Das nennt man dann mal eine Ansage: Nicht bloß ein respektables Abschneiden oder womöglich eine Medaille sei sein Ziel bei seiner Olympia-Premiere, sondern "Ziel ist natürlich eine Goldmedaille". Und wenn Sepp Straka im Kasumigaseki Country Club so weiterspielt, wie er am Donnerstag begonnen hat, dann wird ihm der Triumph am Ende auch nicht zu nehmen sein. Denn der in den USA lebende Wiener blieb zum Auftakt makellos, knallte der Konkurrenz eine sensationelle 63er-Runde mit acht Schlägen unter Par um die Ohren und führte damit das Feld mit einem Schlag Vorsprung (auf Jazz Janewattananond/Thailand) an. Der zweite ÖOC-Golfer beim Olympiaturnier, Matthias Schwab, lieferte mit einer 69er-Auftaktrunde eine solide Leistung ab und klassierte sich an die 20. Stelle.
Die beiden Olympia-Debütanten Straka und Schwab hatten die Ehre, das Olympia-Golfturnier im wunderschönen Ambiente gut 20 Kilometer nordwestlich von Tokio quasi zu eröffnen. Der nach dem Verzicht von Bernd Wiesberger mit dem zweiten Österreich-Startplatz ausgestattete Straka spielte um 7.30 Uhr Ortszeit im ersten, Landsmann Schwab im zweiten Flight des Tages.
Zu verdanken hatte Straka seine Führung vor allem seinem fehlerfreien Spiel. Was insofern bemerkenswert war, weil der von Zwillingsbruder Sam als Caddie begleitete Longhitter seine oft riskanten Schläge gerne auch "streut" und zuletzt auf der PGA-Tour gleich dreimal in Folge den Cut verpasst hatte. In Japan schaffte der 28-Jährige zunächst auf den Spielbahnen drei bis acht aber vier Birdies; Gleiches gelang ihm dann auch noch vom 13. bis zum 17. Loch.

Eine "leiwande Runde"


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"Sam und ich hatten viel Spaß. Es war ein richtig leiwander Tag, eine leiwande Runde. Dieser Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben", meinte ein lockerer Straka, für den das Olympia-Flair selbst ohne Zuschauer spürbar gewesen sei. "Wenn man auf diesem Kurs auf dem Fairway bleibt, dann kann man wirklich profitieren", kommentierte der Austro-Amerikaner. "Meine Eisen waren heiß, ich habe versucht, aggressiv zu bleiben." Dass seine Runde nahezu perfekt war, kommentierte der gebürtige Wiener verschmitzt so: "Mein Spiel war gut. Aber perfekt gibt es im Golf nicht." Es sei zudem erst Donnerstag – und damit der erste von insgesamt vier Turniertagen. "Man muss jeden Tag anders nehmen."
Sein Landsmann Schwab agierte hingegen am ersten Turniertag nicht wirklich fehlerlos – der Steirer verzeichnete zunächst drei Birdies und drei Bogeys, lieferte also eine kunterbunte Front-Nine ab; in der zweiten Hälfte ging es für Schwab deutlich solider weiter – Schlaggewinne auf der 11 und der 16 brachten den 26-Jährigen doch noch zu einer 69 und damit Unter-Par-Runde (-2).
Schwab war damit zufrieden. "Ich habe relativ gut gespielt, aber halt auch einige ‚unforced errors‘ eingestreut", erklärte der Rohrmooser. "Die zweiten neun waren aber okay, darauf kann man aufbauen. Insgesamt war es eine solide Runde." Auch Schwab taugt der Platz ("Ein Genuss"), und Olympia im Allgemeinen.
Der auf der Europa-Tour spielende Schwab – Straka ist ja auf der höherwertigen US-PGA-Tour engagiert – befand sich mit seinem Score in prominenter Gesellschaft. Auch Lokalmatador Hideki Matsuyama, der Masters-Sieger, und British-Open-Gewinner Collin Morikawa (USA) sowie der vierfache Major-Gewinner Rory McIlroy kamen auf jeweils 69 Schläge. Mitfavorit Justin Thomas (USA) musste sich mit einer Par-Runde (ohne Birdie oder Bogey) begnügen und lag auf Rang 41.

Finale am Sonntag

Die Entscheidung über Gold, Silber und Bronze fällt am Sonntag – die ersten Abschläge finden jeweils um 0.30 Uhr MESZ statt.
Mit Wiesberger hatte Österreichs in der Weltrangliste bestplatzierter Golfer auf eine Teilnahme an den Spielen in Japan verzichtet. 2016 bei der Rückkehr des Sports ins Olympia-Programm in Rio war der Burgenländer starker Elfter geworden. Nach den Männern folgt in Tokio nächste Woche noch das Damenturnier. Mit dabei ist die Tirolerin Christine Wolf. (may/apa)