Rudern verfügt in Österreich über eine gewisse Tradition. 1863 wurde der erste Wiener Ruderclub LIA gegründet, schon 1928 holten Leo Losert und Viktor Fessl mit Bronze in Amsterdam die erste von bisher zwei Olympia-Bronze-Medaillen, zweimal gab es für den heimischen Ruderverband auch Silber, dazu Spitzenplätze im Weltcup, bei Welt- und Europameisterschaften. Die goldene Ära der Sportart in Österreich, wo sich auch international anerkannte Regattenstrecken in Wien und in Ottensheim bei Linz befinden, ist zwar vorbei, die Hoffnung auf eine Medaille aber vorhanden.

Sie wird vor allem von Magdalena Lobnig getragen, der Europameisterin von 2016, zweifachen WM-Dritten (2017, 2018) und Olympia-Sechsten von Rio 2016. Und genau sie ist quasi auch die Vorhut der anderen österreichischen Olympia-Teilnehmerinnen, sie startet schon in der Nacht auf Freitag (3.10 Uhr MESZ) in ihren Vorlauf im Einer. Druck will sich die 31-Jähriger deshalb aber - noch - nicht machen. Spannungs- und Formaufbau sollen genau kalkuliert sein. Denn das Finale findet erst in einer Woche statt, dazwischen liegen neben den Hoffnungsläufen Viertel- und Semifinale. "Es ist schon so geplant, dass sie nicht im Vorlauf in Topform ist, sondern im Finale", erklärt Lobnigs Trainer Kurt Traer. Bis zum Viertelfinale erwartet er keine allzu harten Gegnerinnen und keine zu fordernden Rennen. "Wir brauchen die Tage bis zum Halbfinale für die Zeitumstellung und die Akklimatisierung."

Schwierige Bedingungen

Ein Spielverderber am Freitag könnte allerdings das Wetter sein. Denn da werden über Prognosen Winde mit bis zu 23 Knoten angesagt. Wenn, dann wäre die Fairness infrage gestellt. Da aber könnte ein Zeitfahren Abhilfe schaffen. "Das kommt in den Vorläufen zum Tragen, wenn die Bedingungen so unfair sind, dass sie nicht auf allen Bahnen gleich sind", erklärt Traer. Das hält Lobnig für den Bewerbsauftakt für absolut möglich. "Es ist ein ordentlicher Seitenwind, es ist aber mehr Wind wie Welle", sagt die 31-Jährige nach den ersten Trainingseindrücken zur Austria Presse-Agentur. "Es ist ganz komisch. Sie haben versucht, mit Wellenbrechern die Welle kleiner zu machen. Es schaut auch gar nicht wellig aus. Aber es ist eine latente Welle drinnen, dadurch ist es ziemlich wackelig. Man driftet immer auf Backbord ab. Es ist schon unangenehm zu rudern." Zu sehr möchte sich die Kärntnerin damit aber nicht beschäftigen, auch wenn schwierige Bedingungen aufgrund ihres Gefühls für sie zum Vorteil werden könnten. "Ich will mich auf mich konzentrieren und schauen, dass ich mit der Strecke zurechtkomme." Und zwar in jenem Boot, mit dem sie Ende April in Zagreb ihren bisher letzten Weltcupsieg gefeiert hatte. Wochen später war sie in einem älteren Modell in Luzern zu sehen, wo sie noch Aufschlüsse mitnehmen konnte. "Da bin ich am 500er mit der Schlagzahl zu früh abgefallen", erläutert Lobnig. Daher lag der Fokus im Training darauf, das wettzumachen. "Damit ich hinten im Endspurt meine Stärke ausspielen kann. Sonst muss ich zu viel aufholen." Laut Traer habe das viel mit Selbstvertrauen zu tun. "Magdalena hat jetzt gut trainiert, weiß, sie ist in Form und traut sich zu, mit ihrer Schlagzahl weiterzufahren." Richtig wichtig werde das im Semifinale sein, wenn sie auf die härteren Rivalinnen trifft. Nationaltrainer Robert Sens weiß, was da auf Lobnig wartet: "Bei den Frauen gibt es keine härtere Bootsklasse als den Einer. Es werden harte Rennen. Aber Magdalena ist gut in Form" - und die Hoffnung da, dass es 61 Jahre nach der bisher letzten österreichischen Medaille wieder einmal scheppert.(art/apa)