Der Bau der Piste hatte knapp stolze 78 Millionen Euro gekostet. Die Entscheidung über ihren Verbleib steht jedoch ein Jahr nach den Spielen noch immer aus: Die Lokalregierung von Gangwon möchte Jeongseon touristisch nutzen, die Zentralregierung in Seoul hält bislang an ihrem Versprechen fest, die Strecke wieder aufzuforsten. Dass hier ein Alpin-Mekka entstehen kann, wirkt jedoch fraglich: Jeongseon liegt weit abgeschlagen, zudem hält sich die Begeisterung der Koreaner für Skisport in Grenzen.

Auch im Austragungsort Pyeongchang, nur eine halbe Autostunde entfernt, ist der von der Regierung prophezeite Wintersport-Boom bislang ausgeblieben. Einst ein verschlafenes Dorf in einer abgelegenen und wirtschaftlich abgehängten Region, sind in Pyeongchang zu den paar Restaurants und Ski-Verleihern seit den Winterspielen mehrere Hotelanlagen und Apartmentsiedlungen hinzugekommen. Von olympischer Stimmung ist jedoch ein Jahr nach dem Großereignis nichts mehr zu spüren.

"Es hat sich eigentlich nichts verändert - weder zum Guten noch zum Schlechten. Die Anzahl an Ski-Gästen ist im Vergleich zu den Vorjahren gleich geblieben", sagt der Ski-Verleiher Kim Yang-seob: "Vor allem ist im Grunde nichts von Pyeongchang 2018 über geblieben. Wenn Touristen hier ankommen, suchen sie meist zuerst nach olympischen Orten zum Sightseeing, aber werden letztlich enttäuscht, weil sie nichts finden können".

Ein Streifzug durch die Ortschaft gibt dem Mittfünfziger recht: Das temporäre Stadion für die Eröffnungszeremonie ist nur kurz nach der Schlussfeier der Spiele abgerissen worden - eine kostengünstige wie gleichsam umweltverträgliche Lösung. Auf dem Gelände erinnert nun eine überlebensgroße, steinerne Statue in Form einer Olympischen Fackel als einziges Wahrzeichen an Pyeongchang 2018. Die Skisprungschanze, nur einen Steinwurf entfernt, steht verlassen in der Landschaft herum.

Der Hochgeschwindigkeitszug bleibt als positives Erbe

Wer sich in den Wirtshäusern und Cafés von Pyeongchang nach dem Vermächtnis von Olympia erkundigt, erhält gemischte Reaktionen. Auf einen positiven Effekt der Spiele, die insgesamt 14 Milliarden Dollar verschlungen haben, können sich jedoch fast alle Anwohner einigen. Er ist schneidig geschnitten, elegant in der Form und kommt auf zwei Schienen daher: Durch 34 Tunnel entlang des Taebaek-Gebirges verbindet der Hochgeschwindigkeitszug KTX die Hauptstadt Seoul mit der einst abgelegenen Westküste. Eine Strecke, die vorher fast sechs Stunden in Anspruch nahm, dauert nun nur mehr ein Drittel der Zeit. Über viereinhalb Millionen Passagiere hat der KTX im letzten Jahr bereits befördert.

Immobilienmakler Hong Song-yeol von der Küstenstadt Gangneung, dem zweiten Austragungsort der Spiele, hat ungemein von der Zuganbindung profitiert. Er führt durch das einstige olympische Dorf, in dem vor einem Jahr Athleten und angereiste Journalisten gehaust haben. Neun schnörkellose Apartmentblocks mit 28 Stockwerken, die wie Dominosteine in die hügelige Landschaft ragen. "Die Immobilienpreise in der Gegend sind um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die 3500 Wohneinheiten im olympischen Dorf sind alle längst verkauft", sagt Herr Hong. In einer von ihnen polieren zwei Frauen mit Haarnetz und Gummihandschuhen die Schwankwände und Fensterscheiben. Morgen sollen die neuen Käufer einziehen. "Die meisten meiner Kunden sind wohlhabende Senioren aus Seoul, die der dortigen Feinstaubbelastung entfliehen wollen. Hier haben sie saubere Luft, die Berge und das Meer vor der Haustür", sagt er. Und dank des neuen KTX ist die Hauptstadt nur noch zwei Stunden entfernt.