Während es bei den jüngsten Olympischen Spielen 2016 in Rio nur vier weitere Goldmedaillen zu gewinnen gab, damals kamen Golf und 7er-Rugby für Männer und Frauen dazu, geht es in Tokio gleich um zehn neue Goldpreise. Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen sind Neulinge bei Olympia, mit Baseball (für Männer) und Softball (für Frauen) kommen zwei Bewerbe zurück, die nach ihrem bisher letzten Auftritt 2008 in Peking aus dem Programm gestrichen wurden. Andere Sportarten wurden in ihren Kategorien ausgeweitet, beispielsweise wird im Basketball das 3×3-Format ausgetragen, in Disziplinen wie Leichtathletik (4 × 400 m), Tischtennis (Doppel) und Triathlon gibt es Mixed-Wettkämpfe, und im Boxen werden die Gewichtsklassen bei den Frauen erweitert. Insgesamt werden 339 Goldmedaillen vergeben. Im Vergleich, 2016 waren es 23 weniger (306).

Die Einführung beziehungsweise Rückkehr dieser Disziplinen begründeten die Olympia-Verantwortlichen damit, dass man wieder mehr junge Menschen für die Spiele begeistern möchte. Schließlich seien Skateboarden und Surfen etwas für "hippe" und "coole" Leute. Außerdem wollte man ein attraktives Angebot bestehend aus den klassischen und modernen Sportarten schaffen. Dabei wissen die Surfer selbst nicht genau, warum ihr Sport plötzlich olympisch ist. Ihr Lifestyle sei immerhin mit viel Lockerheit und eher antiathletischen Elementen verbunden, was normalerweise nicht die Kernbotschaft der Olympischen Spiele ist. Dennoch hilft es Athleten, sich durch ein Antreten als Olympia-Teilnehmer bezeichnen zu können. Demnach gibt es deutlich mehr Förderungen und Strukturchancen für den Sport und die Sportler selbst, vom Prestige ganz zu schweigen.

Bei einer Umfrage vor Turnierstart, in der es darum ging, für welchen Sport sich die Menschen interessierten, landeten diese neuen, modernen Sportarten im hinteren Mittelfeld. Vorne waren die altbewährten Disziplinen Leichtathletik, Schwimmen und Turnen.

Heimspiel für Nationalsport

Karate gesellt sich als fünfte Kampfsportart bei den Spielen neben Judo, Ringen, Boxen und Fechten dazu. Knapp 50 Jahre ist es her, seit sich die französische Karate-Ikone Jacques Delcourt für den über 700 Jahre alten Kampfsport aus Japan bei Olympia stark machte. Ein halbes Jahrhundert später hat es eine der Nationalsportarten Japans nun ausgerechnet zu den Heimspielen in Tokio geschafft. Mit acht Medaillenentscheidungen startet der Karatesport gleich mit einem dichten Programm in die lang herbeigesehnten Wettkämpfe. Männer und Frauen kämpfen in jeweils zwei Gewichtsklassen (bis 67 kg, bis 75 kg, ab 75 kg bzw. bis 55 kg, bis 61 kg und ab 61 kg). Innerhalb dieser Klassen treten die Athleten im Kumite-Stil gegeneinander an, also in Vollkontakt-Kämpfen. Diese werden in einem Punktesystem entschieden, wobei vorgetragene Aktionen (Tritt oder Schlag auf ein Körperteil) diese Punkte einbringen. Die zweite Disziplin ist das Kata, wo der Karateka seine individuellen Skills einzeln vortragt. Diese Kategorie wird von einer Jury ebenfalls anhand von Punkten entschieden. In den Karate-Wettbewerben von 5. bis 7. August tritt mit Bettina Plank auch eine Österreicherin in der Kumite bis 55 kg-Gewichtsklasse an.

