• vom 11.06.2018, 17:18 Uhr

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Update: 11.06.2018, 17:28 Uhr

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"Nicht mein letztes Finale"




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  • Dominic Thiem fand in Seriensieger Rafael Nadal seinen Meister - und denkt an die Zukunft.

Dominic Thiem (l.) blieb nur die Rolle des Gratulanten.

Dominic Thiem (l.) blieb nur die Rolle des Gratulanten.© Gonzalo Fuentes/Reuters Dominic Thiem (l.) blieb nur die Rolle des Gratulanten.© Gonzalo Fuentes/Reuters

Paris. (art) Der Ritterschlag kam vom (Sandplatz-)König höchstselbst. "Dominic, du hast tolle zwei Wochen gespielt. Du bist einer der Spieler, die die Tour braucht, und ich bin sicher, du wirst hier noch viele Finali spielen", sagte Rafael Nadal, nachdem er sich im Endspiel der French Open in Paris mit 6:4, 6:3, 6:2 als eine Nummer zu groß für Dominic Thiem erwiesen hatte. Thiem gab das Lob umgehend zurück: "Was du geleistet hast, mit dem elften Titel in Paris - das ist definitiv eines der außergewöhnlichsten Dinge, die man im Sport erreichen kann."

Davor hatte sich der spanische Weltranglistenerste vom Publikum, das ihn längst als einen der Seinen adoptiert hatte, feiern lassen, Thiem dabei mit Fassung, aber doch leerem Blick zugesehen. Schließlich hatte nur ein Schritt gefehlt, und er wäre an seiner Stelle als großer Triumphator gestanden. Doch mit einer starken und beinahe fehlerfreien Leistung verhinderte Nadal den ersten österreichischen Grand-Slam-Erfolg in einem Erwachsenen-Einzel nach Thomas Muster 1995 sowie, inklusive Junioren und Doppel, den elften insgesamt. Wie für Oliver Marach an der Seite des Kroaten Mate Pavić (2:6, 6:7 im Doppelfinale gegen die Franzosen Herbert/Mahut) blieb dem Österreicher diesmal nur die Rolle des Gratulanten. Thiem erinnerte in dieser Situation auch daran, dass er selbst vor sieben Jahren im Junioren-Finale stand. "Hoffentlich bekomme ich bald wieder eine Chance, vielleicht sogar gegen dich (an Nadal gewandt, Anm.). Das wäre ein Traum", meinte der 24-Jährige, der auch daran erinnerte, dass er selbst beim Beginn von Nadals Siegeszug 2005 (im Finale gegen Mariano Puerta) als Elfjähriger vor dem Fernseher saß. "Nie hätte ich damals daran gedacht, hier gegen dich im Finale zu spielen." Tatsächlich beeindruckte Nadal, der sich im dritten Satz auch von einem Krampf in der Schlaghand nicht aus dem Konzept bringen ließ, nicht nur durch seine Leistung an diesem Tag und in diesem Turnier, sondern vor allem mit der Konstanz über all die Jahre seit seinem Premierenantreten - und das trotz zahlreicher Verletzungen, die viele schon x-mal das Ende seiner Karriere heraufbeschwören ließen. Nur 2009 musste er sich im Achtelfinale Robin Söderling geschlagen geben, 2015 im Viertelfinale Novak Djoković, 2016 musste er vor der dritten Runde wegen einer Handgelenksblessur aufgeben, ehe er im Vorjahr mit seinem zehnten Erfolg - "La Décima" - triumphal zurückkehrte.


Kurze Verschnaufpause
Dass der 32-Jährige, selbst 2005 als 19-Jähriger zum Titel gestürmt, wieder einmal den Angriff der jungen Wilden abwehren konnte, erfüllte ihn sichtlich mit Stolz: "Es ist unglaublich. Ich bin sehr, sehr zufrieden", sagte er, nachdem er den Pokal innig geherzt hatte.

Thiem hat freilich erst eine Etappe auf dem Weg zu (noch) Größerem absolviert. In den vergangenen zwei Jahren stand er hier im Semifinale, diesmal hat er schon vor Turnierbeginn das Finale als "logisches Ziel" angegeben - und sich selbst dahingehend nicht enttäuscht. Auf dem Weg dorthin hat er nicht nur gefährliche Außenseiter und in Kei Nishikori einen absoluten Spitzenmann, sondern auch den vor Turnierbeginn noch stärker eingeschätzten, allerdings angeschlagenen Deutschen Alexander Zverev bezwungen, dem er kürzlich klar unterlegen war. Die Erfahrungen will er nun nützen und noch stärker zurückkommen. "Ich bin sicher, dass es nicht mein letztes Grand-Slam-Finale war, sagte Thiem, ab Montag wieder Weltranglistensiebenter und Fünfter in der Jahreswertung. Wie man aus solchen Niederlagen lernt, zeigte nicht zuletzt das Damen-Finale, in dem sich Simona Halep in ihrem bereits vierten Grand-Slam-Endspiel und ein Jahr nach der bitteren Niederlage gegen Jelena Ostapenko mit 3:6, 6:4, 6:1 gegen Sloane Stephens durchsetzte.

Thiems Konzentration gilt nun der Rasensaison. Die Verschnaufpause ist nach den anstrengenden Wochen mit seinem Lyon-Sieg und dem Paris-Finale ("Ich bin die letzten Wochen unter Strom gestanden. Das ist auch gut so, denn dann spiele ich am besten") aber kurz: Schon am kommenden Montag beginnen die Gerry-Weber-Open in Halle, das Vorbereitungsturnier auf Wimbledon. Zuerst heißt es aber: das Finale sacken lassen und zwei Tage keinen Schläger anrühren. Man kann es ihm nicht verdenken.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-11 17:25:20
Letzte Änderung am 2018-06-11 17:28:25


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