Melbourne. (art) Es war einer jener Momente, die sich bei Tennis-Fans in Gedächtnis gebrannt haben: Bange Blicke zur Videoleinwand, dann die Wiederholung einer Vorhand Roger Federers, die den Ball auf der Linie zeigte, Federer damit zum Triumphator der Australian Open machte und Rafael Nadal zum Geschlagenen. 3:37 Stunden hatte davor der Kampf gedauert, der mehrmals gekippt war. Es war der 29. Jänner 2017 und das Traumfinale, das sich viele nicht mehr zu erhoffen gewagt hatten. Denn sowohl Federer als auch Nadal waren gerade erst von langen Verletzungspausen zurückgekehrt.

Bei der am Montag beginnenden nächsten Auflage scheint eine Wiederholung eines solchen Erfolgslaufs nicht ausgeschlossen. Wie in früheren Zeiten belegen Nadal und der 36-jährige Federer die Plätze eins und zwei der Welt; zudem gibt es durch Verletzungen einige Konkurrenten wie Andy Murray weniger und bei Rückkehrern Fragezeichen. Novak Djoković hat seine Generalprobe zwar gut absolviert, ob der Ellenbogen aber auch in Spielen auf drei Gewinnsätze mitspielt, bleibt abzuwarten. Allerdings hat auch Nadal erst kürzlich sein Comeback nach Knieproblemen gegeben. Er startet gegen Victor Estrella Burgos ins Turnier, Federer beginnt die Mission Titelverteidigung gegen Aljaz Bedene.

Hinter den beiden lauern aber auch einige jüngere Spieler, die sich in den vergangenen Jahren ins Rampenlicht spielen konnten. Dominic Thiem und Alexander Zverev dürfen sich ebenso dazu zählen wie der Bulgare Grigor Dimitrow. Der Weltranglistendritte, der mit dem Triumph beim Tour-Finale in London den wichtigsten Titel abseits der Grand Slams gewonnen hat, hat im Vorjahr erst im Halbfinale gegen Nadal knapp in fünf Sätzen verloren - und Ende des Jahres gezeigt, dass er in der absoluten Weltspitze angekommen ist.

Im Damenturnier, das ohne österreichische Beteiligung stattfindet - bei den Herren sind auch Andreas Haider-Maurer und Gerald Melzer dabei -, hatte ein nostalgischer Sister Act von Serena und Venus Williams das erste Major 2017 beendet. Nach der Geburt ihrer Tochter kamen die Australian Open für Siegerin Serena Williams aber noch zu früh. Ob ihre mittlerweile 37-jährige Schwester in die Bresche springen kann, ist anzuzweifeln. Ihre US-Landsfrauen Sloane Stephens und Madison Keys hatten zwar bei den US Open in New York für das nächste reine US-Endspiel gesorgt, seither aber nichts gewonnen. Shenzhen-Siegerin Simona Halep wäre eigentlich überfällig für ihren ersten Grand-Slam-Titel, hat aber in bisher acht Auftritten in Melbourne nur zweimal das Viertelfinale erreicht. 2016 und 2017 scheiterte die Rumänin jeweils in Runde eins.

Einen Leistungssprung zutrauen kann man der Dänin Caroline Wozniacki und der Ukrainerin Elina Switolina; auch Angelique Kerber zeigte zuletzt wieder auf. Nie ganz abschreiben darf man zudem die Siegerin von 2008, Maria Scharapowa. Die Russin, aktuell die Nummer 47 der Welt, ist die wohl gefährlichste Ungesetzte im Feld. Sollte sie zehn Jahre nach ihrem ersten Melbourne-Titel erneut zuschlagen, wäre auch heuer wieder etwas für Nostalgiker dabei.