Paris. (art/apa) Ein guter Start in die French Open, ein klarer 6:4, 6:0, 6:2-Erfolg über Bernard Tomic, ein Tag länger Pause als sein nächster Gegner Simone Bolelli - und das Wetter spielt auch mit, was für Dominic Thiems schnelles Spiel nicht unwichtig ist: Das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres hat für Österreichs Tennis-Ass nach Wunsch begonnen, auch wenn es eine Herkulesaufgabe wird, sein Ergebnis aus dem Vorjahr, als er ins Halbfinale einzog, zu wiederholen. Mögliche Gegner schon davor: David Goffin und Novak Djoković.

Seit der Auslosung am Freitag wird Thiem nicht müde zu betonen, immer nur an das nächste Spiel zu denken. Am Sonntag war er erst einmal froh, beim Dreisatzsieg über Tomic bei Temperaturen von rund 32 Grad Celsius nicht zu viel Substanz gelassen zu haben. Die Hitze an sich stört den 23-Jährigen aber keineswegs - im Gegenteil: "Wenn es so heiß ist, springt der Ball gut ab, und man kann viel Spin draufbringen. Von daher hoffe ich, dass es ziemlich warm bleibt", sagte er. Mit seinem Spiel konnten er und sein Trainer Günter Bresnik hochzufrieden sein, wenngleich dieser einräumte, dass Tomic "kein Gradmesser" gewesen sei. Der Australier ist zwar stets ein unberechenbarer Spieler, findet auf Sand aber nicht zu seiner Form. "Tomic hat sich viel zu schlecht bewegt, als dass man sagen könnte, wie gut Dominic wirklich gespielt hat", meinte Bresnik. Thiem hat nun zwei Tage Pause, sein nächstes Spiel bestreitet er am Mittwoch gegen den Routinier Simone Bolelli. Der 31-Jährige, der in der Weltrangliste nur noch auf Platz 470 liegt, setzte sich gegen den Franzosen Nicolas Mahut überraschend klar mit 6:4, 6:2, 6:2 durch.

Thiem kann nun etwas lockerer in die Partie gehen, vor der ersten Runde sei die Anspannung hoch gewesen, räumte er ein. Die French Open sind schließlich ein absoluter Saisonhöhepunkt für ihn. "Und den wollte ich nicht versauen in der ersten Runde", sagte Thiem, der sich seit dem Semifinale vor einem Jahr - exakt seit dem 6. Juni 2016 - nun schon ununterbrochen in den Top Ten der Weltrangliste aufhält. Die Erfolge seit damals machen die Erwartungshaltung an den heuer nach Rafael Nadal erfolgreichsten Sandplatzspieler freilich nicht kleiner, das spürt auch Thiem. "Natürlich merkt man die Anspannung eines Grand-Slam-Turniers, man fühlt sich irgendwie in anderen Phasen des Jahres besser als jetzt", erklärte er.

Formkrise der Nummer eins


Während die Topstars bei den Herren, Djoković und Nadal, ihrer Erstrundenaufgaben problemlos erledigten, gab es bei den Damen schon zum Auftakt eine Überraschung, die allerdings nur auf den ersten Blick groß ist: Die Deutsche Angelique Kerber musste sich der Russin Jekaterina Makarowa mit 2:6, 2:6 geschlagen geben. Noch nie in der Profi-Ära hat sich bei den Damen in Paris gleich in der ersten Runde die topgesetzte Spielerin verabschieden müssen. Kerber, die 2016 die Grand-Slam-Titel bei den Australian Open und den US Open erobert hatte, steckt schon das gesamte Jahr in einer Formkrise. Sie war ohne Saison-Titel nach Roland Garros gekommen. In Melbourne war sie als Titelverteidigerin im Achtelfinale gescheitert, danach kam sie als Finalistin des kleinen WTA-Turniers in Monterrey dem Siegerscheck am nächsten. Zudem liegt Paris beziehungsweise Sand Kerber nicht besonders. Dieses Major bleibt das einzige, bei dem die zweifache Major-Siegerin nicht im Endspiel gestanden ist. In nun elf Versuchen war das Viertelfinale 2012 ihr bestes Resultat. Kerber ist auch im Vorjahr gleich in der ersten Runde gescheitert, damals an der späteren Halbfinalistin Kiki Bertens aus den Niederlanden.