Die Sorgenfalten der Olympia-Veranstalter werden vor der Eröffnungszeremonie am Freitag immer größer. Nachdem bereits zwei Sportler im Athletendorf positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, wurde am Montag der dritte Infektionsfall vermeldet. Betroffen sei laut dem Nationale Olympische Komitee der tschechische Beachvolleyballspieler Ondrej Perusic. Dabei hatte das olympische Dorf am Vormittag noch vermeldet, dass es nach den ersten beiden Fällen keine weitere Neuinfektion gäbe. Trotz keiner Krankheitssymptome muss sich Perusic nun in ein eigenes Hotel, das für positive Fälle bestimmt ist, in Quarantäne begeben. Die Olympischen Spiele sind somit für ihn vorbei, noch bevor sie begonnen haben.

Ernüchterung in der Politik

Auch politisch dürften diese Spiele keine Entspannung bringen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in, der mit Japan eine angespannte Beziehung führt, sprach sich am Montag nach langer Überlegungszeit gegen einen Besuch der Olympischen Spiele im Nachbarland aus. Somit ist auch das geplante Treffen zwischen Moon und dem japanischen Regierungschef Yoshihide Suga hinfällig. Im Vorfeld hatten Aussagen eines japanischen Diplomaten zu Moons Annäherungsversuchen für noch mehr Misstrauen zwischen den Ländern gesorgt. Die Beziehung der beiden leidet seit dem Disput um die Entschädigung koreanischer Zwangsarbeiter während der japanischen Kolonialherrschaft in Korea (1919 bis 1945) und wegen eines Handelsstreits zunehmend. Die südkoreanische Regierung hoffe dennoch, dass Tokio sichere und erfolgreiche Olympische Spiele ausrichten werde.

Topsponsor geht auf Distanz

Ein weiterer prominenter Boykotteur dieser Spiele ist der japanische Autokonzern Toyota, der für das Event Topsponsor gewesen wäre. Man werde keine vorbereitenden Werbespots auf die Spiele mehr ausstrahlen lassen, hieß es in einer örtlichen Medienmittelung am Montag. Eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier am 23.Juli schieße man ebenfalls aus. Der Rückzug einer der wichtigsten Sponsoren der Spiele ist für die Organisatoren die nächste bittere Nachricht. Schließlich ist Toyota eines von rund 60 japanischen Unternehmen, die für die Rekordsumme von insgesamt mehr als drei Milliarden Dollar mitverantwortlich gewesen wären. Aufgrund der zahlreichen Pannen und Gegenstimmen stoße man bezüglich dieser Spiele auch bei Toyota auf großes Unverständnis.

Komponist gibt vor Zeremonie Rückzug bekannt

Der jüngste Skandal dreht sich um den Komponisten für die Eröffnungsfeier. Der Japaner Keigo Oyamada ist wegen Mobbings von behinderten Kindern in seiner Schulzeit zurückgetreten. Das verkündete der 52-Jährige am Montag. Zuvor hatte schon ein früherer Bericht Oyamadas, in dem er vom Mobbing in seiner Schulzeit erzählt hatte, eine Kontroverse gesorgt. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Komponist dazu gezwungen gesehen, sich dafür zu entschuldigen, behinderte Kinder gemobbt zu haben. "Ich habe mit meinen Worten und Taten zweifellos andere verletzt", schrieb er auf Twitter. Es tue ihm zutiefst leid. Er hätte vielleicht das Angebot, bei Olympia mitzuarbeiten, von Anfang an ablehnen sollen, schrieb er. (apa/dri)