St. Pölten. Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem hat seinen jährlichen Daviscup-Auftritt am Freitag und Samstag im VAZ Sankt Pölten absolviert. Seit seinem Debüt im Mannschaftsbewerb 2014 war der 24-Jährige jedes Jahr genau einmal gestellt, wenn es um Rot-Weiß-Rot ging. Auch 2014 und 2016 war es der Start-Länderkampf gewesen. Ohne ihn klappte es in Folge mit dem Aufstieg in die Weltgruppe aber jeweils nicht.

Soll es nach dem 5:0 gegen Weißrussland im fünften Anlauf en suite endlich mit der Rückkehr in die oberste Liga funktionieren, ist ein Einsatz Thiems zunächst einmal am 6./7. April beim schwierigen Auswärtsspiel in Russland wohl unumgänglich. Die Russen verfügen mit Andrej Rublew (35.), Karen Chatschanow (49.), Daniil Medwedew (56.), Jewgenij Donskoi (71.) und Michail Juschni (92.) über fünf Spieler mit einem besseren Ranking als Österreichs Nummer zwei. Das ist Gerald Melzer (98.). Der 27-Jährige hatte am Anfang des Länderkampfs den letztlich einzigen Satzverlust für Rot-Weiß-Rot kassiert, dann aber gegen Ilja Iwaschka eben noch den wichtigen Eröffnungspunkt geholt. Auch seine Teamkollegen Dennis Novak, Oliver Marach und Philipp Oswald signalisierten, für Russland bereit zu stehen. Wenn Not am Mann ist, würde es eventuell sogar mit dem Anfang Oktober am Ellenbogen operierten Jürgen Melzer klappen. "Ich spiele derzeit ein wenig, so eine halbe Stunde täglich", sagte der 36-Jährige der Austria Presse Agentur. "Ich denke, dass ich in zwei Monaten voll ins Training und dann in die Sandplatzsaison einsteigen kann." Sollte vom Aufbau alles optimal verlaufen und er gebraucht werden, würde der ehemalige Weltranglistenachte sein Comeback unter Umständen am Wochenende nach Ostern mit dem Daviscup-Duell beginnen. Das wäre aber sicher nur bei einem Team ohne Thiem ein Thema.

Kapitän Stefan Koubek stellte klar, dass sehr viel, wenn nicht sogar alles von der Teilnahme des Weltranglistensechsten abhängt. "Der Unterschied ist Dominic, das ist ganz klar. Vielleicht kann er über seinen Schatten springen", meinte der Kärntner. "Wünschen würde ich mir, dass ich mit der gleichen Mannschaft antreten könnte wie gegen Weißrussland. Vielleicht drängt sich auch noch wer anderer auf."

Thiem hat sich in St. Pölten gestellt, und das auch noch in einem bedeutungslosen Samstag-Einzel. Mit zwei Punkten ohne Satzverlust hat er auch sportlich entsprochen. "Das war ein sehr schönes Erlebnis. Das möchte ich genießen, ein bisschen den Moment aufsaugen", meinte der 24-Jährige, der den Schwung in die kommenden Turnieraufgaben auf Sand mitnehmen will. Am Samstag gegen Iwaschka hatte Thiem von seinem Coach Günter Bresnik den Auftrag erhalten, nicht den Fokus zu verlieren. "Meine Aufgabe war, dass ich die Partie sehr konzentriert von Anfang an runterspiele, keine Sekunde daran denke, dass es um nichts geht oder der Gegner so viel schlechter platziert ist. Das ist mir ganz gut gelungen." Die vollen Ränge taten ihr übriges. "Wie oft hat man ein Trainingsmatch vor fast 3000 Leuten?"

Festlegen für April wollte sich Thiem auf keinen Fall, weder zu- noch absagen. In der Woche nach dem Masters-1000-Turnier in Miami und gut eine Woche vor dem Beginn der klassischen Sandplatzsaison mit dem Masters-1000-Event in Monte Carlo liegt ein wahrscheinlicher Hartplatz-Daviscup in Russland ungünstig. "Das passt immer schwierig rein", meinte Thiem. "Der Daviscup ist immer ein bisschen reingepresst. Jetzt werde ich einmal den Sieg da genießen."

Koubek ist gewohnt, auf seinen Star zu warten. "Wenn Dominic kommt, kann er auch einen Tag vorher kommen." Zumindest hat der neue Modus, wonach nur noch auf zwei Gewinnsätze gespielt wird, und zwei Spieltagen Thiem den Daviscup schmackhafter gemacht: "Ich glaube, dass man die unteren Ligen so spielen sollte. Man spielt die Qualifikation in der Fußball-WM auch nicht mit Verlängerung und Elfmeterschießen. In der Weltgruppe kann man den historischen Modus beibehalten", meinte er.