• vom 14.05.2018, 20:00 Uhr

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Vorbild Dänemark




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Von Stefan Grüneis aus Kopenhagen

  • Die Skandinavier verfügen über halb so viele Eishockey-Spieler wie Österreich, aber mehr Erfolg. Nach dem Fixieren des Klassenerhalts wollen sich die Österreicher an ihnen ein Beispiel nehmen.

Dänemark peilt als kleine Eishockey- Nation das dritte WM-Viertelfinale an. - © David Cerny/Reuters

Dänemark peilt als kleine Eishockey- Nation das dritte WM-Viertelfinale an. © David Cerny/Reuters

Kopenhagen. (apa) Im Mai 2005 hat Dänemark im Eishockey zum ersten Mal ein WM-Spiel gegen Österreich gewonnen. Mittlerweile hat sich das Kräfteverhältnis klar zugunsten der Skandinavier entwickelt. Bei der Heim-WM spielen die Dänen am Dienstag in Herning gegen Lettland um den Einzug ins Viertelfinale, für Österreich, das nach dem historischen Fixieren des Klassenerhalts sein letztes (Gruppen-)Spiel am Montagabend gegen Tschechien bestritt (nach Redaktionsschluss), können sie durchaus Vorbild sein.

Dänemark hat laut offizieller Statistik des Weltverbands nicht einmal halb so viele Spieler wie Österreich (rund 4650 gegenüber 9500) und mit 27 auch deutlich weniger Eishallen (Österreich 40). Dennoch haben die Skandinavier das rot-weiß-rote Eishockey in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten weit abgehängt.


Die Dänen sind seit 2003 Stammgast in der A-WM und peilt nun das dritte Viertelfinale nach 2010 und 2016 an. Mit der U20 haben sie ebenfalls schon zweimal (2016 und 2017) das Viertelfinale erreicht und sind auch beim Spieler-Export nach Nordamerika erfolgreicher. Während Österreich drei NHL-Spieler stellt, haben in dieser Saison sieben Dänen in der stärksten Liga der Welt gespielt, fünf sind auch bei der Heim-WM dabei. Und für Nachschub ist gesorgt. Seit 2006, als mit Michael Grabner und Andreas Nödl zum bisher letzten Mal österreichische Talente gedraftet worden sind, wurden 14 Dänen gedraftet, darunter vier in der ersten Runde. Entscheidend ist, dass sich die dänische Liga als Ausbildungsliga versteht, und die Nachbarschaft zu Schweden. Viele dänische Talente gehen durch die schwedische Nachwuchsschule, in den vergangenen 15 Jahren haben rund 80 Prozent der Teamspieler einmal eine Ausbildung im Land des aktuellen Weltmeisters erhalten. "Es ist in unserer Natur, in die schwedische Liga zu gehen. Ohne die Inspiration des schwedischen Modells wären wir nicht dort, wo wir heute sind", sagte der dänische Rekordteamspieler Morten Green vor der WM.

WM-taugliche Hallen
Importiert wurde das Know-how auch durch schwedische Trainer in Dänemark. So wie durch den aktuellen Teamchef Jan Karlsson, dreifacher Meister in seiner Heimat und als Teamchef-Assistent mit dem Tre-Kronor-Team Olympiasieger und Weltmeister 2006. Er führt den Erfolg der Dänen "auf die beeindruckende Arbeit mit der Jugend" zurück. "Die dänischen Vereine sind wirklich ambitioniert. Für ein kleines Land wie Dänemark ist es fast wider die Natur, dass es so viele großartige Spieler herausgebracht hat", erklärte er einmal.

Auch betreffend Infrastruktur kann Österreich nur neidvoll in den hohen Norden blicken. In Kopenhagen und Herning stehen Multifunktionshallen, die für eine A-WM reichen. In Kopenhagen finden auch Spiele der europaweit ausgetragenen Fußball-EM 2020 statt. Unterstützung für solche Projekte kommen von Sport Event Denmark, einer von der Regierung gegründeten Institution, die das Ziel hat, große Sportevents nach Dänemark zu bringen und durchzuführen.




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Dokument erstellt am 2018-05-14 15:57:48


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