Die "hippen" Disziplinen

Skateboarden erlebt aktuell wieder einen Aufschwung. Nachdem das "Skaten" schon in den 80ern ein Massenphänomen war, verflachte die Begeisterung in den 2000ern ein wenig. Doch in den vergangenen zwei bis drei Jahren wagen sich wieder mehr Menschen auf das rollende Brett, in weiten Teilen Österreichs wurde aufgrund von Lärmbelästigung sogar ein Skate-Verbot verhängt. Dementsprechend lange lief der Sport dem grünen Licht des Olympiakomitees hinterher. Dank der Ambitionen, die Spiele moderner zu machen, werden in Tokio nun vier Medaillenentscheidungen im Skateboarden ausgetragen. Männer und Frauen stellen ihr Können zuerst auf den Rampen im klassischen Park unter Beweis, ehe die zweiten Bewerbe als "Street Skateboarding" im urbanen Gelände über die Bühne gehen. Bei beiden Versionen wird nach Punkten für die gezeigten Tricks der Athleten bewertet. Snowboard-Legende Shaun White (3 mal Gold bei Olympischen Winterspielen) konnte sich knapp nicht für den Skateboard-Bewerb qualifizieren. Für Österreich ist die Wiener Julia Brückler am Start.

Skateboard soll die Olympischen Spiele als neue Disziplin moderner machen. - © afp / Wikus de Wet
Skateboard soll die Olympischen Spiele als neue Disziplin moderner machen. - © afp / Wikus de Wet

Dem Surfsport geht es, wie oben erwähnt, mehr um die Fördermöglichkeiten, die sich durch Olympia ergeben, als darum, einen athletischen Eindruck zu hinterlassen. Sowohl die Männer als auch die Frauen machen sich die Medaillen im Shortboard (kurzes Brett) untereinander aus. Wie beim Skateboard geht es hier um die Tricks, welche die Surfer in knapp 25 Minuten auf den Wellen zeigen können. Österreicher sind nicht dabei.

Medaillen für Österreich?

Der Klettersport musste sich dem IOC (Internationales Olympisches Komitee) erst beweisen. Groß war der Jubel, als Sportklettern 2016 für die Spiele in Tokio als neue olympische Disziplin verkündet wurde. Von 3. bis 6. August werden bei Männern und Frauen zwei Einzelwettkämpfe stattfinden. Das Format nennt sich "Olympische Kombination" und setzt sich aus den drei Kletterformen Speedklettern, Bouldern und Schwierigkeitsklettern zusammen. Hier hat Österreich mit Jakob Schubert und Jessica Pilz in beiden Bewerben echte Asse im Ärmel. Der 30-jährige Schubert holte in seiner Karriere bereits acht Medaillen bei Weltmeisterschaften, drei davon in Gold, zwei bei der Heim-WM in Innsbruck 2018. Dort war Pilz mit einmal Gold und Bronze ähnlich erfolgreich. Ob es für die beiden in der Kombination für Edelmetall reichen wird, darf mit Spannung erwartet werden.

Die Rückkehrer

Nach zwölf Jahren Abstinenz sind Baseball und Softball wieder Teil des Turnierkalenders. Softball ist das weibliche Äquivalent zum besser bekannteren Begriff Baseball. Zweiteres war von 1992 bis 2008 fester Bestandteil des olympischen Programms, Softball folgte vier Jahre später nach. Baseball geht sogar noch weiter zurück: 1912 in Stockholm als Demonstrationssportart (als vorübergehender Test für die Resonanz des Publikums).

Baseball hat in den USA in der jüngeren Vergangenheit an Beliebtheit eingebüßt. Durch die Teilnahme an Olympia erhofft man sich, Werbung für den Sport zu machen. Die Medaillen werden in zwei Turnieren mit jeweils sechs Teams ermittelt. Die Frauen spielen seit 21. bis 27. Juli, die Männer von 28. Juli bis 7. August. Interessant: Das Turnier gastiert nicht in der Gastgeberstadt Tokio, sondern in Yokohama und Fukushima, um Fukushima nach der Atomkatastrophe 2011 Leben einzuhauchen.

Die Baseball- und Softball-Turniere werden in Yokohma und Fukushima gespielt. - © afp / Kazuhiro Nogi
Die Baseball- und Softball-Turniere werden in Yokohma und Fukushima gespielt. - © afp / Kazuhiro Nogi

Die neuen und alten Disziplinen sollen Olympia wieder relevanter machen. So vielversprechend die Sportarten auch seinn mögen, ob es sich bei den diesen Spielen, die von Skandalen und Kritik geprägt sind, um den richtigen Zeitpunkt handelt, wird sich zeigen.