Madrid. Fast ein Jahr nach dem Sensationssieg im Viertelfinale von Rom hat Dominic Thiem gegen Rafael Nadal wieder zugeschlagen und die Rekordserie des Spaniers auf dessen Lieblingsbelag und in dessen Heimat gebrochen. Der 24-jährige Niederösterreicher besiegte den Weltranglisten-Ersten im Viertelfinale von Madrid nach 1:56 Stunden mit 7:5,6:3.

Am 19. Mai 2017 hatte Thiem Nadal mit 6:4,6:3 besiegt, doch seither hatte Nadal nicht weniger als 50 Sätze auf Sand in Folge gewonnen und einen Uralt-Rekord von John McEnroe egalisiert. Doch am Freitag schloss sich in Madrid, in einer Wiederholung des Vorjahres-Finales zwischen Thiem und Nadal, der Kreis: Es war wieder Thiem vorbehalten, nicht nur den ersten Satzverlust Nadals auf Asche seither, sondern dem Sandplatz-König auch die erste Niederlage zuzufügen.

"Ich habe vorher gewusst, um Rafa zu schlagen, muss ich eine spezielle Leistung erbringen, und genau das habe ich heute gemacht", freute sich Thiem. "Ich habe sehr viele gute Vorhand-longline-Schläge gespielt und gut retourniert. Die Höhenlage hier in Madrid kommt mir schon sehr entgegen und seinem Spiel vielleicht nicht so", gestand Thiem. Allerdings sei es auch wichtig gewesen, mit der Einstellung ins Match zu gehen, zu gewinnen, trotz der "bösen Abfuhr", die er vor zwei Wochen in Monte Carlo (0:6,2:6) erlitten hatte.

Roger Federer ist ab Montag
neue Nummer eins


Thiem hat Nadal auch vom Tennis-Thron gestoßen. Der Vorjahressieger verliert nun genügend Punkte, dass ab Montag der Schweizer Roger Federer wieder zur Nummer eins wird.

Am Samstagnachmittag trifft Thiem auf den Südafrikaner Kevin Anderson. "Ich habe keine so gute Bilanz gegen ihn, aber es war noch nie auf Sand gegen ihn", erinnerte Dominic Thiem an seine 0:6-Bilanz gegen den aufschlagstarken Südafrikaner. Das wird ein komplett anderes Spiel als am Freitag. Ich bin unfassbar glücklich über den Sieg, aber das Turnier ist nicht zu Ende. Ich muss schauen, dass ich ganz frisch wieder in das Match reingehe."

Das Match gegen Nadal war über weite Strecken äußerst hochklassig, auch wenn der Spanier doch mit mehr Eigenfehlern als üblich auffiel. Thiem hingegen steigerte sich um Klassen gegenüber den vorangegangenen Runden und zeigte überhaupt eine seiner besten Leistungen seit langer Zeit. Thiem gelang im ersten Satz das erste Break zum 4:3, musste aber zum 5:5 selbst den Aufschlag abgeben. Von Beginn weg war die zuletzt eher schwache Vorhand zur echten Waffe geworden, was sich am Ende mit 22 Vorhand-Winnern (insgesamt 29 Winner) auch in Zahlen messen ließ. Nach einem neuerlichen Break zum 6:5 und mit einem Ass beim zweiten Satzball sicherte sich Thiem den ersten Meilenstein in diesem Match.

Wie schon im ersten Durchgang gelang Thiem das erste Break zum 2:1, neuerlich musste er zum 3:3 sein Service abgeben, schaffte es wiederum gleich wieder, dem spanischen Weltstar den Aufschlag zum 4:3 abzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt schien Thiem etwas befreiter und sicherte sich nach fast zwei Stunden seinen dritten Sieg über den zehnfachen French-Open-Sieger, der zuletzt in Monte Carlo und Barcelona seine jeweils elften Titel geholt hatte.