• vom 07.03.2018, 06:30 Uhr

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Update: 07.03.2018, 09:20 Uhr

Paralympics

Der Traum des Yoo In-sik




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Von WZ-Korrespondent Fabian Kretschmer

  • Yoo In-sik trat 1992 als erster Koreaner bei Paralympics an. Er erzählt vom Stigma, an dem Menschen mit Beeinträchtigung in Südkorea leiden.



Südkorea heißt die Paralympics-Athleten herzlich willkommen.

Südkorea heißt die Paralympics-Athleten herzlich willkommen.© Joel Marklund/afp/IOC Südkorea heißt die Paralympics-Athleten herzlich willkommen.© Joel Marklund/afp/IOC

Seoul. Für Yoo In-sik, der in einer ärmlichen Bauernfamilie im landwirtschaftlich geprägten Südwesten der koreanischen Halbinsel aufwuchs, bot das Leben nur wenig Perspektiven. Der Wirtschaftsaufschwung der Metropole Seoul hatte während der 60er und 70er Jahre längst noch nicht die hintersten Ecken des Landes erreicht. "Für mich gab es damals nur ein Ziel: als Soldat anzuheuern. Das war das Beste, was ich aus meinem Leben machen konnte", erinnert sich der heute 55-Jährige.

Doch es sollte anders kommen. Der Traum von Yoo In-sik zerschlug sich an einem feuchtschwülen Sommertag im Jahre 1979. Mit seinen Freunden half er damals auf einem Landwirtschaftsbetrieb aus, um sich während der Ferien etwas Geld dazuzuverdienen. In einem unachtsamen Moment jedoch geriet Yoos rechtes Knie in die Landegge eines Traktors. "Nach heutigem medizinischen Stand hätte man mein Bein wahrscheinlich retten können, doch damals führte kein Weg an einer Amputation vorbei", sagt er. Nur wenige Monate vor dem geplanten Einzug beim Militär musste der Südkoreaner nun plötzlich seine Pläne komplett umkrempeln - und sich vorbereiten für ein Leben mit Prothese.

Paralympics-Pionier Yoo In-sik (hier in seiner Werkstatt in Seoul) hat andere Erfahrungen gemacht.

Paralympics-Pionier Yoo In-sik (hier in seiner Werkstatt in Seoul) hat andere Erfahrungen gemacht.© Fabian Kretschmer Paralympics-Pionier Yoo In-sik (hier in seiner Werkstatt in Seoul) hat andere Erfahrungen gemacht.© Fabian Kretschmer

An diesem sonnigen Märznachmittag führt Yoo In-sik - ein kräftiger Mann mit tief ins Gesicht gezogener Baseballkappe - durch seine Behindertenwerkstatt im Nordosten von Seoul. Dort repariert er Rollstühle, gelegentlich auch Ersatzteile für Mopeds. Es ist ein Brotjob, doch Yoo ist zufrieden, mit etwas Sinnvollem seine Miete zahlen zu können.

Dabei reicht nur ein Blick auf die Schreibtischwand; auf die unzähligen Urkunden, sportlichen Auszeichnungen und vergilbten Wettkampf-Fotos, um die wahre Leidenschaft des Südkoreaners zu erkennen: das Skifahren. "Erst durch den Sport habe ich wieder Hoffnung und Zuversicht gewonnen. Dieses Gefühl, über den Hang zu fliegen, ist für mich ein unglaubliches Glück", sagt er.

Während seiner Reha in den 80er Jahren wurde Yoo durch Zufall in ein Ski-Resort verwiesen, wo er den Wintersport mühsam lernte: "Damals war Skifahren ein Luxussport, der nur einer kleinen Elite vorenthalten war", sagt Yoo.

Erste Paralympics in Seoul

In jenen Tagen begann Yoo In-sik erstmals wieder zu träumen - von der Teilnahme an einem internationalen Ski-Ereignis. "Die Leute nahmen mich zwar nicht ernst, und finanzielle Unterstützung gab es kaum. Doch das steigerte nur meinen Willen, immer härter zu trainieren", sagt Yoo.

Ab 9. März finden nun in Südkorea erstmals die Paralympischen Winterspiele statt. Überraschenderweise waren die Tickets bereits Wochen vor Beginn der Veranstaltung de facto restlos ausverkauft. Dies wird als Zeichen gedeutet, dass sich die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen langsam ändert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-06 16:14:42
Letzte Änderung am 2018-03-07 09:20:34


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