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Update: 19.03.2018, 15:14 Uhr

Sumo

Der zähe Kampf um das Sumo-Image




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Von WZ-Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk

  • Die japanische Sportart ist von Skandalen geplagt - eine Kommission befragt nun alle aktiven Ringer.

Harumafuji (l.) und Takanoiwa waren die Protagonisten einer Schlägerei abseits des Rings.

Harumafuji (l.) und Takanoiwa waren die Protagonisten einer Schlägerei abseits des Rings.© Kyodo News/ap Harumafuji (l.) und Takanoiwa waren die Protagonisten einer Schlägerei abseits des Rings.© Kyodo News/ap

Tokio. Japans Traditionssport steckt in die Krise. Eine Schlägerei in einer Bar, sexuelle Übergriffe durch einen Schiedsrichter und Gerüchte über Kampfabsprachen belasten das Image einer Institution, die zusammen mit Sushi und Geishas für das Bild eines ganzen Landes steht. Eine Untersuchungskommission will nun alle 900 aktiven Sumo-Ringer befragen, um sich ein Bild vom Zustand des Sports zu machen - und gegenüber der Öffentlichkeit wieder für saubere Verhältnisse zu sorgen. Die Aufräumaktion kommt pünktlich zum Beginn des jährlichen Frühjahrsturniers in Osaka vom 11. bis zum 25. März. Unter dem Vorsitz des pensionierten Generalstaatsanwalts Keiichi Tadaki ist eine Bestandsaufnahme geplant, um die Ursachen für Gewalt und Korruption zu klären. "Es geht um den Erhalt des Sumo", sagte Tadaki. "Der Sport muss sich der Realität stellen."

Das Opfer der Prügelei vom Oktober, der Ringer Takanoiwa, kann auf diesem Frühjahrsturnier vermutlich zum ersten Mal seit jenem schicksalshaften Tag wieder antreten. Er hatte einen Schädelbruch erlitten, als ein Sumo-Meister ihn in einer Karaoke-Bar zusammengeschlagen hatte. Täter war der mongolische Meister Harumafuji. Der Grund für den Aggressionsausbruch: Der 28-jährige Takanoiwa hatte einer Reihe von älteren Ringern beschieden, ihre Zeit sei bald um. Als diese ihn über seine Pflicht zur Ehrerbietung ermahnten, nahm der Jüngere sein Handy und fing an, Nachrichten zu beantworten, statt ihnen zuzuhören. Daraufhin flippte Harumafuji aus und schlug ihm mit der Bierflasche über den Kopf. Der jüngere Mann wehrte sich. Die Ringer beharkten sich daraufhin mit einem Eisdorn, einer Karaoke-Fernbedienung und einem Aschenbecher. Takanoiwa landete im Krankenhaus. Er litt an einem Austritt von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und musste operiert werden.


Harumafuji musste seine Karriere danach beenden. Sumo verpflichtet zu einem strengen Ehrenkodex. Nicht umsonst nehmen auch ausländische Sportler einen japanischen Künstlernamen an, wenn sie in ein Sumo-Haus eintreten. Sie tragen fortan nur noch traditionelle japanische Kleidung und ordnen sich der Hierarchie ihres Teams unter. Doch Gewalt kommt immer wieder vor. Die Sumo-Welt hat sich immer noch nicht von einem tragischen Ereignis im Jahr 2007 erholt, als Teamkollegen einen 17-jährigen Nachwuchsringer gehänselt und totgeschlagen haben.

Erschummelte Siege
Auch andere Skandale halten Sumo derweil in den Schlagzeilen. Einer der beiden Chef-Schiedsrichter des Verbands hatte einen Junior-Schiedsrichter im Dezember in betrunkenem Zustand begrapscht und gegen dessen Willen geküsst. Er wurde suspendiert - und der Verband hat zugegeben, ein Problem mit exzessivem Alkoholkonsum zu haben. Sumo leidet zudem an schwindender Aufmerksamkeit. Das mag an Vorwürfen von Absprachen gelten. Meister, die nur noch einen Sieg brauchten, um ihren Titel zu halten, haben schon seit Jahrzehnten auffallend häufig gewonnen. Die Absprachen ließen sich allerdings nur schwer nachweisen - bis das Handy-Zeitalter anbrach. Im Jahr 2011 fanden Ermittler Beweise in Form von Textnachrichten. Der Verband brach das laufende Turnier ab, 23 Ringer wurden ausgestoßen, es gab neue Regeln - doch der Image-Schaden war immens.

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Schlagwörter

Sumo, Japan, Ringen

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Dokument erstellt am 2018-03-08 16:50:42
Letzte Änderung am 2018-03-19 15:14:50


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