Die olympische Bewegung geriert sich gerne als "Familie". Doch auch in Familien soll es schon einmal handfesten Streit geben, nicht nur, aber auch, wenn es ums Geld geht. Insofern kamen die Differenzen der vergangenen Tage nicht allzu überraschend. Seit die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr unausweichlich geworden ist, ranken sich die Diskussionen um die Frage, wer für die dadurch entstehenden Zusatzkosten aufkommen wird. Nach Spekulationen in den Medien sahen sich die Veranstalter nun bemüßigt, eine Klarstellung abzugeben: Demnach werde Gastgeber Japan "seinen Anteil" übernehmen. Tokios Gouverneurin Yuriko Koike erklärte am Dienstag, die japanische Regierung, die Stadtregierung von Tokio und die Olympiaorganisatoren prüften, wie sie die zusätzlichen Kosten handhaben.

Koike nahm damit Bezug auf eine am Vortag vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abgegebene Erklärung, wonach Japans Regierungschef Shinzo Abe zugestimmt habe, den eigenen Anteil an den Kosten gemäß Auflagen zu tragen. Japanische Medien hatten dies zunächst so dargestellt, als übernehme Japan alle anfallenden Zusatzkosten. Ein Regierungssprecher in Tokio dementierte dies aber.

Eröffnung für 23. Juli 2021 geplant

Abe habe zugestimmt, dass Japan weiterhin die Kosten decke, wie es Japan gemäß der Auflagen der bestehenden Vereinbarung für 2020 getan habe, heißt es in auf der Webseite des IOC. "Und das IOC wird weiter verantwortlich für seinen Anteil der Kosten sein." Für das IOC sei dabei klar, dass sich dieser Betrag auf "mehrere Hundert Millionen Dollar an Zusatzkosten belaufen wird". Es gibt Schätzungen, wonach sich die Extra-Kosten auf rund 300 Milliarden Yen (2,56 Milliarden Euro) belaufen.

Die Sommerspiele in Tokio sollten eigentlich vom 24. Juli bis 9. August ausgetragen werden, waren aber wegen der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr verschoben worden. Neuer Eröffnungstermin ist der 23. Juli 2021. Doch auch dieses Datum könnte noch wackeln - dann nämlich, wenn es auch im kommenden Jahr eine Coronavirus-Welle, aber womöglich noch keinen Impfstoff geben wird. Doch daran will derzeit weder das IOC, noch Japan denken. (art/apa/dpa)