Wenige Monate vor den geplanten Olympischen Spielen in Tokio ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in der japanischen Hauptstadt auf einen Rekord gestiegen. Erstmals wurden binnen eines Tages mehr als 2.000 Fälle registriert, wie japanische Medien am Donnerstag berichteten. Erst am Vortag war die Zahl erstmals über die Marke von 1.500 Fällen geklettert. Das nährt die Zweifel daran, dass die Sommerspiele wie geplant im Sommer stattfinden können. Bei der Bevölkerung ist die Sorge groß - auch wenn das IOC unter der Führung von Präsident Thomas Bach und die Organisatoren daran festhalten wollen und sichere Spiele versprechen.

Noch am Donnerstag wollte Japans Regierungschef Yoshihide Suga über die erneute Ausrufung des Notstands für den Großraum Tokio entscheiden. Es wird erwartet, dass er rund einen Monat dauert - die Vorbereitungen für die Sommerspiele sollen aber fortgesetzt werden, hatte Suga zu Wochenbeginn gesagt.

Kein harter Lockdown

Japan hatte zuletzt im April vergangenen Jahres für Tokio den Ausnahmezustand aufgerufen, der später auf das ganze Land ausgeweitet und Ende Mai wieder aufgehoben worden war. In jüngster Zeit sind die Infektionszahlen jedoch wieder stark angestiegen, vor allem im Großraum Tokio. Es besteht zunehmend die Sorge vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Suga deutete an, dass der Ausnahmezustand diesmal begrenzter und fokussierter als der erste ausfallen könnte. So sollen Restaurants und Bars bereits ab 19 Uhr keinen Alkohol mehr ausschenken und um 20 Uhr schließen. Die Bürger sollen zudem möglichst zu Hause bleiben, vor allem nicht nach 20 Uhr ausgehen.

Einen harten Lockdown hat es in Japan zu keinem Zeitpunkt gegeben. Rechtlich bindend waren die Aufforderungen der Behörden bisher nicht, stattdessen setzt man auf Freiwilligkeit. Die meisten Bürger des 127-Millionen-Landes tragen zwar Mund- und Nasenschutz. Doch waren Einkaufszonen im Vorfeld der Neujahrsfeiertage sowie Schreine zu Neujahr überfüllt. Auch benutzen viele Menschen weiter die Bahnen, andere amüsieren sich in Tokios nächtlichen Amüsiervierteln in Bars. (apa/dpa/red)