Tokio ist Veranstalter der 32. Olympischen Sommerspiele. Jene Sommerspiele, die 1896 in der griechischen Metropole Athen ihren Ursprung fanden. Griechenland gilt als die große Olympianation. Dort gab es bereits in der Antike, vor rund 3.000 Jahren, die ersten olympischen Wettkämpfe. Damals gab es von den ersten (767 v. Christus) bis zu den 14. Spielen (724 v. Chr.) mit dem Stadionlauf, der eine Renndistanz von 192 Metern vorwies, nur einen einzigen Wettbewerb. 16 Jahre später, 708 v. Chr., kam der antike Fünfkampf, auch Pentathlon genannt, hinzu. Als eine von den damals sogenannten gymnischen Disziplinen (gymnos = nackt), wird Pentathlon seither in fünf verschiedenen Bewerben ausgetragen (penta = fünf). An einem Nachmittag traten die Athleten in den Disziplinen Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Stadionlauf und Ringkampf gegeneinander an. Die genauen Regeln wusste damals keiner so wirklich, nachdem diese im Zuge der Zwangschristianisierung des Römischen Reichs verloren gegangen waren.

Der Gewinner des ersten Pentathlon-Wettkampfs trug übrigens den klangvollen Namen Lampis von Sparta. Auch bei den aktuellen Spielen darf der Traditionsbewerb natürlich nicht fehlen. Von 5. bis 7. August treten Männer und Frauen gegeneinander an - mittendrin ist auch ein Österreicher: Der 24-jährige Gustav Gustenauer ist der erst zweite Athlet in Rot-Weiß-Rot, der in den vergangenen 32 Jahren im modernen Fünfkampf antritt.


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. . . zweimal Fechten . . . - © afp / John McDougall
. . . zweimal Fechten . . . - © afp / John McDougall

Pentathlon definiert sich heute jedoch deutlich anders. Mittlerweile wird die Disziplin offiziell als Moderner Fünfkampf deklariert und beinhaltet ganz andere Subdisziplinen als noch zu Beginn seines Seins. In einem Zeitabstand von jeweils einer Stunde (als Vergleich, im dreiteiligen Triathlon kommt alles direkt nacheinander) messen sich die Athleten im Schwimmen, Fechten, Reiten und einer Kombination aus Laufen und Schießen, auch Laser-Run genannt. Bei Olympia werden die Distanzen der jeweiligen Wettkämpfe immer wieder verändert und sind daher nicht einheitlich. Als allgemeine Devise für den Pentathlon gilt, den idealen und vielseitigsten Athleten zu ermitteln. In dieser Hinsicht hat er sich zuletzt insofern weiterentwickelt, als der Sport bis zum Zweiten Weltkrieg hauptsächlich vom Militär und der Polizei betrieben wurde. Seit den Olympischen Spielen 2000 gibt es im Modernen Fünfkampf auch einen Frauen-Bewerb. Die erfolgreichsten Nationen bei Olympia sind Schweden und Ungarn mit jeweils neun Goldmedaillen. Als bester Pentathlet aller Zeiten gilt der Ungar Andras Balczo, der sich gleich dreimal Edelmetall im Wert von Gold umhängen konnte.

. . . und abschließend die Kombination aus Laufen und Schießen. - © afp / John Mcdougall
. . . und abschließend die Kombination aus Laufen und Schießen. - © afp / John Mcdougall

Eine echte Nische

In Österreich ist der Sport ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Der Österreichische Verband des Modernen Fünfkampfes (ÖVMF) ist zwar nur überschaubar groß, nimmt durch seine Aktivität bei der Entwicklung des Pentathlons und entsprechenden Beiträgen in den Gremien aber eine wichtige Rolle für den internationalen Verband UIPM dar. In Österreich setzt man sich das Ziel, junge Menschen mit der Vielfältigkeit des modernen Fünfkampfes zu begeistern und die damit verbundene sportliche Bewegung zu erwecken. Da die Disziplinen innerhalb eines Pentathlons so verschieden sind, werden neben dem physischen Faktor auch Konzentrationsfähigkeit beim Schießen, Reaktion beim Fechten und Einfühlvermögen beim Reiten auf die Probe gestellt und trainiert. In dieser Hinsicht arbeitet der Verband mit Schulen eng zusammen, um den langjährigen Trainingsaufbau junger Athleten entsprechend zu fördern. Die Anzahl der Mitglieder ist in Österreich über die Jahre leicht gestiegen - seit der Gründung des Verbands 2015 üben 15 Menschen mehr den Sport aus, insgesamt beträgt die Anzahl an Athleten 63.

Landesverbände gibt es in nur drei Bundesländern, die meisten weist die Steiermark mit sieben auf. Der Rest geht nach Niederösterreich und Wien. Diese Vereine bieten nicht ausschließlich Fünfkampf an, sondern auch die etwas abgeschwächten Varianten "Biathle" (Zweikampf) und "Triathle" (Dreikampf). Da die Möglichkeiten vor allem im Fechten nicht die Besten sind, können auch nicht alle Vereine den modernen Fünfkampf in seiner Vollständigkeit anbieten.

Auch Quereinsteiger gefragt

Da man im Pentathlon gleich fünf Sportarten trainieren muss, ist es besonders wichtig, mit gewissen Grundkenntnissen zu beginnen. Laut Tina Schwarz, Generalsekretärin des ÖVMF, geht das in sehr jungen Jahren los: "Laufen, schwimmen und schießen sind die anfänglichen Sportarten, mit denen die Kleinen beginnen." Mit zehn oder elf Jahren käme dann erst das Fechten hinzu. "Bevor man damit loslegt, sind gute Fähigkeiten im Schwimmen und Laufen Grundvoraussetzungen", sagt Schwarz. Das Reiten käme erst ganz zum Schluss an die Reihe, wobei hier oft die Pubertät im Weg steht: "Plötzlich hören sie mit dem Fechten auf und machen keinen richtigen Fünfkampf mehr." Es seien nur wenige, die bis zum Ende hin alles diszipliniert durchziehen. Allerdings sei es nicht unmöglich, als Quereinsteiger weit zu kommen. Daniel Thomas war 2012 in London der bis heute letzte österreichische Olympia-Teilnehmer im Pentathlon, nachdem er seine Liebe zum Fünfkampf erst im späteren Alter kennenlernte.