Dass Österreich von einer Weltmeisterschaft in einer Sommersportart zwei Medaillen heimbringt, ist eher selten. Dem österreichischen Leichtathletik-Verband (ÖLV) gelang 2019 dieses Kunststück. Deshalb gelten der Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger und die Siebenkämpferin Verena Preiner, die damals in Doha Bronze holten, als große Hoffnungen für die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer. In einem Atemzug mit ihnen ist Ivona Dadic zu nennen, die im Siebenkampf auch schon bei internationalen Meisterschaften Edelmetall gewann. Fix für Olympia qualifiziert sind noch die Marathonläufer Peter Herzog und Lemawork Ketema, die das Limit von 2:11:30 Stunden erbracht haben.

ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler ist gerade mit Weißhaidinger, den er persönlich betreut, von einem Trainingslager auf Teneriffa heimgekehrt. "Wir sind immer am Limit", berichtet er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Für das Training hat der diplomierte Maschinenbauer spezielle Geräte gebaut. Denn Weißhaidinger hat eine geringere Armspannweite als seine Konkurrenten und muss dies mit einer eigenen, riskanteren Technik, die eine höhere Abwurfgeschwindigkeit ermöglicht, ausgleichen.

Auch Verena Preiner, Österreichs Aufsteigerin des Jahres, 2019 . . . - © apa / Herbert Pfarrhofer
Auch Verena Preiner, Österreichs Aufsteigerin des Jahres, 2019 . . . - © apa / Herbert Pfarrhofer

Wer könnte noch auf den Olympia-Zug aufspringen? Högler gibt vier Damen (Sarah Lagger, Beate Schrott, Victoria Hudson, Eva Wutti) und drei Herren (Andreas Vojta, Timon Theuer, Valentin Pfeil) gute Chancen. Das neue Qualifikationssystem sieht für jeden Bewerb eine exakte Teilnehmerzahl vor. Der Weltverband IAAF setzt bewusst sehr hohe Limits an, die nur wenige Athleten schaffen, und füllt dann das Starterfeld mit jenen Sportlern auf, die im Ranking am besten platziert sind. Dabei spielen Bonuspunkte für gutes Abschneiden bei hochwertigen Veranstaltungen eine wichtige Rolle. Da jedes Land maximal drei Sportler in einer Disziplin stellen darf, fallen etliche Konkurrenten - etwa im Marathon viele Kenianer und Äthiopier - weg.

. . . und Ivona Dadic, Österreichs Sportlerin des Jahres 2020, dürfen sich Chancen ausrechnen. - © apa / Hans Punz
. . . und Ivona Dadic, Österreichs Sportlerin des Jahres 2020, dürfen sich Chancen ausrechnen. - © apa / Hans Punz

Ende März lag Beate Schrott, die 2012 sogar im Olympia-Finale stand, im bereinigten Welt-Ranking (nur die besten Drei jedes Landes finden darin Eingang) über 100 Meter Hürden auf Rang 49 - zur Vergabe gelangen 40 Startplätze. Im Speerwerfen gilt es für Victoria Hudson (Bestleistung 61,00 m - Limit 64,00 m), von Platz 40 unter die besten 32 vorzustoßen. Der Läufer Andreas Vojta müsste sich über 5000 Meter (BL 13:24,03 - Limit 13:13,50) von Platz 62 auf zumindest Rang 42 verbessern.

Die junge Mehrkämpferin Sarah Lagger (Jahrgang 1999), 2016 sensationell U20-Weltmeisterin, kämpft am 24. und 25. April in Lana in Südtirol um ihr Tokio-Ticket (BL 6225 Punkte - Limit 6420). Sie war zuletzt 37. im bereinigten Ranking, im Siebenkampf gibt es nur 24 Startplätze. Laggers Saisonziel ist aber, so Högler, eine Medaille bei der U23-Europameisterschaft Mitte Juli in Schweden, erst dann die Olympiateilnahme.

Ein Luxusproblem?

Die Qualifikation endet am 28. Juni, nur im Marathon, in dem jetzt neue Carbon-Platten in den Schuhen die Bestleistungen purzeln lassen, bereits einen Monat früher. Das Marathon-Team war bisher von viel Pech, darunter einem folgenreichen falschen Corona-Test in Valencia, verfolgt. Aufgrund der Pandemie bieten nur wenige Elite-Marathons die Chance zur Qualifikation. Am 11. April geht Valentin Pfeil (BL 2:12:55), der kürzlich in Dresden unglücklich stürzte, in Siena auf das Limit los. Marathon-Neuling Timon Theuer, der 2020 eine glänzende Halbmarathonzeit (1:02:34) lief, sollte am gleichen Tag in einem Weltklassefeld in Hamburg starten. Doch dieser Marathon wurde gerade um eine Woche an einen noch unbekannten Ort (eventuell sogar Wien) verlegt. Sollten Pfeil und Theuer das Limit schaffen, hätte Österreich allerdings ein Luxusproblem, nämlich vier qualifizierte Marathonläufer, und müsste einen davon daheimlassen. Eva Wutti, die im Dezember 2020 in 2:30:43 den österreichischen Marathon-Rekord von Andrea Mayr egalisierte und zuletzt erkrankt war, strebt nun am 25. April in Bernöwe bei Berlin das Limit von 2:29:30 an.

Für alle Olympia-Kandidaten kämpft Högler um eine rasche Anti-Covid-Impfung. Es zeichne sich eine Lösung ab, meint er und sagt: "Alle unsere Gegner sind schon durchgeimpft."