Tanja Frank war - gemeinsam mit ihrem damaligen Segel-Partner Thomas Zajac - die letzte. Die bisher letzte Medaillengewinnerin Österreichs bei Olympischen Sommerspielen nämlich. Und sie wird auch die erste sein. Denn gemeinsam mit ihrem Ex-Partner Zajac wird sie beim Einmarsch der Nationen am 23. Juli die rot-weiß-rote Flagge hochhalten. Frank selbst steht für die Segler und Seglerinnen, die immer für österreichische Medaillen gut sind. Bei den jüngsten Olympischen Spielen war Österreich nicht unbedingt gesegnet damit, 2012 waren die Entsandten des österreichischen olympischen Komitees gar mit null Mal Edelmetall heimgekehrt. Eine Diskussion, welche Versäumnisse es in der heimischen Sportpolitik gibt - und wo diese gar nicht einschreiten soll, weil Medaillengewinne nun einmal nicht volkswirtschaftlicher Auftrag seien, vielmehr aber gesundheitlicher Nutzen - kam in Gang. Zu wirklichen Ergebnissen hat sie bis jetzt nicht geführt. Immerhin aber versuchen sich in Tokio 75 Teilnehmerinnen (mehr Frauen als Männer) und Teilnehmer in dem großen Ziel, eine Medaille zu gewinnen.

Neben den Seglern, die in den vergangenen Jahren zu den verlässlichsten Medaillenlieferanten gezählt haben, gehören diesmal aber auch die Leichtathleten zu den Anwärtern auf Edelmetall. Diskuswurf-Ass Lukas Weißhaidinger ist ebenso für eine Überraschung gut wie Ivona Dadic und Verena Preiner im Siebenkampf.

Lukas Weißhaidinger. - © apa / Fohringer
Lukas Weißhaidinger. - © apa / Fohringer

Auch im Rudern darf sich Österreich berechtigte Medaillenhoffnungen machen: Magdalena Lobnig fühlt sich nicht nur bereit für den großen Coup, sondern in dem erwartungsgemäß welligen Wasser in Japan auch wohl.

Magdalena Lobnig. - © apa / Fohringer
Magdalena Lobnig. - © apa / Fohringer

Drei Medaillen hat Karl Stoss, Präsident des österreichischen olympischen Komitees, als Ziel ausgegeben, angesichts der Corona-Umstände müsse man dies nun aber relativieren, sagt Stoss. Selbstverständlich gelte für alle das Gleiche - allerdings gehe es eben nicht mehr nur darum, am Tag X seine beste Leistung abzurufen, sondern auch, sich von den Umständen nicht in die Knie zwingen zu lassen. "Für mich wird das sicher das Anspruchsvollste für jeden Einzelnen, der dorthin reist. Wem gelingt es am besten, diese Nebensächlichkeiten, die aber ganz wichtig sind, weil sie im Mittelpunkt stehen, völlig auszublenden und sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren? Und nicht diese Rahmenbedingungen zu bejammern oder sich stören zu lassen? Deshalb haben wir auch ein relativ großes Team, das möglichst viel abwehren soll. Aber jeder Einzelne muss sich der Herausforderung stellen", erklärte der ÖOC-Präsident im Interview mit der Austria Presse Agentur.

Dies sei freilich auch wirtschaftlich bedeutsam. "Das ist enorm lebenswichtig", bestätigt Stoss. "Das ist auch einer der wesentlichen Gründe, warum wir uns alle so freuen, dass sie jetzt tatsächlich stattfinden. Denn auch das IOC lebt natürlich in erster Line von den Einnahmen aus den Übertragungsrechten und großen Sponsorenverträgen. Alle diese Einnahmen, die das IOC lukriert, gehen über neunzig Prozent an die Nationalen Olympischen Komitees und an die internationalen Fachverbände und zum Teil an einzelne Sportler über Solidarity. Täglich sind das 2,4 Millionen Euro, die aus dem IOC zurück in den Sport fließen. Für kleinere Sportfachverbände ist das schon existenziell, was da kommt oder eben nicht kommt. Deshalb ist es für uns aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten so wichtig, dass es stattfindet. Jetzt kommt das in dichter Reihenfolge, aber es fließen dann hoffentlich auch die Einnahmen dichter. Weil wir nach Ende der Tokio-Spiele sechs Monate später schon wieder in Peking stehen. Und in drei Jahren schon in Paris. Es kommt Schlag auf Schlag."

Insgesamt hat Österreich - mit Ausnahme der Zwischenspiele und der Kunstbewerbe - bisher 90 Medaillen bei Sommerspielen geholt. Die Hoffnung lebt, dass diesmal eine oder gar mehrere dazukommen. Stoss ist angesichts der Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren zuversichtlich: "Wir glauben, es fruchtet, es greift. Es ist noch ein weiter Weg, es ist noch viel zu tun, aber ich bin viel positiver gestimmt als noch vor vier Jahren." (apa/art)