Ich habe mir gedacht: Entweder ich beiße jetzt diese letzten drei Minuten durch - oder ich muss weitere drei Jahre rackern, bis die nächste Olympia-Chance kommt. Ich habe mich für die drei Minuten entschieden."

Magdalena Lobnig mag es halt pragmatisch. Und mit diesem Pragmatismus hat es die Kärntnerin nun zu Olympia-Bronze geschafft. Im Einer-Rennen der Frauen musste sie sich nur der Neuseeländerin Emma Twigg und der Russin Hanna Prakatsen geschlagen geben. Es war nach zwei dritten und drei zweiten Plätzen der insgesamt sechste Olympia-Stockerlplatz für Österreichs Ruderer, der erste seit 1992 und der erste für eine Frau überhaupt. "Das ist schon sehr cool, dass ich da ein bisschen Geschichte geschrieben habe. Ich hoffe, das motiviert auch viele junge Sportlerinnen", meinte Lobnig, die von "extrem weichen Füßen" vor dem Start gesprochen hatte.

"Ich wollte die schlottrigen Knie am Start lassen und mich einfach wegschieben"

Magdalena Lobnig

"Ich habe mir gedacht, diese schlottrigen Knie, die muss ich am Start lassen und mich einfach wegschieben. Das ist ganz gut gelungen." Wie gut, bemerkte auch Nationaltrainer Robert Sens: "So einen Start habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Wie sie sich aus den Böcken geschossen hat, das war schon fast surreal", sagte der Deutsche, der seit April 2020 beim österreichischen Ruderverband engagiert ist.

Mit ihm sei auch mehr Professionalität eingezogen, erklärte Lobnig, die ansonsten von ihrem Heimtrainer Kurt Traer sowie einem eingeschweißten Team betreut wird. "Diese Medaille ist nicht nur für mich, die gehört allen", betonte die 31-Jährige.


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In erster Linie aber war es freilich ihrer Disziplin und ihrer harten Arbeit zu verdanken, dass sie nach Welt- und Europameisterschaftsmedaillen nun auch ein Souvenir von Olympia mitnehmen kann. Denn Lobnig biss sich stets durch - auch in eher schwierigen Zeiten für den in Österreich an und für sich traditionsreichen Sport.

Dass es damit nun wieder kontinuierlich nach oben geht, freut auch Karl Stoss, der Lobnig als Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees unmittelbar an der Regattastrecke gratulierte. "Was die Magdalena heute geschafft hat, ist großartig für den österreichischen Rudersport und natürlich auch großartig für uns. Weil sie hat ja auch sehr die Infrastruktur des Olympischen Komitees mit den Olympia-Zentren genutzt. Ich freue mich riesig für sie und riesig für den Rudersport", sagte er.

"Würden uns sehr freuen, wenn noch etwas dazukommt"

Karl Stoss

Insgesamt vier Medaillen nach sieben Wettkampftagen - damit seien seine Erwartungen übertroffen worden. Nach den Spielen in London, die für Österreich ohne Medaillen-Glanz und Glorie endeten, und jenen von Rio, wo nur die Segler Tanja Frank und Thomas Zajac das Ruder herumrissen, wird es diesmal wohl auch keine Diskussionen über Sportförderung und -politik geben, glaubt Stoss - zumal es ja noch das eine oder andere Mal im Medaillenschrank klimpern könnte. "Wir würden uns sehr freuen, wenn noch etwas dazukommt. Wir haben noch Topathletinnen und Athleten hier. In der Leichtathletik, im Klettern oder Karate", meinte der ÖOC-Chef.

Und wenn es tatsächlich in dieser Tonart weitergeht, läuft auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen Gefahr, einen Twitterarm zu bekommen. Unmittelbar nach Lobnigs Erfolg klopfte er schon zum vierten Mal olympisch in die Tasten. "Die vierte Medaille bei den Olympischen Sommerspielen #Tokyo2020! Ich gratuliere Magdalena #Lobnig sehr herzlich", schrieb das Staatsoberhaupt.

(art/apa)