• vom 03.09.2018, 16:26 Uhr

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Der Stich ins rote Herz




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  • Sebastian Vettel hadert nach Scheitern in Monza mit seinem Team. Lewis Hamilton jubelt.

Die Scuderia wirkte beim Grand Prix in Monza wie eine Baustelle. - © apa/Bruno

Die Scuderia wirkte beim Grand Prix in Monza wie eine Baustelle. © apa/Bruno

Monza. (rel/apa) Sebastian Vettel ist sauer. Und das nicht nur, weil er sein Ziel, beim Grand Prix von Italien in der Ferrari-Hochburg Monza vor der Kulisse Tausender roter Fahnen den Triumph einzufahren, nicht erreicht hat. Es ist vor allem die Wut auf sich selbst, aber auch auf sein Team, das den Deutschen innerlich kochen lässt, hatte doch der unerklärliche Verzicht von Ferrari auf eine Stallregie zugunsten seines Chefpiloten und ein Fahrfehler von Vettel die Scuderia erneut an den Rand des WM-Scheiterns gebracht. "Ich habe den Leuten, die es betrifft, meine Meinung gesagt", sagte Vettel. Von einem "Eigentor" sprach auch die "Gazzetta dello Sport": "Alles läuft falsch bei den Roten."

Vor allem aber wirkte die furiose Triumphfahrt von Mercedes-Pilot Lewis Hamilton für Vettel und die Tifosi wie ein Stich ins Herz. "Ich werde das nie vergessen", beteuerte der WM-Leader am Sonntag. Seinen fünften Sieg in Monza, mit dem er Michael Schumachers Bestmarke egalisierte, hatte Hamilton zuvor mit einem gewagten Sprung in die Arme der Fans auf der Zielgeraden gefeiert. "Das Rennen seines Lebens", schwärmte die "Daily Mail". Dass Hamilton vor den letzten sieben Saisonläufen schon 30 Punkte vor Vettel liegt, verdankt er aber nicht allein seiner Fahrkunst.


Und das ging so: Den Weg zur möglichen Vorentscheidung im Titelduell hatte ihm das Versagen bei Ferrari geebnet. Ausgerechnet die Scuderia, die zu ihren Glanzzeiten alles dem Erfolg von Rekordchampion Schumacher unterordnete und per Stallorder die Gewinnchancen erhöhte, ließ sich in Monza von Mercedes strategisch vorführen. Der in der WM chancenlose Kimi Räikkönen durfte in Vettels Windschatten auf die Pole Position fahren und brachte den 31-Jährigen so schon am Start in die Bredouille. Zu allem Überfluss patzte Vettel unter Druck erneut, krachte in Hamiltons Boliden und sah als Vierter seine WM-Hoffnungen schwinden. Als sich Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene vorwerfen lassen musste, warum er das Fiasko nicht per Teamorder verhindert habe, antwortete trotzig: "Wir beschäftigen Piloten, keine Butler." Dabei hat die jüngere Vergangenheit, als Rubens Barrichello und Felipe Massa mit Erfolg als Wasserträger dienten, das Gegenteil bewiesen.

In diese Kerbe schlug auch Vettel. "Ich erwarte nichts, habe noch nie etwas geschenkt bekommen", erklärte er vielsagend. Dass er im Zweikampf mit Hamilton nicht in einer stärkeren Position ist, hat er sich aber auch selbst zuzuschreiben. Nach Patzern in Aserbaidschan, Frankreich, Österreich und Deutschland ging auch der Crash mit Hamilton auf sein bedenklich überzogenes Fehlerkonto.

Nächste titellose Saison?
Dennoch: Im vierten Jahr der Zusammenarbeit von Vettel und Ferrari ist zumindest endlich das Auto mindestens auf Augenhöhe mit dem lange überlegenen Mercedes. Doch nach dem Offenbarungseid von Monza steuert die Scuderia schnurstracks auf die nächste titellose Saison zu.




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Dokument erstellt am 2018-09-03 16:35:57


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