Singapur. Viermal hat Sebastian Vettel das Nachtrennen von Singapur bereits gewonnen und ist damit Rekordsieger. Auch am Sonntag (14.10 Uhr/ORFeins) gilt der deutsche Ferrari-Star als Favorit. Im Kampf um die Formel-1-WM mit Mercedes-Pilot Lewis Hamilton darf er sich nach einer Fehlerserie aber auch keinen Ausrutscher mehr leisten, beträgt doch sein Rückstand bereits 30Punkte.

Vor der Reise in den südostasiatischen Stadtstaat hatte Vettel in einem Punkt Klarheit für die Zukunft: In der nächsten Saison wird nicht mehr der finnische Routinier Kimi Räikkönen, sondern das monegassische Megatalent Charles Leclerc sein Teamkollege sein. Doch viel mehr beschäftigte den 31-Jährigen der bevorstehende Nacht-Grand-Prix in der Millionen-Metropole. "Klar ist da eine kleine Lücke", gestand Vettel mit Blick auf den WM-Stand. Gleichzeitig strahlte er aber auch Zuversicht aus: "Ich denke, ich weiß, was zu tun ist. Ich konzentriere mich jetzt auf Singapur. Ich mag den Ort." Dreimal siegte er auf der durch mehr als 1600Lichtprojektoren erleuchteten Strecke im Red Bull, einmal - nämlich 2015 - im Ferrari.

In diesem Jahr könnte Singapur das Schlüsselrennen für Vettels Kampf um seinen fünften Titel werden. Hier kann er die WM zwar nicht gewinnen, aber er kann sie bereits verlieren. Auf keinem der restlichen Kurse gelten er und Ferrari als so klar favorisiert wie auf dem Marina Bay Street Circuit. Konkurrent Mercedes sieht sich als Außenseiter. Zudem könnte in Singapur auch noch Red Bull in den Zweikampf Rot gegen Silber eingreifen und womöglich Hamilton Punkte wegnehmen.

Es wird eng im Duell


Gewinnt Vettel am Sonntag nicht, wird es eng im Duell mit dem ebenfalls vierfachen Weltmeister aus England. Deshalb darf sich eine Schmach wie 2017 nicht wiederholen. Damals waren Vettel und Räikkönen noch in der ersten Runde mit Red-Bull-Pilot Max Verstappen kollidiert und ausgeschieden. Hamilton nutzte die Chance und gewann. Am Ende der Saison war er Weltmeister.

Fehler darf sich Vettel in dieser Saison ohnehin kaum noch erlauben. Davon hatte er bereits genug: der Verbremser in Baku, eine Kollision mit Valtteri Bottas in Frankreich, die Qualifying-Strafe in Österreich, der Ausrutscher ins Kiesbett in Hockenheim und nun zuletzt der Dreher nach dem Unfall mit Hamilton. Seine Fauxpas-Serie kostete ihn in diesem Jahr schon bis zu 70 Punkte.

Die Kritik an der Fehleranfälligkeit des Deutschen ist mittlerweile so laut, dass sogar Hamiltons Vorgesetzter Toto Wolff ihn verteidigte. "Er hat den Ehrgeiz, wenn möglich immer zu gewinnen, und bringt die dafür notwendige Aggressivität mit", meinte der Mercedes-Teamchef in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt". "Dafür braucht man großen Mut. Dass das manchmal zu Kollisionen führt, ist Teil seiner Art und Weise, ein Formel-1-Auto zu fahren."

Wolff kann sich den Großmut leisten. Sein Chefpilot Hamilton fährt derzeit fast fehlerfrei.