• vom 22.01.2018, 18:30 Uhr

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Von Tamara Arthofer

  • Tennys Sandgren ist einer der Überraschungsmänner der Australian Open - und Dominic Thiem ein Leidtragender seines Erfolgslaufs.

Tennys Sandgren in ungewohnter Rolle.

Tennys Sandgren in ungewohnter Rolle.© Edgar Su/Reuters Tennys Sandgren in ungewohnter Rolle.© Edgar Su/Reuters

Melbourne. Sein Name ist Tennys, Tennys mit "y". "Das hat nichts mit dem Sport zu tun, das war der Name meines Urgroßvaters", sagt Tennys Sandgren. Oft muss er dieser Tage in Melbourne seine Geschichte erzählen, der 26-jährige US-Amerikaner mit den schwedischen Wurzeln: Wie er schon als Kind mit seiner Mutter und seinem Vater, einem leidlich guten Tennisspieler, die Liebe zum Sport entdeckt hat, wie er am College in seiner Heimat Tennessee gespielt und sich die vergangenen Jahre auf der Future- und Challenge-Tour über Wasser gehalten hat. Er tut es geduldig und allem Anschein nach gerne. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass die Menschen sich um ihn reißen, ihm Kugelschreiber für Autogramme und Mikrofone für Wortspenden vor die Nase halten. Erst im Herbst durchbrach er zum ersten Mal in seiner nicht mehr ganz jungen Karriere die Grenze der 100 besten Tennisspieler der Welt, in Australien ist er beim dritten Auftritt in einem Grand-Slam-Hauptbewerb zum ersten Mal über die erste Runde hinausgekommen. Der Sieg über den Australian-Open-Gewinner von 2014, Stan Wawrinka, in der zweiten Runde brachte ihn erstmals in die internationalen Schlagzeilen, jener über Österreichs Topstar Dominic Thiem nun sogar ins Viertelfinale - der große Außenseiter ist der einzige der einstmals so stolzen Tennisgroßmacht USA, der es im Herren-Einzel hierher geschafft hat.

"Ich kann es nicht glauben. Aber ich stehe hier nicht in Unterwäsche, also war es wohl kein Traum", sagte Sandgren nach dem 6:2, 4:6, 7:6, 6:7, 6:3-Erfolg über den Weltranglistenfünften aus Niederösterreich. Dabei hat Thiem kein schlechtes Match gespielt, in vielen Phasen war es um einiges besser, als es seine Leistungen im vergangenen halben Jahr waren. Der Österreicher hatte seine Chancen, erstmals bei einem Major außerhalb Frankreichs, wo er zweimal hintereinander im Halbfinale war, das Achtelfinale zu überstehen und es damit seinem Landsmann Oliver Marach gleich zu tun, der mit Mate Pavić in drei Sätzen gegen Rohan Bopanna/Édouard Roger-Vasselin ins Doppel-Viertelfinale einzog.


Doch immer wieder waren es der starke Aufschlag seines 1,88 Meter großen Gegners, seine aggressiven Returns und seine generell offensive Spielweise, die den Österreicher unter Druck setzten. Schon im Tiebreak des vierten Satzes war Thiem am Rande der Niederlage, doch auch ein starkes Tiebreak seinerseits, in dem er unter anderem einen Matchball mit einem sehenswerten Rückhand-Winner abwehrte, brach Sandgren nicht. Das entscheidende Break im fünften Satz gelang ihm zum 4:2. "Die Enttäuschung ist schon groß, aber es hat viel schmerzhaftere Niederlagen in letzter Zeit gegeben. Er hat wirklich gut gespielt, und das fünf Sätze lang", meinte Thiem. Sandgren gab das Lob zurück: "Er hat wirklich großartig gespielt. Ich habe gewusst, ich muss aggressiv bleiben, denn von der Grundlinie hat er die Oberhand", erklärte der Sieger danach. Er tat es so abgebrüht, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als über seinen Einzug ins Viertelfinale eines Majors zu referieren.

Duell der Außenseiter
In diesem trifft er nun auf den Südkoreaner Chung Hyeon, einen weiteren Überraschungsmann des Turniers. Denn Chung setzte sich gegen keinen Geringeren als Novak Djoković, seines Zeichens sechsfacher Australian-Open-Sieger, mit 7:6, 7:5, 7:6 durch und wirkte mit seinem variantenreichen Spiel fast wie ein Ebenbild des früheren Weltranglistenersten. "Er war mein Idol. Als ich jünger war, habe ich versucht, ihn zu kopieren", erzählte der 21-Jährige, der damit als erster Vertreter seines Landes im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers steht.

Der Sieger dieser Partie wird es mit dem Gewinner des Viertelfinal-Schlagers Roger Federer gegen Tomáš Berdych zu tun bekommen. Chung, die Nummer 58 der Welt, ist der Papierform nach leichter Favorit, er hat das einzige
bisherige Treffen mit Sandgren vor zwei Wochen gewonnen, womit ein Vorteil, den Sandgren gegen Thiem und Wawrinka auf seiner Seite wusste, schon einmal dahin sein dürfte. "Diese Spieler kennen mich nicht, das macht es für mich ein bisschen leichter", hatte er noch auf dem Platz gemeint. Chung wird Tennys Sandgren jedenfalls kein "y" für ein "i" vormachen.




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Dokument erstellt am 2018-01-22 17:23:07


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