Ein im Mai geplanter Japan-Besuch von IOC-Chef Thomas Bach vor den Olympischen Spielen in Tokio ist wegen des Corona-Notstands in Japan verschoben worden. Das gaben die japanischen Organisatoren am Montag bekannt. "Angesichts der Verlängerung des Ausnahmezustands in der vergangenen Woche und verschiedener Umstände wurde der für den 17. und 18. Mai geplante Besuch des IOC-Präsidenten Bach in Japan verschoben", heißt es in einer Stellungnahme.

Man werde die Corona-Situation in Japan und andere relevante Faktoren weiter beobachten und Bachs Besuch "so bald wie möglich" neu arrangieren. Japan hat den Notstand für Tokio und weitere Regionen wegen steigender Infektionen bis 31. Mai verlängert. Medienberichten zufolge hatte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees geplant, unter anderem in Hiroshima an einer Zeremonie während des Fackellaufs teilzunehmen sowie Ministerpräsident Yoshihide Suga zu treffen,

Trotz der weiter besorgniserregenden Corona-Lage in Japan und vielen anderen Ländern betonen das IOC und Tokios Olympia-Macher unermüdlich, die um ein Jahr verlegten Sommerspiele im Juli und August "sicher" austragen zu wollen. Suga bekräftigte dies am Montag. Japans Olympia-Macher, für die es um Gesichtswahrung und viel Geld geht, und das IOC haben jedoch immer wieder betont, dass die Spiele wie geplant und für alle "sicher" veranstaltet werden.

59 Prozent für eine Absage

Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage der konservativen japanischen Tageszeitung "Yomiuri Shimbun" sind 59 Prozent der Befragten aber für eine Absage der Spiele. 23 Prozent sagten, die Spiele sollten ohne Zuschauer stattfinden. 16 Prozent waren der Meinung, die Zahl der Zuschauer sollte begrenzt werden. Ausländische Fans haben die Organisatoren der Spiele bereits ausgeschlossen. Die Frage der Zulassung inländischer Zuschauer wollen sie erst im Juni beantworten.

Einen Dämpfer gab es am Montag freilich auch in der Durchführung des Olympischen Fackellaufes, dieser muss voraussichtlich erneut von öffentlichen Straßen verbannt werden. Der Gouverneur der westlichen Präfektur Okayama, Ryuta Ibaragi, wurde mit den Worten zitiert, es sei so gut wie unmöglich, den Fackellauf wie geplant in der kommenden Woche in den beiden größeren Städten Okayama und Kurashiki abzuhalten. Dass Fackelläufer durch andere Städte der Präfektur laufen, sei ebenfalls schwierig.

Suga unter Druck

Okayama wäre die zweite Präfektur, in der der Fackellauf nicht stattfinden kann. Zuvor hatte bereits die Präfektur Fukuoka im Südwesten des Inselreichs den Lauf abgesagt. In der Präfektur Osaka mussten die Läufer zudem auf einen leeren Park ausweichen, wo sie einsam ihre Runden drehten.
IOC-Vize John Coates hatte am Samstag eingeräumt, dass die öffentliche Meinung in Japan "ein Grund zur Besorgnis" sei, er sich aber nicht vorstellen könne, dass die Spiele nicht ausgetragen werden. Der politisch zunehmend unter Druck stehende Suga will nichts von einer Absage der Spiele wissen. "Wir werden unser Bestes tun, um das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen und ein sicheres Sportfest zu realisieren", sagte er am Montag im Parlament.

Er reagierte damit auf Forderungen der Opposition, die Spiele nochmals zu verschieben oder gleich ganz abzusagen. Es sei nicht miteinander vereinbar, das Leben der Menschen schützen zu wollen und zugleich Olympische Spiele zu veranstalten, sagte Yukio Edano von der Konstitutionell-Demokratischen Partei. Eine Entscheidung könne nicht länger aufgeschoben werden.
Suga steht wegen seines Umgangs mit der Coronakrise, Bestechungsskandalen und seinem Festhalten an den Olympischen Spielen innenpolitisch zunehmend unter Druck. Ein halbes Jahr vor der turnusmäßigen Parlamentswahl hatte seine regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) kürzlich drei wichtige regionale Nachwahlen verloren.

Eine an IOC-Präsident Thomas Bach und Suga gerichtete Online-Petition zur Absage der Olympischen Spiele wurde bis zum Montag bereits von mehr als 315.000 Menschen unterzeichnet. Sie war vom japanischen Anwalt Kenji Utsunomiya initiiert worden und trägt die zentrale Forderung im Titel: "Sagen Sie die Olympischen Spiele in Tokio ab, um unser Leben zu schützen". (apa/dpa/reuters)