Dass die Norweger begnadete Biathleten sind, die bei Olympischen Winterspielen regelmäßig auf dem Stockerl landen, ist bekannt. Neu ist allerdings, dass ein Norweger einen Triathlon bei Sommerspielen für sich entscheidet. Aber der Reihe nach . . .

Es hatte mit einem Fehlstart beim Schwimmen begonnen. Schon beim Sprung ins 28 Grad warme Wasser für die 1,5 Kilometer Schwimmen war ein Teil der Athleten zu früh dran. Begleitende Motorboote fingen die Gruppe in einer Art Pferch ein und lotsten sie zurück zum Start im Odaiba Marine Park. Beim zweiten Versuch ging dann alles glatt. Auch der Umstieg aufs Rad klappte gut.

Einige Starter waren beim ersten Mal zu früh dran beim Sprung ins Wasser. 
- © afp / Antonio Bronic

Einige Starter waren beim ersten Mal zu früh dran beim Sprung ins Wasser.

- © afp / Antonio Bronic

Auch für Luis Knabl. Der Österreicher war beim olympischen Triathlon in Tokio zunächst stark unterwegs, doch dann stand Knabl auf dem sehr engen 40-Kilometer-Rundkurs in einem ebenso engen Rennen, das geprägt war vom Kampf um den Windschatten, nach etwa der Hälfte der Distanz plötzlich am Straßenrand. In der Hand hielt er sein Rennrad, an dem die Antriebskette lasch herunterhing. Das Schaltwerk war abgerissen. Knabl selbst hatte sich offenbar am Fuß verletzt. 

Auf dem 40-Kilometer-Rundkurs fielen mehrere Athleten aus. 
- © afp / Loic Venance

Auf dem 40-Kilometer-Rundkurs fielen mehrere Athleten aus.

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Passiert war das Ganze bei einer Kollision mit dem Deutschen Jonas Schomburg, der zwar weiterfahren konnte, aber chancenlos mit einer halben Minute Abstand alleine dem Feld hinterherradelte. Vom Dreikampf um den Sieg, den zum ersten Mal bei Olympia ein Norweger, nämlich Kristian Blummenfelt, für sich entschied, bekam er wohl, weil zu weit hinten, nichts mit, während Knabl nur noch Zuschauer war. Dabei war der Tiroler zum Zeitpunkt seines Ausscheidens auf dem gar nicht so schlechten Rang 25 gelegen. Sein Landsmann Lukas Hollaus landete am Ende mit 3:55 Minuten Rückstand auf dem 34. Platz.  

Ein Hitzerennen mit einem Dreikampf im Finnish

Am anderen Ende des Teilnehmerfeldes setzte sich unterdessen auf dem Radkurs der Schweizer Andrea Salvisberg an der Spitze ab und startete mit 14 Sekunden Vorsprung in den 10-Kilometer-Lauf, die allerdings rasch dahinschmolzen. Salvisberg war eingeholt, und der Brite Alex Yee führte nun im Wechsel mit dem Franzosen Dorian Coninx und dem Australier Hayden Wilde ein sehr dichtes Läuferfeld an, in dem Salvisberg nach hinten durchgereicht wurde. Die Hitze, die in Tokio schon am frühen Morgen herrschte, forderte ihren Tribut. Ab dem zweiten Drittel der Strecke fiel das Führungsfeld immer mehr auseinander, und eine sechsköpfige Gruppe setzte sich ab - in der nun der Norweger Kristian Blummenfelt die Führung übernahm -, aus der auf den letzten Kilometern ein Trio aus Yee, Blummenfelt und Wilde wurde. Zwischen diesen dreien sollte sich das Rennen entscheiden.

Kurz vor dem Endspurt schaffte es Blummenfelt dann, sich abzusetzen - und der Norweger holte das allererste Olympia-Gold im Triathlon für sein Land mit einer angesichts der Hitze (um 8 Uhr Ortszeit hatte es bereits 29 Grad) extrem schnellen Laufzeit von 1:45:04 Stunden. Der Norweger lag damit 11 Sekunden vor Yee und 20 Sekunden vor Wilde. Und hätte er nicht, überwältigt von seinem Sieg, die Ziellinie förmlich durchschritten, sondern wäre er auch auf den letzten Metern durchgesprintet, wäre sein Vorsprung noch etwas größer gewesen.