• vom 04.05.2017, 16:37 Uhr

Mehr Sport


Leichtathletik

Ein Weltrekordversuch als Marketing-Gag




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Der US-Sportartikelhersteller Nike lässt auf einer Rennstrecke in Monza drei Afrikaner zum Marathon antreten. Ziel ist eine Zeit unter zwei Stunden.

Monza. (apa/rel) Das hat es in der langen Geschichte der Formel-1-Rennstrecke in Monza noch nicht gegeben. Statt Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co. sollen dort am Wochenende drei Afrikaner munter ihre Runden drehen. Auftraggeber ist niemand Geringerer als der US-Sportartikelhersteller Nike. Zweck und Ziel der Aktion: Der Konzern will den derzeit vom Kenianer Dennis Kimetto gehaltenen geltenden Marathon-Weltrekord (2:02:57 Stunden) von 2014 nicht nur unterbieten, sondern die Laufzeit auf unter zwei Stunden drücken. "Breaking2" heißt das millionenschwere, an Aktionismus à la Red Bull erinnernde Projekt. Als Protagonisten kommen Olympiasieger Eliud Kipchoge aus Kenia, der Äthiopier Lelisa Desisa und Zersenay Tadese aus Eritrea zum Einsatz. Gelaufen werden 17,5 Runden im Autodromo Nazionale di Monza, und das auf einem 2,4 Kilometer langen, flachen Kurs.

Allerdings regt sich an dem Rekordversuch auch Kritik. Grundtenor: Das Ziel sei viel zu hoch gesteckt, unerreichbar und die ganze Sache daher nichts anderes als ein gelungener Werbe-Gag. Einer, der es wissen muss, ist etwa der heimische Ex-Topläufer und nationale Marathon-Rekordhalter Günther Weidlinger. "Ich gehe davon aus, dass es mit diesem Set-up durchaus möglich ist, unter dem alten Weltrekord zu bleiben, ich halte eine Zeit von 2:01 für möglich. Aber unter 2:00 Stunden ist, glaube ich, unmöglich", sagte der Athlet am Donnerstag zur Austria Presse Agentur und fügte hinzu: "Ich halte es für einen super Marketing-Gag, momentan redet jeder in der Laufszene darüber." Völlig kalt lässt Weidlinger der Weltrekordversuch aber doch nicht. "Es ist eine sehr spannende Sache. Es hätte mir Spaß gemacht, das zu beobachten", sagte er und gab sogar zu, kurz eine Reise nach Monza ins Auge gefasst zu haben. Nun wird der Österreicher im Internet hängen und auf rasche Informationen hoffen.


Werbung hin oder her, an dem Versuch an sich sieht Weidlinger dann doch "nichts Verwerfliches". Es sei legitim und ethisch vertretbar. "Vorausgesetzt sie laufen sauber, und von dem gehe ich aus", erklärte er. Schneller, höher, weiter übe nun einmal eine Faszination aus. Man wolle wissen, wozu der Mensch fähig sei, und im Marathon seien die zwei Stunden eine Schallmauer. Ein Rekordversuch über 42,195 Kilometer bewege immerhin Millionen Menschen auf der Welt, die sich selbst schon in einem Marathon versucht haben. "Die wissen, was notwendig ist, dass man da unter drei Stunden kommt", sagte Weidlinger.

Im Windschatten eines Autos
In Monza wiederum hat sich Nike auf den großen Tag penibel vorbereitet. Das afrikanische Trio wurde nach zahlreichen von Wissenschaftern begleiteten Tests ausgewählt. Bei der Auswahl des Ortes waren neben dem flachen Untergrund, der Asphaltbeschaffenheit und den wenigen Kurven vor allem auch die Langzeit-Wetterdaten (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind) mitentscheidend. Damnach würden 12 bis 14 Grad, leicht bewölkter Himmel sowie Windstille nahezu idealen Bedingungen nahekommen.

Dazu werden die Tempomacher immer frisch sein, das heißt nach Belieben ein- und ausgewechselt. Wobei, so ganz ohne Schummeln geht es nicht, laufen doch die Afrikaner im Windschatten eines Fahrzeuges mit großer Anzeigentafel. "Da fehlt nur noch, dass hinter den Athleten ein Gebläse Rückenwind erzeugt", lästerte Weidlinger und hält ausdrücklich fest: Ein echter Weltrekord wäre dieser Lauf freilich keiner, weil die Vorgaben des Weltverbandes IAAF - etwa mit Blick auf die Tempomacher - nicht erfüllt werden. Sanktionen durch die IAAF hätten die Athleten aber keine zu befürchten, ergänzte der Österreicher. "So lang es kein Dopingvergehen gibt, kann auch die IAAF nichts dagegen tun. Es ist also zu sehen wie ein Trainingslauf." Oder als Werbe-Gag. Wie man eben will.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-04 16:42:13


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. WM-Entscheidung vertagt
  2. Austria und Sturm trennen sich 1:1
  3. Bayern beendet Sieglos-Serie
  4. Rapid ging in Hartberg 0:3 unter
  5. Marquez sichert sich fünften MotoGP-Titel
Meistkommentiert
  1. Rummenigge und Hoeneß in Rage
  2. Mia san mia

Werbung




Werbung