• vom 12.01.2018, 08:30 Uhr

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Fast ein Finale




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  • Auf Österreichs Handball-Team wartet gleich zum EM-Auftakt am Freitag das vielleicht vorentscheidende Spiel gegen Weißrussland - an einem anderen Schauplatz sind vor allem die Sicherheitskräfte alarmiert.

Teamchef Patrekur Jóhannesson ist voll auf das erste Spiel fokussiert. - © Herbert Neubauer/apa

Teamchef Patrekur Jóhannesson ist voll auf das erste Spiel fokussiert. © Herbert Neubauer/apa

Porec/Split. (art/apa) Dass das nächste Spiel das wichtigste ist, gehört zu den gerne gebrauchten Sportlerfloskeln. Selten trifft es aber so zu wie für Österreichs Handballer bei der am Freitag beginnenden WM in Kroatien. In Porec wartet zum Auftakt Weißrussland - und damit jener Gegner, gegen den sich die ÖHB-Equipe in Gruppe B am ehesten einen Sieg zutraut. Die beiden anderen Vorrundengegner, Weltmeister Frankreich sowie Vizeweltmeister Norwegen, sind für die verjüngte Mannschaft von Teamchef Patrekur Jóhannesson wohl nur mit einer Sternstunde zu schlagen. Mit einem Sieg über Weißrussland hätte man allerdings gute Chancen, das erklärte Ziel des Isländers, den dritten Gruppenplatz und damit den Aufstieg in die Hauptrunde, zu erreichen.

Jóhannesson sieht kein Problem darin, dass die Mannschaft gleich zum Auftakt hellwach sein muss - im Gegenteil: "Für uns ist es auf jeden Fall gut, dieses Spiel gleich zu Beginn zu haben. Ich glaube an die Mannschaft und hoffe, dass die Spieler im ersten Match im Kopf befreit sind. Das Ziel ist klar, weiterzukommen", sagt Jóhannesson, der in diesem wichtigen Spiel überraschend auch wieder auf die Dienste von Vitas Ziura zählen kann. Der 38-jährige Routinier gibt kurzfristig sein bereits zweites Comeback. Er ist bereit, Österreich und mir zu helfen. Ich weiß, was ich an ihm habe und die Spieler auch", sagt der Teamchef, der sich zuletzt intensiv mit den Weißrussen beschäftigt hat. Diese haben zwar keine klingenden Namen in ihrem Kader, sind aber bereits zum sechsten Mal in Folge bei einem Großereignis dabei. Österreich ist also gewarnt. Sieben Spieler des Kaders sind bei Champions-League-Teilnehmer Meschkow Brest sowie bei SKA Minsk engagiert. Die Truppe, die in der Qualifikation vor Serbien Gruppenerster wurde, darf als eingespielt bezeichnet werden. Und sie hat in Juri Schewzow eine wahre Legende an der Seitenlinie. Als Spieler Weltmeister und Olympiasieger mit der Sowjetunion, holte er als Coach in Deutschland Meister- und Cuptitel und mit Essen und Viktor Szilagyi 2005 den EHF-Pokal. "Schewzow ist wirklich clever. Ich hatte das Glück, in Essen unter ihm zu spielen", erinnert sich Jóhannesson. "Er hat mir damals sehr viel geholfen und ist mit Abstand der beste Trainer, den ich je hatte. Er kann die Spieler unglaublich motivieren. Das macht die Aufgabe noch schwieriger."


Brisanz bei Kroatien vs. Serbien
Ein Rekord wird am Freitag in der 3500 Zuschauer fassenden, für die WM 2009 erreichte Zatika-Halle jedenfalls gebrochen. Rund 600 österreichische Fans machen sich auf den Weg nach Istrien, so viele wie nie zuvor werden der ÖHB-Auswahl bei einem Spiel jenseits der Grenzen zujubeln. "Vielleicht haben wir da ein bisschen Heimspielatmosphäre. Für unsere junge Truppe wird das sehr wichtig sein", meinte Flügelspieler Robert Weber.

An einem anderen Spielort und in einer anderen Gruppe sieht man der zu erwartenden Atmosphäre indessen mit gemischten Gefühlen entgegen: In Vorrunde A empfangen die kroatischen Gastgeber Serbien - und dass die Fans dies besonders freundlich tun werden, bezweifeln viele. "Wir werden sie sicher nicht mit Applaus empfangen", sagt der frühere kroatische Nationalcoach Slavko Goluza. Den öffentlichen Aufrufen zur Besonnenheit traut er nicht: "Wir tun immer so, als sei das irgendein Spiel. Aber das ist es nicht."

Zumindest vordergründig spielt es keine größere Rolle, in welcher Sportart beide Nationen aufeinandertreffen, sondern, dass sie überhaupt aufeinandertreffen. Vergangene Duelle der beiden Nachbarländer waren nicht selten begleitet von teils heftigen Auseinandersetzungen. Bei der Handball-EM vor sechs Jahren in Serbien hatten heimische Fans ihre kroatischen Gäste attackiert. Dass Handball in Kroatien nach Fußball die beliebteste Sportart ist und die Kroaten im eigenen Land unbedingt den Titel gewinnen wollen, macht die Situation vor der Partie am Freitag nicht unbedingt entspannter.




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Dokument erstellt am 2018-01-11 16:44:12



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