• vom 14.09.2018, 07:00 Uhr

Mehr Sport

Update: 14.09.2018, 08:01 Uhr

Tennis

Große Fußstapfen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Die größten Erfolge von Österreichs Daviscup-Gegner Australien liegen schon länger zurück.

Nicht nur die Faust verbindet Lleyton Hewitt . . .

Nicht nur die Faust verbindet Lleyton Hewitt . . .© afp/E. Dunand Nicht nur die Faust verbindet Lleyton Hewitt . . .© afp/E. Dunand

Graz. (art) Australien und Tennis, das erweckt unweigerlich Assoziationen: an 28 Daviscup-Triumphe, an die Australian Open, die in der Szene nur Happy Slam genannt werden, an Rod Laver, einen der größten Spieler der Tennisgeschichte, an die ehemaligen Weltranglistenspitzenreiter John Newcombe, Patrick Rafter und . . . Lleyton Hewitt. Geblieben ist davon nicht viel, nur Hewitt ist immer noch da. Der zweifache Grand-Slam-Sieger, ehemals der jüngste Nummer-eins-Spieler der Geschichte und Australiens Rekord-Daviscup-Akteur, steht zwar selbst nur noch sporadisch im Doppel auf dem Platz. Er führt das Team aus Down Under, das ab Freitag in Graz gegen Österreich um den Verbleib in der Weltgruppe des Daviscup kämpft, während die Gastgeber erstmals seit 2013 wieder dorthin zurückkehren wollen, aber mittlerweile als Kapitän an. Die Hoffnungen der Australier, dass der 37-Jährige, der sich ob seines unermüdlichen Einsatzes während seiner aktiven Karriere den Beinamen Rocky erworben hatte, der richtige Mann ist, um es auch wieder zu alten Triumphen zu führen, ist groß.

Zwar verfügt Hewitt aktuell über keinen Top-Ten-Spieler im Einzel, wie es rund um die Jahrtausendwende er selbst, Rafter und auch Mark Philippoussis waren; aber über zumindest ein Ass im Ärmel, dem dies zugetraut wird. Nachdem der ebenfalls hochgehandelte Nick Kyrgios, als 27. der Welt die etatmäßige Nummer eins der Australier, die aber für die Begegnung mit Österreich abgesagt hat, sich bisher aufgrund von Undiszipliniertheiten selbst im Weg gestanden ist, ist der neue Hoffnungsträger nun Alex de Minaur - ein 19-jähriger Bursch, der in Sydney als Sohn eines Uruguayers und einer Spanierin geboren wurde, mittlerweile aber im spanischen Alicante trainiert. Diese Tatsachen tun seiner Popularität in Australien freilich keinen Abbruch, immer wieder betont De Minaur, welch starke Bande er mit seiner Heimat habe. Auch das Vertrauen von Kapitän Hewitt genießt er, beim Länderkampf in Graz ist er die Nummer eins der Australier. John Millman, der bei den US-Open mit dem Achtelfinal-Sieg über Roger Federer aufgezeigt hat, ist erkrankt. Episches US-Open-Match

. . . und Alex de Minaur.

. . . und Alex de Minaur.© afp/d. Emmert . . . und Alex de Minaur.© afp/d. Emmert

Als 38. im Computer rangiert De Minaur nur um einen Platz hinter Millman, er ist zehn Jahre jünger und sein Drittrunden-Auftritt in Flushing Meadows nicht weniger gut in Erinnerung. Gegen den Weltranglistensechsten Marin Čilić stellte er von 2:5 im fünften Satz auf 5:5, wehrte dabei sechs Matchbälle ab - ehe er das Spiel schließlich doch verlor, dabei aber Sympathien weit über die Grenzen Australiens hinaus gewann. "Es war ein unglaubliches Comeback von ihm. Es haben ein paar Punkte entschieden", erklärte der sichtlich erleichterte Čilić in den frühen Morgenstunden.


© M. Hirsch © M. Hirsch

Der australische Tennis-Coach Darren Cahill, der schon Hewitt und Andre Agassi an die Spitze geführt hatte, kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Der Bursche ist unglaublich. Never say die", meinte Cahill. "Wir können uns sehr auf die nächsten zehn Jahre freuen. Es steckt viel von Lleyton Hewitt in ihm, mit der Art, wie er spielt, seinem Kampf und seinem Spirit."


"One of the hottest on tour"
Schon davor hatte die ATP den Teenager, der vor Jahresfrist noch auf Platz 189 und vor zwei Jahren noch auf Rang 615 der Weltrangliste zu finden war, auf ihrer Homepage als einen der "hottest player on tour" bezeichnet und ebenfalls dessen Mentalität gewürdigt. Die Fähigkeit, bis zum letzten Punkt zu kämpfen und in Stresssituationen zu bestehen, ist freilich gerade im Daviscup ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wie es das Los am Donnerstag wollte, bestreitet De Minaur am Freitag die zweite Partie gegen Dennis Novak. Geht man rein von der Papierform aus, liegt Australien dann mit 0:1 zurück - schließlich ist Dominic Thiem in der Auftaktpartie gegen Jordan Thompson, die Nummer 111 der Welt, klarer Favorit. "Wir kennen Dominic Thiems Qualitäten und wissen, was er auf Sand kann", meint auch Hewitt, schränkt allerdings ein: "Aber die Situation im Daviscup ist anders. Es ist ein anderer Erwartungsdruck, mit dem er fertig werden muss."

Hewitt, dessen Daviscup-Bilanz bei insgesamt 58:21 beziehungsweise bei 42 Siegen im Einzel steht, weiß davon ein Lied zu singen. Es sind wahrlich große Fußstapfen, in die De Minaur treten soll.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-13 17:06:15
Letzte Änderung am 2018-09-14 08:01:03


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Grillitsch trifft, Ronaldo fliegt vom Platz
  2. Ein Schauspiel mit Nachspiel
  3. Rätselraten um Amadou Haidara geht weiter
  4. Derby der anderen Art
  5. Rapid will gegen Spartak die Wende herbeiführen
Meistkommentiert
  1. WTA fordert Gleichbehandlung von Frauen und Männern
  2. Kipchoge will den Weltrekord
  3. Salzburg gewann Spitzenspiel in St. Pölten

Werbung




Werbung