• vom 16.07.2018, 16:34 Uhr

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Das Ziel einer langen Reise




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  • Novak Djoković besiegt die Selbstzweifel - Alex Peya holt Mixed-Titel.

Erleichterung pur: Für Novak Djokovi war Grand-Slam-Titel Nummer 13 ein ganz besonderer.

Erleichterung pur: Für Novak Djokovi war Grand-Slam-Titel Nummer 13 ein ganz besonderer.© Hall/ap Erleichterung pur: Für Novak Djokovi war Grand-Slam-Titel Nummer 13 ein ganz besonderer.© Hall/ap

Wimbledon. (art) Für Novak Djoković war es das 13. Mal, doch es fühlte sich anders an als bei jedem seiner bisherigen Grand-Slam-Siege. "Es ist etwas Spezielles, wenn da jemand auf der Tribüne sitzt und ,Daddy, Daddy‘ sagt", meinte er und deutete in Richtung Box, wo seine Frau Jelena samt dem gemeinsamen Sohn den finalen 6:2, 6:2, 7:6-Sieg über den Südafrikaner Kevin Anderson bejubelte. Es war vielleicht auch eine Antwort an die Kritiker wie seinen Ex-Trainer Boris Becker, die behauptet hatten, Djoković würde sich zu sehr mit Privatem ablenken, und dies stammtischpsychologisch als Grund für seine Krise angeführt hatten.

Tatsächlich hatte der 31-jährige Serbe seit seinem bis Sonntag letzten Major-Sieg bei den Frech Open 2016 mit einer hartnäckigen Formschwäche, Verletzungen und Selbstzweifeln zu kämpfen, was den nunmehrigen Triumph noch spezieller machte. Im Vorjahr musste er in Wimbledon im Viertelfinale gegen Tomáš Berdych wegen seines lädierten Ellenbogens, der ihn schon davor behindert hatte, aufgeben, es folgten eine sechsmonatige Pause, eine verfrühte Rückkehr mit Schmerzen, ein Ausscheiden im Achtelfinale in Melbourne sowie eines im Viertelfinale von Paris. Danach hatte er mit seiner Aussage, er wisse nicht, ob er die Rasensaison bestreiten würde, für neuerliche Spekulationen gesorgt. Am Sonntag sagte er: "Es war eine lange Reise." Eine Reise, auf der er sich zwischenzeitlich von seinem Langzeitbetreuer Marian Vajda und dem österreichischen Fitness-Coach Gebhard Gritsch getrennt hatte. Er sei sehr dankbar, "dass sie zurückgekommen sind und mir geholfen haben, wieder dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin", betonte Djoković nun.

Nicole Melichar und Alex Peya mit der Trophäe.

Nicole Melichar und Alex Peya mit der Trophäe.© Glyn Kirk/afp Nicole Melichar und Alex Peya mit der Trophäe.© Glyn Kirk/afp

Und auf der Leistungsstufe, auf der er jetzt steht, gehört er plötzlich wieder zu jenen Spielern, die auch in näherer Zukunft um die größten Titel kämpfen dürften. In Wimbledon schaltete er zunächst French-Open-Sieger Rafael Nadal aus, im Finale ließ er dem starken Aufschläger Anderson, der davor Titelverteidiger Roger Federer bezwungen hatte, keine Chance. In der am Montag veröffentlichten Weltrangliste schlägt sich dies mit der Rückkehr unter die Top Ten der Welt - unmittelbar hinter dem auf Platz neun gerutschten Dominic Thiem - nieder. Darüber, was noch möglich ist, wollte Djoković, der sich wie Damensiegerin Angelique Kerber wieder im Vormarsch befindet, nur vorsichtig sprechen. "Ich möchte nicht zu weit vorausblicken, weil ich muss den Moment genießen. Aber es gibt mir einen großen Selbstvertrauensschub, und es ist ein Sprungbrett dafür, was immer jetzt für den Rest meiner Karriere kommen mag."


"Der Boris im Garten"
Ein großes Karriereziel kann indessen auch Alexander Peya seit Sonntag abhaken. Der Wiener setzte sich mit seiner US-amerikanischen Partnerin Nicole Melichar im Mixed-Finale mit 7:6, 6:3 über Jamie Murray/Viktoria Asarenka durch und durfte im Alter von 38 Jahren zum ersten Mal einen Grand-Slam-Pokal stemmen. Insgesamt war es der elfte Major-Titel für einen Österreicher in allen Kategorien, zuletzt hatte Oliver Marach mit Mate Pavić im Herren-Doppel bei den Australian Open triumphiert. Auch Peya sprach von etwas "ganz Besonderem", zumal er schon als Kind ein "Riesen-Boris-Becker-Fan" gewesen sei und Wimbledon auch aus diesem Grund "immer besonders im Fokus" gehabt habe.

"Ich habe früher immer mit meinem Bruder im Garten gespielt, ich war immer der Boris im Garten", erzählte Peya, der mit seiner um 13 Jahre jüngeren Partnerin ein eingespieltes Team ist. "Nicole serviert sehr gut. Seit wir zusammenspielen, ist sie noch nicht gebreakt worden. Ihr Service und ich am Netz, das ist eine gute Kombination", erklärte Peya. Melichar, die in zwei Wochen 25 wird, stimmte zu: "Wir sind beide sehr positiv. Ich habe zu ihm gesagt, dass das Mixed mein ‚happy place‘ ist." An diesem Tag galt das freilich ganz besonders.




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Dokument erstellt am 2018-07-16 16:41:24


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