, die schlechten gesundheitlichen Standards tun das Übrige zur überdurchschnittlich hohen Rate an Menschen mit Behinderung.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern kämpft Langa, den auf der Sportanlage alle nur liebe- und ehrfurchtsvoll "Tio", "Onkel", nennen, für mehr Anerkennung für sie, organisiert Sporttrainings und inklusive Veranstaltungen mit Nicht-Behinderten, um Berührungsängste zu abzubauen, sowie Schulungen für Behörden etwa in Gebärdensprache, um das Miteinander zu fördern. Verständigung und Verständnis gehen schließlich Hand in Hand.

Positive Beispiele aus dem Sportbereich gibt es immerhin schon: 2012 war Mosambik erstmals bei den Paralympics vertreten.