New York. (art/apa) Zverev steht in der dritten Runde der US Open - das wäre an sich nicht überraschend, galt doch Alexander Zverev, 20 Jahre alt, heuer schon Sieger von fünf ATP- beziehungsweise zwei Masters-1000-Turnieren, Nummer sechs der Welt und vier der Setzliste in Flushing Meadows, als Mitfavorit. Allerdings hat nun nicht dieser Alexander die zweite Runde überstanden, sondern sein um zehn Jahre älterer Bruder Mischa (das Zweitrundenspiel von Dominic Thiem fand nach Redaktionsschluss statt).

Der Deutsche, seit Jahren auf der Tour dabei und zwar in der erweiterten, aber eben nicht absoluten Weltspitze, setzte sich gegen den Franzosen Benoît Paire in fünf Sätzen durch, spielt nun gegen den US-Amerikaner John Isner und ist dabei klarer Außenseiter. Doch das war Borna Ćorić schließlich auch gegen Alexander Zverev, ehe er ihn mit 3:6, 7:5, 7:6, 7:6 bezwang - wobei das laut der Lesart des Unterlegenen nicht ganz stimmt. Demnach ist Zverev, der Jüngere, nicht an dem gleichaltrigen Kroaten gescheitert, sondern an sich selbst, wie er nicht müde wurde zu betonen. Es sei ein "sehr, sehr schlechtes, ein katastrophales Spiel" von ihm gewesen, befand Zverev. Bruder Mischa zeigte dafür wenig Verständnis. "Er sagt immer gleich ,katastrophal‘, auch wenn das so natürlich nicht stimmt. Aber so war er schon immer. Er erwartet immer sehr viel von sich, was auch gut ist, weil es ihn besser werden lässt. Es kann aber auch manchmal nicht so gut sein, wenn es eng wird und nicht so gut läuft", sagte er zur "Süddeutschen Zeitung".

Sein Perfektionismus wurde für Alexander Zverev nun schon wiederholt zum Verhängnis, bei Major-Turnieren konnte er die großen Versprechen, die sich das deutsche Tennis, die sich aber auch er selbst macht, bisher nicht einlösen. In Paris schied er nach seinem Masters-1000-Sieg in Runde eins aus, das Achtelfinale in Wimbledon war bisher das Höchste der Gefühle. Dabei hatte er sich selbst nach seinem Sieg über Roger Federer in Montreal als Anwärter auf den Titel in New York gesehen. "Die Niederlage ist sehr ärgerlich, weil die Auslosung in der unteren Hälfte ziemlich offen ist", sagte er. Der Aufstieg des ebenfalls 20-jährigen Ćorić, der zuletzt durch eine Nackenverletzung gebremst war, geht dagegen weiter, und auch ein anderer Jungstar wusste in der zweiten Runde zu überzeugen: Der 18-jährige Kanadier Denis Shapovalov besiegte den als Nummer acht gesetzten Jo-Wilfried Tsonga 6:4, 6:4, 7:6 und trifft nun auf den Briten Kyle Edmund.

Shapovalov hatte zuletzt mit seinem Sensationslauf ins Montreal-Halbfinale - wo er davor Rafael Nadal eliminierte und dann gegen Zverev verlor - weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Bei den US Open musste er zunächst durch die Qualifikation, dennoch hat die aktuelle Nummer 69 der Welt in New York schon viele Anhänger. "Das hätte ich nicht erwartet", gab sich der Teenager, der von vergangenen Oktober bis Februar in der Akademie von Günter Bresnik trainiert hatte, demütig. "Einige Fans haben mit mir gesprochen und gesagt, sie seien aus Calgary, Montreal oder Toronto hierhergekommen, um mich anzufeuern. Wie ich schon in Montreal gesagt habe, die Fans helfen mir wirklich, mein bestes Tennis zu spielen", erklärte der Linkshänder mit der einhändigen Rückhand. Dass die Erwartungen an ihn in den vergangenen Wochen enorm gestiegen sind, stört ihn nicht. "Ich spüre keinen Druck", betonte er in New York. Ganz anders sieht die Sachlage bei Alexander Zverev aus. Doch der muss seine großen Major-Ziele nun auf 2018 verschieben.