Wien. (art/apa) Man könnte sagen, Dominic Thiem hätte dem Erste-Bank-Open in Wien entgegengefiebert - im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Asien-Tour hatte Österreichs aktuell bester Tennisspieler wegen einer Erkrankung abbrechen müssen, auch davor hat er wegen Überlastung und einer hartnäckigen Knieentzündung eine schwierige Zeit durchgemacht. Doch warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Durch seine Pause hatte er Zeit zur Regeneration, für das Wiener Stadthallenturnier fühlt er sich nun bereit. Beim Tie Break Tens, einem neuen Blitzturnier, bei dem am Sonntag (ab 19 Uhr/ORF Sport+) sechs Spieler - darunter neben Thiem Topstar Andy Murray, Jo-Wilfried Tsonga, Tommy Haas, Marcus Willis und Ex-Ass Goran Ivanišević - um den Siegerscheck von 250.000 Dollar kämpfen, will er sich in den Wettkampfmodus bringen; am Montag beginnt dann der Hauptbewerb von Österreichs höchstdotierter Sportveranstaltung, bei der insgesamt knapp 2,5 Millionen Euro ausgeschüttet werden.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte Thiem nicht in den vergangenen Tagen. Am Freitag stand zunächst einmal die Präsentation des Buches von seinem Betreuer Günter Bresnik, "Die Dominic Thiem Methode", auf dem Programm. "Es ist richtig interessant. Es stehen auch Sachen drin, die ich nicht gewusst habe", sagt Thiem. Am Samstag erfährt er dann bei der Auslosung (12 Uhr) seine Gegner und absolviert neben dem Training noch Medientermine. Dass er laut eigenen Worten "wahrscheinlich heuer schon einmal fitter" war, bereitet ihm keine großen Kopfzerbrechen. "Das geht jedem so. Jeder hat irgendwelche Wehwehchen. Aber ich bin auf alle Fälle bereit, mich durchzukämpfen und durchzubeißen", sagt er.

Schließlich geht es für den 22-Jährigen nicht nur darum, seine Wien-Ergebnisse aus den beiden Vorjahren zu verbessern, als er jeweils schon in Runde eins ausschied, sondern auch um die Qualifikation für das World-Tour-Finale der besten Acht dieser Saison in London. Thiem liegt in dieser Wertung aktuell auf dem achten Platz - rechnet man Rafael Nadal weg, der erst vor wenigen Tagen erklärt hatte, auf den Rest der Saison zu verzichten, auf dem siebenten. Dass er um diese Jahreszeit überhaupt noch im Rennen um das Tour-Finale ist, hätte er vor kurzem nicht für möglich gehalten. "Irgendwann im letzten Jahr habe ich gedacht, wie soll man das je schaffen? Das sind so viele Punkte, da muss man so viel gewinnen. Und jetzt stehe ich in den Top Acht, das ist eh der blanke Wahnsinn." Wenn er aber den Stadthallen-Court betritt, sind diese Gedanken weggewischt. "Jetzt ist der Fokus einmal Wien, da muss London in den Hintergrund rücken." Die Aufgabe hier ist schwierig genug, die Besetzung bei der zweiten Auflage als ATP-500-Turnier hochkarätig. Angeführt wird das Feld von Wimbledon- und Olympiasieger Murray, laut Turnierdirektor Herwig Straka "derzeit sicher der beste Spieler auf der Tour", und Tomáš Berdych, aus den Top 21 der Weltrangliste sind acht Spieler mit dabei. Aus österreichischer Sicht werden die Blicke auch auf die Brüder Jürgen und Gerald Melzer gerichtet sein, die beide eine Wild Card erhielten. Die größten Chancen, weit zu kommen, hat freilich Thiem - Wehwehchen her, starke Gegner her.