• vom 15.06.2018, 16:23 Uhr

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Boris Becker

Der Diplomaten-Coup des Boris Becker




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  • Tennis-Legende muss sich vor Londoner Konkursgericht verantworten. Die Zentralafrikanische Republik eilt ihm zu Hilfe.


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London. (rel/apa) Am vergangenen Wochenende war er noch bei den French Open als Kommentator zu sehen und zu hören gewesen. Geht es aber um sein laufendes Insolvenzverfahren, gibt sich Boris Becker gern wortkarg. Vor einem Jahr bereits war der Ex-Tennisstar von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden in der kolportierten Höhe von bis zu 61 Millionen Euro für zahlungsunfähig erklärt worden - was dieser aber bisher stets bestritt. Um sich dem Insolvenzverfahren zu entziehen, hat er nun einen ungewöhnlichen Schritt gesetzt und beruft sich neuerdings auf diplomatische Immunität. Dies bestätigte sein Londoner Anwalt am Freitag.

Becker als Diplomat? Ein Deal mit der Zentralafrikanischen Republik macht das möglich. Schon im April hatte der 50-Jährige mitgeteilt, dass er von der Regierung des Bürgerkriegslandes zum Sonderattaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union - wenn auch ehrenamtlich - ernannt worden sei. Dem folgend haben nun Beckers Anwälte beim High Court in London den Antrag gestellt, das Insolvenzverfahren gegen ihn wegen des jüngsten Diplomatenstatus ihres Mandanten bis auf Weiteres zu stoppen. Wie aus einer Pressemitteilung der Londoner Kanzlei Sal & H hervorgeht, könne Becker ohne die Zustimmung Zentralafrikas keinem rechtlichen Verfahren unterworfen werden. Auch sei eine Aufhebung von Beckers Immunität nur mit der Zustimmung des britischen Außenministers Boris Johnson und seines zentralafrikanischen Amtskollegen möglich, ergänzten die Anwälte. Ob die Argumentation vor dem Gericht in London verfängt, ist unklar.


Das belgische Außenministerium in Brüssel, wo Becker als Diplomat akkreditiert ist, wollte dessen Status als Sonderattaché am Freitag nicht bestätigen. Man mache grundsätzlich keine Angaben zu Einzelfällen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Becker rechtfertigte den Schritt indes in einer Stellungnahme auf Englisch. Er sei Opfer einer "Farce" geworden, klagt er. Ein "Haufen anonymer und unverantwortlicher Banker und Bürokraten" habe ihm in ein "vollkommen unnötiges" Insolvenzverfahren aufgezwungen. Er habe dadurch "eine Menge Schaden" erlitten, "sowohl finanziell als auch professionell", schreibt die Tennis-Legende und droht, schon bald zum Gegenschlag auszuholen. "Ich werde alle diejenigen verfolgen, die diesen Prozess erzwungen haben und sie öffentlich verantwortlich machen für ihre Taten." Und mit Blick auf sein Zentralafrika-Engagement erklärte er: "Ich möchte den Sportfans in einem der ärmsten Länder der Welt etwas Sinnvolles zurückgeben." Deswegen sei er auch auf seine Ernennung zum Sport- und Kulturattaché "immens stolz", so Becker.

Tatsächlich gilt der Krisenstaat im Zentrum Afrikas einem UN-Index zufolge als das ärmste Land der Welt. In dem Land war 2013 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit gegenüberstanden. In Folge einer französischen Militärintervention und einer UN-Friedensmission stabilisierte sich die Lage etwas. Trotz der Präsenz von 12.000 Blauhelmsoldaten kommt es jedoch immer wieder zu neuen Kämpfen. Nach UN-Angaben sind rund 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht - fast ein Viertel der Bevölkerung. Demnach ist jeder zweite Zentralafrikaner auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Erst Diplomat, dann Trennung
Ob und wann Becker dem Land einen Besuch abstatten wird, ist ungewiss. Aktuell ist die ehemalige Nummer eins der Tennis-Welt als "Head of Tennis" des Deutschen Tennisbunds und als Experte für verschiedene TV-Sender tätig. Im Mai war bekannt geworden, dass sich Becker und seine Ehefrau Lilly "einvernehmlich" getrennt haben. Der Sportstar und die Holländerin hatten im Juni 2009 geheiratet. Damals war die Welt Boris Beckers noch in Ordnung.




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Dokument erstellt am 2018-06-15 16:28:25


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