Wien. (art) Ende gut, alles gut? Im Fall von Jürgen Melzer nicht unbedingt. Die Erste-Bank-Open in der Wiener Stadthalle hätten der krönende Abschluss einer der größten Karrieren im heimischen Tennis werden sollen, stattdessen geriet der Abschied zu einem mit Schmerzen - im wahrsten Sinne des Wortes. Der 37-Jährige, der sich bei seinem Auftaktsieg über Milos Raonic noch in starker Form gezeigt hatte, konnte zum Achtelfinale gegen Kevin Anderson nicht antreten. Eine Magen-Darm-Erkrankung zwang ihn zur Aufgabe - und damit dazu, dem Einzel nicht nur leise, sondern auch kampflos Servus zu sagen.

Melzer hatte zu Mittag noch einen Sponsorentermin absolviert, sein Zustand hat sich laut Turnierdirektor Herwig Straka danach aber rapide verschlechtert. "Er war gerade beim Doktor und hat nicht einmal gerade stehen können. Er ist wirklich schlecht beieinander", berichtete Straka, der Melzer auch eine Ehrung zum Abschied hatte zuteil lassen werden wollen. Ob dies in den kommenden Tagen nachgeholt werden kann, stand am Mittwoch noch nicht fest.

Dabei hätte sich der Niederösterreicher einen würdigen Abschied verdient. Nach der Ära Thomas Musters und vor jener Dominic Thiems war es jahrelang er, der die rot-weiß-roten Fahnen im Welttennis hochgehalten hatte. Er ist Österreichs Rekordspieler im Daviscup, er gewann Wimbledon bei den Junioren und weitere Grand-Slam-Titel im Doppel sowie im Mixed, stand im Einzel bei den French Open in Paris 2010 im Halbfinale und im Jahr darauf auf Platz acht der Weltrangliste. Und er ist der bis dato letzte heimische Sieger in der Wiener Stadthalle: 2009 und 2010 holte er jeweils den Titel.

Dass er das diesmal würde wiederholen können, war von Anfang an nicht zu erwarten gewesen, vielmehr ruhten die Hoffnungen schon vor Turnierbeginn auf Dominic Thiem. Der Niederösterreicher, dessen Trainingspartner Dennis Novak am Mittwoch in der ersten Runde gegen den starken Russen Karen Chatschanow mit 3:6, 5:7 verlor, bekommt es am Donnerstag (nicht vor 17 Uhr/ORF Sport+) mit Sam Querrey zu tun.

Thiem ist als Weltranglistensiebenter zwar der Papierform nach klarer Favorit gegen den um 49 Plätze schlechter platzierten US-Amerikaner, wird aber gegenüber seinem 7:5, 7:6-Erfolg über Ruben Bemelmans eine Steigerung brauchen. Vor allem mit dem Return hatte der Niederösterreicher gegen den belgischen Qualifikanten so seine Probleme - das könnte sich gegen den starken Aufschläger Querrey rächen. "Der Aufschlag ist richtig, richtig gut. Und beim Return riskiert er viel, das kann ihm teilweise aufgehen", meint Thiem. "Das wird tough für mich."

Freilich lange nicht so "tough" wie ein krankheitsbedingtes Aus beim letzten (Einzel-)Turnier einer großen Karriere.