Melbourne. (art) Fragen, nichts als Fragen: Die Testfahrten bei Barcelona haben diesbezüglich mehr aufgeworfen, als sie Antworten geliefert haben. Stark von Wind und Wetter beeinflusst, haben sie wenig Aufschlüsse über das wahre Leistungsniveau der Boliden für die neue Formel-1-Saison gegeben. Ab Freitag, wenn die ersten Trainings für den Saisonauftakt in Melbourne am Sonntag (7.10 Uhr MESZ) auf dem Programm stehen, wird es aber ernst. Und trotz aller Unwägbarkeiten steht schon jetzt fest, dass Mercedes mit Titelverteidiger Lewis Hamilton auch in der heurigen, 21 Rennen umfassenden Saison, die am 1. Juli im steirischen Spielberg Station macht, wieder der große Gejagte sein wird. Hamilton könnte mit einem fünften Titel auch mit Juan Manuel Fangio gleichziehen, der hinter Rekordweltmeister Michael Schumacher (sieben Titel) auf Platz zwei der ewigen Bestenliste liegt.

Selbiges Kunststück will freilich auch Sebastian Vettel erreichen. Für den Deutschen, der im Vorjahr bis zur Halbzeit auf WM-Kurs lag, ehe Hamilton den Turbo zündete, wäre ein etwaiger fünfter Triumph ein besonders emotionaler: Er könnte Ferrari den ersten Titel seit Kimi Räikkönen 2007 bescheren. Vor Saisonstart gibt sich Vettel aber vorsichtig: "Es gibt noch einige Rätsel zu lösen", sagt er. Starke Gegenwehr könnte indessen auch von seinem früheren Rennstall kommen; das Red-Bull-Team, das über Daniel Ricciardo und Toptalent Max Verstappen verfügt, hat sich zuletzt herangetastet und in den Wintertests absolut konkurrenzfähig präsentiert. "Wir stehen viel besser da als im vergangenen Jahr", meint Verstappen. Ricciardo glaubt zwar "noch immer, dass wir ein bisschen brauchen werden, um Mercedes zu fordern - aber ich glaube nicht, dass wir weit weg sind."

Nur leichte Eingriffe

Überhaupt ist es Ziel der neuen Formel-1-Führung von Liberty Media und Sportchef Ross Brawn, das Niveau unter den Teams anzugleichen und so für mehr Spannung zu sorgen. "Es soll so sein, dass an einem guten Tag auch Force India ein Rennen gewinnen kann", meint Brawn - wohlwissend, dass dies für die kommende Saison eine eher vage Hoffnung ist. Das aktuelle Power-Unit-Reglement ist noch bis 2020 in Kraft, die Topteams - allen voran Mercedes - haben hier nach wie vor einen enormen Entwicklungsvorsprung.

So sind die Änderungen heuer eher kosmetischer Natur. Zwar gibt es Modifikationen wie eine Restriktion der Motoren, die Einführung des "Halo" sowie neuer Reifenmischungen und eine Vereinfachung des Strafensystems, debattiert wurde aber am meisten über die Ersetzung der als nicht mehr zeitgemäß empfundenen Grid Girls durch "Grid Kids". Die entscheidenden Fragen werden wohl erst auf der Strecke beantwortet.