London. (art/apa) Wenn 3000 Zuschauer ihre Kehlen mit Bierölung darauf vorbereiten, den einen Schrei "Onehundredandeighty" hinauszuposaunen, sich der Londoner Alexandra Palace in ein Tollhaus verwandelt und Millionen Menschen vor den TV-Geräten Männern dabei zusehen, wie sie mit stoischer Miene Pfeile auf eine Scheibe werfen, dann ist wieder Darts-WM angesagt. Am Donnerstag ist es so weit, beginnt der große Titelkampf, bei dem am 2. Jänner der Weltmeister und Nachfolger des Schotten Gary Anderson gekürt wird.

Die größten Hoffnungen aus österreichischer Sicht trägt Mensur Suljovic. "The Gentle", wie der 44-Jährige genannt wird, startet mit 315.250 Pfund (umgerechnet 375.000 Euro) als Nummer acht der Verdienstrangliste in den Titelkampf, seine Erstrundenpartie bestreitet er aber erst am 21. Dezember gegen den Niederländer Ron Meulenkamp. Experten wie die deutsche Kommentatoren-Legende Elmar Pauke trauen dem Wiener dasHalbfinale zu. Neben ihm sind bei der WM zwei weitere Österreicher dabei: Rowby-John Rodriguez, der im Duell am 22. Dezember mit dem Engländer Dave Chisnall Außenseiter ist, und Zoran Lerchbacher, der bereits in der Vorrunde antreten muss, um sich für den Hauptbewerb der letzten 64 zu qualifizieren.

Doch abgesehen von den Topstars wie dem Weltranglisten-Ersten Michael van Gerwen, Rekordweltmeister Phil Taylor, Titelverteidiger Anderson und anderen Größen ist für die meisten schon das Dabeisein ein Erlebnis. Denn der sportliche Wettkampf wird stets als eine große Party inszeniert. Die Fans im Alexandra Palace, genannt Ally Pally, singen, schreien und grölen, sie kommen verkleidet und gehen betrunken - und den Spielern gefällt’s. "Schaut euch die Fans an. Es ist großartig, sie machen einfach eine einzige Party", erklärte Anderson.

Die Gründe für den Hype liegen auf der Hand. Abgesehen von der Volksfeststimmung findet die WM zu einem günstigen Zeitpunkt statt, wenn andere Sportarten pausieren. Doch auch außerhalb Englands hat sich Darts längst von seinem Image als Zeitvertreib in dunklen Bars emanzipiert, der TV-Sender Sport1 meldet Rekordeinschaltquoten - eine Entwicklung, die Pauke aber zwiespältig sieht. Der Verband müsse aufpassen, dass er die WM nicht überinszeniere, sagte er dem "Spiegel". "Die Stärke von Darts war immer das Nischendasein. Wenn man das überjazzt, etwa durch zu hohe Preisgelder, wird das dem Sport schaden", meint er. "Die Fans sehen sich selbst da auf der Bühne stehen. Das sind Leute wie sie - nicht wie ein Cristiano Ronaldo im Fußball."