Wien. Exakt 42.207 haben für alle Bewerbe des 33. Vienna City Marathon am Sonntag genannt - 9418 von ihnen wollen über die volle Distanz von 42,195Kilometern laufen. Nicht nur, dass es heuer eine leicht adaptierte Strecke mit dem Ziel direkt vor dem Burgtheater gibt, dürften heuer auch neue Siegergesichter das Zielband durchbrechen. Im Elitefeld der Männer finden sich beispielsweise etliche hochklassige Athleten, doch die Erfahrung eines Sieges in Wien hat keiner von ihnen - Vorjahressieger Sisay Lemma aus Äthiopien (Bild) glänzt etwa durch Abwesenheit.

Athletenkoordinator Mark Milde hat aber einen Mix aus erfahrenen Läufern und Newcomern zusammengestellt und erhofft sich - wenn auch keinen neuen Streckenrekord (2:05:41 Stunden) - zumindest eine gute Zeit. "Ich erwarte ein spannendes Rennen. Mehrere Läufer kommen für den Sieg und eine Zeit um 2:06 in Frage", sagt Milde. Das Feld wird vom Kenianer Levy Omari mit einer Bestzeit von 2:05:16 Stunden angeführt, die er 2011 in Frankfurt gelaufen ist, wo er hinter dem späteren Weltrekordler Wilson Kipsang den zweiten Platz erreichte. Nach einer Verletzungspause meldete sich der 26-jährige Omari im Herbst 2015 wieder zurück und peilt nun den Titel an.

Ernstzunehmender Konkurrent ist dabei Landsmann Robert Chemosin (27), der seine Bestleistung bei 2:08:05 Stunden stehen hat - gelaufen vor einem Jahr bei seinem Marathondebüt in Warschau. Vor allem mit schnellen Halbmarathons hat Chemosin schon einige Male auf sich aufmerksam gemacht - 2013 erzielte er seine Bestzeit von 59:19 Minuten beim Halbmarathon Roma-Ostia.

Sieganwärter mit Wien-Erfahrung gibt es wohl deren zwei: Suleiman Simotwo erreichte 2015 in Wien in 2:14:42 Stunden den fünften Platz. Eine deutliche Steigerung gelang dem Kenianer ein halbes Jahr später in Frankfurt, wo er seine persönliche Topmarke auf 2:08:49 Stunden verbesserte. Und David Kogei - ebenfalls Kenia - machte im Vorjahr die Pace für den späteren Sieger Lemma, wodurch er zwar das Ziel nicht sah, aber die Strecke kennenlernte. Seine Halbmarathon-Bestmarke von 59:46 Minuten aus Berlin 2015 lässt jedenfalls eine Top-Placierung beim Debüt über die volle Distanz erhoffen.

Apropos Marathondebüt: Dieses steht am Sonntag auch für den 27-jährigen Österreicher Valentin Pfeil an, der sich dabei gleich das Olympialimit von 2:14:00 Stunden für Rio de Janeiro vorgenommen hat. "Seit ich mir im Oktober das Ziel gesetzt habe, im Frühjahr einen Marathon zu laufen, sind bis auf drei oder vier Trainings alle so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe", sagt der von Hubert Millonig trainierte Oberösterreicher, der eine Halbmarathon-Bestmarke von 1:04:16 Stunden vorweisen kann.

Ebenfalls das Rio-Limit knacken will am Sonntag der gebürtige Kenianer Edwin Kemboi, dessen Bestleistung bei 2:12:58 steht. Bei den Frauen ist Andrea Mayr bereits für Rio qualifiziert und nominiert. Im Frauenfeld peilen die Veranstalter heuer einen neuen Streckenrekord an, der seit dem Jahr 2000 von der Italienerin Maura Viceconte in 2:23:47 Stunden gehalten wird. Die Läuferin mit der niedrigsten Bestzeit ist heuer die 24-jährige Äthiopierin Guteni Shone mit 2:23:32 Stunden; stark einzuschätzen ist auch ihre 28-jährige Landsfrau Fantu Jimma (Bestzeit 2:26:14).

Wind-Angst & Ring-Sperre


Allerdings könnte der Wind heuer allen Rekord-Ambitionen einen Strich durch die Rechnung machen: Zwar herrschen zur Rennzeit am Sonntag nahezu ideale Lauftemperaturen (7 bis 12Grad), der Wind könnte jedoch mit Spitzen bis zu 45 km/h zum Spielverderber werden. Auch auf Autofahrer kommen durch das Großevent schon im Vorfeld Unannehmlichkeiten zu: Bedingt durch den neuen Zieleinlauf wird der Ring von Freitag, 20 Uhr, bis Sonntag, 20 Uhr, zwischen Stadion- und Schottengasse komplett gesperrt.